Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Gräben laufen über, Gärten unter Wasser

Vom Fischergraben (vorne) überflutet: Kleingarten im Revier an der Rheinhäuser Straße.
Vom Fischergraben (vorne) überflutet: Kleingarten im Revier an der Rheinhäuser Straße.

Es geht schon wieder los: Wie beim Rheinhochwasser 2013, laufen auch diesmal Gräben im Speyerer Süden voll, sobald der Fluss abschwillt. Hinzu kommt Grundwasser, das an die Oberfläche steigt. Rund 30 Kleingärten an der Rheinhäuser Straße und einige Äcker stehen unter Wasser. Der Kleingärtnerchef fürchtet, dass noch mehr kommt.

In rund 30 Kleingärten an der Rheinhäuser Straße und Industriestraße steht seit Montag knöchel- bis kniehoch das Wasser, schätzt Peter Weiß. Der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Speyer hat selbst einen Garten in dem Revier, der bis auf Weiteres ebenfalls nur mit Gummistiefeln trockenen Fußes betreten werden kann. „Die meisten Pflanzen in den Gärten werden das nicht überstehen“, sagt Weiß. Er erwartet, dass sogar noch mehr Wasser aus Berghausen über den Fischergraben auf die Speyerer Gemarkung fließt, wenn der Rhein weiter fällt. Die Stadt rechnet mit einem Problem, das über Wochen bestehen kann.

Im Revier an der Rheinhäuser Straße sei es vor allem Wasser aus dem Fischergraben, der die bisher rund 30 Gärten geflutet hat, teilt der Vereinsboss mit. „Der Graben wird jeden Herbst im Auftrag der Stadt durch eine Firma gereinigt“, erklärt Weiß. Das sei wichtig, damit abfließendes Wasser nicht von Pflanzen abgebremst wird. „Doch mit den tonnenschweren Maschinen, die bei der Grabenpflege zum Einsatz kommen, werden leider die Grabenränder plattgefahren. Dadurch wurde der Graben immer flacher“, berichtet der Vereinsvorsitzende.

„Graben ausbaggern“

Weiß fordert von Seiten der Stadt, dass der Fischergraben besser früh im Jahr statt im Herbst gereinigt wird. Damit würde das starke Schilfwachstum besser zurückgedrängt, meint er. Der Kleingärtnerchef sagt außerdem, das der Graben „20 bis 30 Zentimeter tief ausgebaggert“ werden sollte. Dann würde er nicht so schnell über die Ufer treten, wie es nun wieder geschehen ist. Außerdem fände er es gut, wenn die Gräben im Bereich des Kleingartenreviers Kugelfang, insbesondere der Hammelweidegraben, überhaupt gepflegt würden. „Sie sind zugewachsen, weil an denen schon länger nichts mehr gemacht wurde.“

Am Montagmittag bereits ist in drei, vier Gärten in der nordöstlichen Ecke des Kugelfangs einige Zentimeter hoch Wasser gestanden. Der Hammelweidegraben grenzt an die betroffenen Grundstücke an, weshalb Weiß glaubt, dass die Gärten von Oberflächenwasser überflutet wurden. Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass sich in dem Bereich Grundwasser nach oben gedrückt hat. Maria und Juri Klassen, deren Garten nahe des Hammelweidegrabens am Montag noch trocken war, befürchten, dass in einigen Tagen wie schon 2013 wieder eine Seenlandschaft in ihrem grünen Paradies mit Obstbäumen, Beerensträuchern und viel Gemüse entsteht.

Politiker fordert Finanzhilfe

Auch SPD-Politiker Nicholas Herbin zeigt sich in einer Stellungnahme besorgt: „Die grüne Oase mancher Kleingärtner ist sprichwörtlich ,abgesoffen’.“ Wobei viele Flutfolgen noch gar nicht abschätzbar seien. „Bei den meisten Gärten geht es vor allem um Einrichtungsgegenstände, Beete und elektrische Anlagen und Technik, die ersetzt werden müssen.“ Der Sozialdemokrat fordert: „Die Kleingärtner brauchen finanzielle Hilfen, um die Schäden zu beseitigen und Neuanschaffungen zu tätigen. Die Kleingärten seien wichtig für die Umwelt und dienten als Rückzugsort direkt ins Grüne.

RHEINPFALZ-Kommentar von Christian Berger

Notlage mit Ansage

Alle fünf bis zehn Jahre müssen Kleingärtner und Landwirte im Süden mit nassen Füßen rechnen. Mehr Solidarität ist nötig.

Die überwiegende Mehrheit der Experten ist sich einig: Wir werden durch den Klimawandel häufiger extreme Wetterlagen erleben. Mal Hitze und Dürre, mal sintflutartigen Regen. Wenn der Rhein über die Ufer tritt, dann drückt im tief liegenden Hinterland an vielen Stellen Grundwasser nach oben.

Die Stadt Speyer wollte, um für Entlastung zu sorgen, schon nach dem Hochwasser 2013 die Gräben reinigen. Doch das geschieht offenbar nur stellenweise. Zudem sollte eine Pumpe an der stillgelegten „Berghäuser Schließe“ überschüssiges Wasser über den Deich in den Rhein befördern. Doch haben sich Speyer und Römerberg noch immer nicht auf ein Konzept geeinigt. Mehr Solidarität mit Landwirten und Gärtnern ist nötig.

Parzelle: unter Wasser.
Parzelle: unter Wasser.
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