Speyer Gesucht: Neue Heimat

. Den Master-Studienplatz für Psychologie hat sie schon, die passenden vier Wände sucht sie noch. Julia Neer aus Trier und ihr Hund Jackie sind an diesem Freitagnachmittag auf Wohnungssuche in Landau. Einfacher macht es die Sache mit dem Hund nicht – das weiß Julia. Deshalb hat sie auf der Internetplattform „Wg gesucht“ eine eigene Suchanzeige aufgegeben, statt selbst unzählige Leute anzufragen. Als „unkompliziert“ beschreibt sie sich in der Annonce, sie suche „aber keine Party-WG“. Jetzt öffnet Klaus Foerster im Landauer Malerviertel die Tür. „Wollt ihr was trinken?“ „Die Wohnsituation ist nicht mehr so angespannt“, sagt Alexandra Diestel-Feddersen, Geschäftsführerin des Studierendenwerkes Vorderpfalz auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Während vor einigen Jahren noch ein harter Kampf um Wohnraum in deutschen Studentenstädten tobte, ist zumindest in Landau Besserung in Sicht. Zum Anfang des Wintersemesters eröffnet das neue Wohnheim im Quartier Vauban mit 173 Plätzen. Im August waren dort noch einige Zimmer frei. „Viele haben ihre Zulassung erst sehr spät bekommen. Es gab bei uns jetzt noch viele Bewerbungen“, sagt Diestel-Feddersen nun. Aktuell sei das neue Wohnheim fast voll belegt. Auch Klaus Foerster, der ein Zimmer zu vergeben hat, kann bestätigen, dass sich wohnungsmäßig in Landau viel getan hat. „Eigentlich war hier immer ziemlich Not“, berichtet er, während er die Wohnung zeigt. Letztes Jahr hätten einige Studenten sogar auf dem Uni-Parkplatz gecampt. „Deshalb wollte ich so früh wie möglich suchen“, wirft Julia ein. „Das ist die Küche, die bleibt so drin“, sagt Klaus. Auf Socken und mit Kaffeetasse in der Hand geht es durchs potentielle neue Heim. Hund Jackie hat sich derweil schon mit Klaus’ Vierbeiner Frida angefreundet. Die Zweibeiner lachen viel, die Chemie scheint zu stimmen. Darum geht es bei allen WG-Besichtigungen, seien es Einzelgespräche oder ganze Gruppen-Castings: Wer einziehen möchte, bekommt einen ersten Blick in die Wohnsituation, wer die Wohnung vergibt, kann gleich testen, ob der persönliche Eindruck positiv ist. Julia stand auch schon einmal auf der anderen Seite: Für eine eigene WG in Hamburg suchte die 29-Jährige Mitbewohner. Nachdem die Suchanzeige drei Stunden im Internet gestanden habe, musste sie sie allerdings wieder herausnehmen: Zu groß war der Ansturm. „Wir haben im 20-Minuten-Takt eingeladen.“ Keine Spur davon derzeit in Landau. Nach über einer Stunde bei Klaus geht es für Julia weiter zur nächsten Wohnung. Auf dem Weg nach Wollmesheim gibt sie eine Zwischenbilanz im Auto: „Ich könnte mir vorstellen, hier einzuziehen. Aber das Zimmer ist etwas klein.“ „Oh, den großen Kühlschrank hatte ich schon im Internet gesehen“, lacht Julia in der nächsten Wohnung. Fotos in Online-Portalen sind gang und gäbe, um Interessenten einen ersten Eindruck zu vermitteln. Hier, in Wollmesheim, außerhalb der Stadt, ist alles etwas größer dimensioniert, die Wohnatmosphäre eine andere. Hundekrallen auf Parkett, Karsten Fusenig zeigt Küche, dann Balkon, dann Bad. Draußen singen die Vögel. „Ja, es ist hier schon sehr naturnah“, sagt Julia mit einem Lächeln und schaut sich alles ganz genau an. Sie erfährt, dass man in Landau überall gut zu Fuß und per Fahrrad hinkommt, dass hier fußballtechnisch der FCK das Höchste der Gefühle ist. Ein bisschen Allgemeinbildung für die Neupfälzerin. Karsten hat seine Anzeige schon seit Mai im Internet und hatte inzwischen zehn bis zwölf Interessenten im Haus. „Es muss einfach passen“, sagt er. Eine Zweck-WG sei nichts für ihn. Die Besichtigungs-Schwünge kämen immer phasenweise. Einige Tage nach unserer Besichtigungstour kommt eine E-Mail von Julia. Das erste Zimmer war ihr zu klein, für das zweite hat sie eine Zusage erhalten und möchte einziehen. So wird sie nach nur zwei Besichtigungen bald Landauerin. (rxs)