Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Gestresst schon vor Dienstbeginn: Straßen dicht in der südlichen Kernstadt

Ludwigstraße: eine der gekappten Verkehrsadern.
Ludwigstraße: eine der gekappten Verkehrsadern.

Mehrere Bauprojekte machen das Durchkommen vor allem für Kraftfahrzeuge schwer. Bekommt so die Verkehrswende Auftrieb?

Ich habe mir ernsthafte Sorgen um meine Kollegen gemacht. Vor einigen Tagen stand gleich morgens eine Schulung für die komplette Lokalredaktion an – und die Teilnehmer waren schon geschafft, bevor die erste Einheit überhaupt begonnen hatte. Das hatte mit ihrer – sagen wir mal: beschwerlichen – Anreise zu tun: Es war der erste Morgen, an dem die Kreuzung von Ludwig- und Zeppelinstraße wegen Fernwärme-Bauarbeiten gesperrt war. Der Weg, den die meisten Autofahrer zur Redaktion in der Heydenreichstraße nehmen, stand somit nicht zur Verfügung.

Aber wie ankommen? Einer Kollegin zeigte das Navigationssystem eine falsche Route an. Auch auf anderen Fahrersitzen wurden Schweißausbrüche registriert. Die Schwerdstraße ist schon lange gesperrt, okay. Aber die Ludwigstraße zu umfahren, ist angesichts des von der Lindenstraße her dichten Kreisels an der Paul-Egell-Straße, der halbseitigen Sperrung am Domplatz und natürlich vieler Einbahnstraßen in der südlichen Kernstadt alles andere als einfach. Als kürzlich ein überlanger Gelenkbus nur noch mit Polizei-Hilfe aus der Ludwigstraßen-Sackgasse kam, war das Schlamassel groß. Inzwischen stehen „Einfahrt verboten für Busse“-Schilder schon ein gutes Stück vor der Baustelle.

Schon wieder vergessen

Nochmals: Wo sollen sie hin, die Busse, aber auch die Kleinwagen, die das Kaufhof-Parkhaus, Geschäfte oder eben die RHEINPFALZ-Redaktion als Ziel haben? Dass sich diese Frage stellen würde, hatte ich mir schon fast gedacht, als ich die Zeitungsmeldung zur anstehenden Kreuzungssperrung in der Ludwigstraße vorbereitete. Als es soweit war, hatte ich natürlich schon wieder vergessen, dass die Durchfahrt dicht ist. Zum Glück fiel mir ein, dass über die St.-German-Straße der Domplatz erreichbar sein müsste – und ich kam dann zwar mit Umweg, aber nur halbwegs gestresst zur Schulung im Büro.

Nicht nur die Lokalredaktion ist derzeit vor allem für Autofahrer schwer zu erreichen. Zum Beispiel die Geschäfte rund um den Königsplatz dürften ebenso einem Ende der Arbeiten entgegenfiebern – im Sinne ihrer Kunden und des eigenen Kassenbuchs. In den sozialen Netzwerken ist die Aufregung wenig überraschend groß. Die Nöte vieler Fahrer sind es aber auch. Seniorenbus-Ehrenamtler der Awo, die für ihre Passagiere Strecken nach Wunsch zurücklegen, waren nicht die Einzigen, die eindringlich schilderten, wie sie sich im „Chaos“ verzweifelt vorantasten.

Geduld erforderlich

„Man braucht Geduld“, heißt es bei der Polizeiinspektion Speyer. Eine auffällige Beschwerdelage gab es dort aber zuletzt ebenso wenig wie bei der Stadt oder den für mehrere Baustellen zuständigen Stadtwerken. Da muss man sozusagen durch – ohne durchzukommen. Die Stadtwerke teilen mit, nach Hinweisen von Passanten in der Ludwigstraße die Wegeführung für Fußgänger, Roller- und Fahrradfahrer nachgebessert und den morgendlichen Start der Arbeiten nach den Schulbeginn in der Zeppelinschule gelegt zu haben. Die Stadt verweist auf einen Abschluss vieler Baustellen vor dem Brezelfest.

Ich selbst bin übrigens vor einiger Zeit verstärkt aufs Auto für den Arbeitsweg umgestiegen, weil die S-Bahn nicht mehr zuverlässig war. Seit einigen Wochen setze ich notgedrungen wieder verstärkt auf den Zug – zumal mich bei der Heimfahrt im Auto noch die Ampel-Baustelle in der Dudenhofer Straße ausbremsen würde und es auch auf der B9 immer wieder stockt. Ich schimpfe aber nicht, weil ich endlich die große Linie bei der Verkehrswende in Speyer erkenne: Die Sperrungen können nämlich zum Umstieg auf Bus und Bahn sowie aufs Fahrrad ermutigen. Es passt auch bestens, dass die Baustellen sich genau in den drei Wochen häufen, in denen bei der Stadtradel-Aktion möglichst viele Kilometer im Sattel gesammelt werden sollen ...

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