Speyer Goldener Boden

Rainer Lunk
Rainer Lunk

Vor 22 Jahren ist Rainer Lunk zum Hauptgeschäftsführer der kurz vor der Insolvenz stehenden Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz – unter anderem für den Rhein-Pfalz-Kreis und Speyer zuständig – ernannt worden. Aus dem maroden Betrieb mit zwei Mitarbeitern hat er die Dienstleistungszentrum Handwerk GmbH mit über 50 festangestellten Beschäftigten gemacht. Am Mittwoch hatte der 65-Jährige seinen letzten Arbeitstag.

Dass Lunk seinen Ruhestand antritt – so ganz stimmt das nicht. Er bleibt Vorstandsvorsitzender der Gütegemeinschaft Lebensgerechte Handwerksleistungen, der WHG-Überwachungsgemeinschaft des Handwerks – WHG steht für Wasserhaushaltsgesetz – und des hauseigenen Versorgungswerks. Alle drei Organisationen haben Lunk und seine Kollegen zwischen 1995 und 2016 gegründet und dazu noch eine ganze Reihe weitere. Die im Haus des Handwerks am Ludwigshafener Ludwigsplatz ansässige Dienstleistungszentrum Handwerk GmbH ist die Dachorganisation für unter anderem die Kreishandwerkerschaft Vorderpfalz mit 17 Innungen, für zwei Fachverbände, drei Berufsorganisationen und eine eigene Bildungsakademie, die das Geld erwirtschaftet, um die Mitgliedsbetriebe juristisch betreuen zu können. Dazu kommen drei Jugendfördermaßnahmen in der Pfalz und sieben Förderprojekte im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz, die sich etwa der Integration von Flüchtlingen oder dem Thema Unternehmensnachfolge widmen. Angesichts all dieser Aufgaben ist klar, dass Lunk keine 40-Stunden-Woche hatte. „In guten Wochen kam ich auf 60 Stunden“, blickt er zurück. Lunk vertrat seine Organisation in vielen Gremien auf Bundesebene und war zusätzlich im Ehrenamt von 1986 bis 1999 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Münchweiler an der Alsenz. Seit Jahren ist er zudem Verwaltungsratsvorsitzender der IKK Südwest. Besprechungen im Stundentakt, unzählige Telefonate, regelmäßige Flüge zu Sitzungen in Berlin, der jahrelange Verzicht auf die Mittagspause und abendliches Protokollschreiben auf dem heimischen Sofa – all das soll aber der Vergangenheit angehören. Die Aufgaben, die er noch mitnimmt, könne er bequem und bei freier Zeiteinteilung in seinem Büro zu Hause in Großkarlbach erledigen, wo er seit acht Jahren lebt. „Mir war von Anfang an klar, dass ich ranklotzen muss“, erinnert Lunk sich. Nach einer Ausbildung zum Steuerbevollmächtigten im Betrieb seiner Tante hatte der Nordpfälzer zunächst bei der Kreishandwerkerschaft Kaiserslautern gearbeitet. Als ihn der damalige Kreishandwerksmeister Hans Ziegle gefragt hatte, ob er als Hauptgeschäftsführer nach Ludwigshafen wechseln wolle, habe er „spontan Nein gesagt“. In die Liste der fünf Geschäftsführer, die in acht Jahren verschlissen worden waren, hat er sich wohl nicht einreihen wollen. Den Satz „Du wirst scheitern“, habe er nicht nur einmal gehört. Aber der Ehrgeiz, aus der maroden Organisation etwas zu machen, packte ihn dann doch. So schuf er mit seinem immer größer werdenden Team „aus einer stark insolvenzgefährdeten Kreishandwerkerschaft mit zerstrittenem Ehrenamt und zahlreichen unzufriedenen Betrieben ein modernes Dienstleistungszentrum“. Aus den 1200 Mitgliedsbetrieben in der Anfangszeit sind rund 4000 geworden. Im Gegensatz zur Handwerkskammer ist die Mitgliedschaft freiwillig. Mit einem „guten Gefühl“ übergibt Lunk nun seine Ämter an zwei Personen. Hauptgeschäftsführer der DLZ Handwerk GmbH mit über 40 Mitarbeitern soll Christian Mohr werden, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft mit zehn Mitarbeitern Jochen Heck.

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