Speyer
Graffiti-Ärger: Der Klimawandel und die Kleinkriminalität
„Sachbeschädigung durch Graffiti auf Gehwegen“ – so ist eine Pressemeldung der Speyerer Polizei vom Wochenende überschrieben. Damit wird ein Zeugenaufruf verbunden. Der Tatbestand: „Auf verschiedenen Gehwegen und Fahrbahnen in der Innenstadt von Speyer wurden bislang zehn Graffiti festgestellt, die sich mit der Thematik Klimawandel beschäftigen.“ Tatzeitraum: mutmaßlich Freitag oder Samstag.
Freitag? Da war doch was ... Weltweiter Klima-Aktionstag der Bewegung „Fridays for Future“, mit einer Mahnwache am Speyerer Domplatz. Und wer sich eine der gelbgrünen Markierungen zum Beispiel in der Bahnhofstraße anschaut, kann auf diesen auch den Namen und das Logo der Bewegung erahnen. Daraus dürfen allerdings keine vorschnellen Schlüsse gezogen werden, betonen die Ermittler: „Ob es einen Zusammenhang gibt, wird gesondert ermittelt“, so Inspektionssprecherin Susanne Lause. Und: Es sei bislang kein Tatverdächtiger aktenkundig.
Unterschiedliche Meinungen
Wie „schlimm“ das Delikt überhaupt ist, darüber kann man gewiss unterschiedlicher Meinung sein. Es hat wohl auch damit zu tun, wie lange der Boden bemalt bleibt. „Vielleicht ist es abzuwaschen und gar kein Schaden entstanden“, so Lause. Wie gesagt: Ermittlungen laufen.
Entschiedener klingt da ein Speyerer, der die Lokalredaktion auf die „Schmierereien durch Fridays for Future“ hinweist und glaubt, dass „eine phosphoreszierende, giftige Ölfarbe“ eingesetzt worden sei. Auch in den sozialen Medien wird über die Graffiti schon ausgiebig diskutiert.
Organisationsteam unschuldig
Und was sagt die Speyerer „Fridays for Future“-Gruppe dazu? Henrike Misske, Mitglied im lokalen Organisationsteam, wägt ihre Worte im RHEINPFALZ-Interview. Sie habe die Graffiti gesehen, aber sie könne keinen Urheber benennen. Von ihrem Team stammten sie nicht. Sie wisse aber, dass es diesmal und auch bei früheren Kundgebungen schon „Eigeninitiativen“ gegeben habe.
Die Klimaschützer wollen keine Fehler machen. Das hat am Freitag ihre Kundgebung gezeigt. Der Spagat aus Information und Infektionsschutz sei gelungen, betont Misske nicht ohne Stolz. Am Domplatz hätten dazu Markierungen mit abwaschbarer Kreide gehört. Recht hat sie! Hoffentlich legt sich die Aufregung bald. Und: Wäre schön, wenn es beim Klimawandel auch so wäre.