Speyer
Gewässerkonzept geplant: Wie viel Fürsorge brauchen Speyers Seen?
Michael Tiesler ist sich zu 100 Prozent sicher: „Am Wochenende wird viel los sein. Schon unter der Woche hat man gemerkt, dass das wärmer gewordene Wasser mehr Besucher angelockt hat.“ Das Vorstandsmitglied der Speyerer Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ist einer der ganz Erfahrenen an der Wachstation im Binsfeld. Je fünf bis sechs Ehrenamtler sind dort an Wochenenden im Einsatz und helfen bei Bade- und anderen Unfällen.
„Es geht uns wie allen Vereinen, die auf das Ehrenamt angewiesen sind: Wenn wir mehr Personal hätten, liefe es besser“, sagt Tiesler. Die Wachstation-Besatzung rekrutiere sich aus einem Kreis von 20 Helfern, und die Schichtpläne füllten sich nicht mehr so einfach und vor allem frühzeitig wie in vergangenen Jahren. Aber seit Christi Himmelfahrt sei die DLRG-Station wieder besetzt – und habe glücklicherweise noch keine großen Vorfälle verzeichnet.
Vorsorge wird großgeschrieben
Wer in einen der Baggerseen im Speyerer Norden eintaucht, in dem das erlaubt ist, kann das wegen der DLRG-Aktiven mit gutem Gewissen tun. Die Wasserratten können sich aber auch auf die Kontrollen der Wasserqualität verlassen: Von den 66 Gewässern in Rheinland-Pfalz, in denen das Land und die jeweiligen Gesundheitsämter bis Ende August 14-tägig Proben nehmen, liegen allein zwölf in Speyer und dem direkten Umland. Über „beste Wasserqualität in fast allen rheinland-pfälzischen Badeseen“ freute sich diese Woche in einer Pressemitteilung Umweltministerin Katrin Eder (Grüne).
Krisensymptome gibt es gleichwohl. Je wärmer und trockener es ist, desto eher kippen Gewässer um und desto eher können sich gesundheitsgefährliche Blaualgen ausbreiten. Das war zum Beispiel 2018 und 2020 am Speyerlachsee im Binsfeld der Fall. Umgekippt ist wegen Sauerstoffmangels 2024 auch der Russenweiher, der ein Fischerei-, aber kein Badegewässer ist. Am Kollersee zwischen Otterstadt und dem badischen Brühl galt in den vergangenen Tagen teilweise ein Badeverbot wegen problematischer Bakterien-Konzentrationen.
Einige Grünalgen gesichtet
Insofern ist es eine gute Nachricht, wenn dem Speyerer Umweltamt für 2025 noch keine Meldungen zu „seinen“ Gewässern vorliegen, wie eine Stadt-Sprecherin auf Anfrage mitteilt. Sie würden bei Grenzwert-Überschreitungen durch die Fachbehörden weitergegeben und könnten in Badeverboten münden. Auffälligkeiten in den Untersuchungsergebnissen vom Mai gibt es dennoch: Ufernahe Grünalgen sind im „Badegewässeratlas“ (www.badeseen.rlp.de) etwa für den Binsfeldsee und den Sonnensee im Binsfeld erwähnt. Für den Sonnensee ist außerdem eine „Sauerstoff-Übersättigung“ verzeichnet.
Der Sauerstoffgehalt im Wasser hänge entscheidend von der Temperatur ab, erklärt die Stadtverwaltung: Je geringer die Temperaturen, desto höher ist der Gehalt an Sauerstoff. Im Fall des Sonnensees hat das Rathaus deshalb Kontakt mit dem Landesamt für Umwelt aufgenommen. Unter anderem gilt es abzuschätzen, ob ein erhöhtes Algenwachstum droht. Dann könnten auch die Blaualgen ins Binsfeld zurückkehren, die für Mensch und vor allem Tier gefährlich sind.
Thema im Stadtrat
Auf Antrag der UfS-Fraktion hat der Stadtrat am Donnerstagabend über die Erstellung eines städtischen Gewässerkonzepts beraten. Der Umweltausschuss und die Verwaltung sollen nun klären, ob dieses beim Schutz der vielen Speyerer Seen und Fließgewässer helfen könnte. Frank Ableiter (Freie Wähler) riet zu weiterem Rückschnitt von Ufer-Bewuchs im Binsfeld: „Wir werden sonst über kurz oder lang an allen Seen ein Algen-Problem bekommen.“ Auch landwirtschaftliche Düngung und Gänsedreck belasteten.
Thema war in der Sitzung auch der Russenweiher im Neuland, in dem es im vergangenen Jahr zu einem Fischsterben gekommen war. Der Stadtrat hat dabei die Anschaffung eines Unterwasser-Belüftungssystems der Firma Drausy mehrheitlich befürwortet. Das kostet für 2025 und 2026 in der Summe rund 190.000 Euro. Nur die Grünen sagten nein. Die neue Anlage kann mittels perforierter Schläuche am Weihergrund beständig Sauerstoff ins Wasser pumpen und damit die heutigen, mangelhaften Lüftungsanlagen an der Wasseroberfläche ersetzen.