Speyer Geschichten entlang einer Linie

„Horizonte“, die Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Foto im Bürgerhaus von Dudenhofen, weckt Neugier, Sehnsucht, Melancholie. Als Besucher möchte man selbst am Meer sitzen, ohne Erinnerung an Gestern oder Hoffnung für Morgen. Einfach in den Himmel schauen, neue Horizonte entdecken, auf der „Straße in die Wolken“ laufen.
Die Mitglieder der Foto-AG in der Volkshochschule des Rhein-Pfalz-Kreises haben Grenz- und Trennlinien in aller Welt gesucht und abgebildet. Gerhard Hoffmann fand den Horizont hinter winterlichen Reben der Südpfalz, Erwin Wacker schaute vom Sonnenwendjoch in die Unendlichkeit. Franz Huber nutzte die intensiven Farben der Salzwiesen auf Borkum und einer Steilküste in Dänemark. Norbert Schellenberg war wieder in Island unterwegs, fotografierte einen roten Talkessel und Wolkenformationen im Hochland. Ungewöhnlich der „Strandspaziergang mit Hund“ in der Normandie von Kurt Keller: Die Fußabdrücke von Mensch und Tier hin zum Strand sind groß, deutlich im Vordergrund, die beiden aber sind klein, verschwinden im Hintergrund, Meer und Himmel sind schmale Streifen. Harald Bussemers kahler, verkrüppelter Baum steht einsam vor einer grünen, ebenmäßig schönen Landschaft. Lothar Hensel machte sich im Kraichgau auf den „Weg in die Wolken“: Links ein Baum, rechts wucherndes Gelb, dazwischen Asphalt, das Band endend im Nirgendwo. Berthold Steiger blickte vom Dom über Speyer zum Rhein und in der Provence ins Rhonetal. In Nizza fand Heinz Flörchinger einen betenden Muslim allein am Meer sowie in der Toskana einen auf der Kaimauer schlafenden alten Mann. Ilse Gard erwanderte auf Java das Bromo-Massiv, überquerte in Griechenland die Brücke von Patras, zog im Hafen den Horizont mit Schiffsmasten. Im Gespräch mit Kurt Keller zur Einführung in die Ausstellung fragte Paul Patz nach dem Motiv: „Der Horizont nur als Mittel zum Zweck?“ Keller: „Man hätte als Thema auch einfach Fenster, Tür, Licht/Schatten nehmen können. Horizont erweitert das Motiv um eine zweite Ebene, bezieht das Gefühl mit ein.“ Ob das Thema nicht sehr begrenzt sei, wollte Patz wissen. „Manche Bilder erzählen entlang der Linie eine Geschichte“, meinte Keller. Zur Eröffnung am Freitagabend mit Musik von Katharina (Gesang, Chanson) und Fabian Strahl (Klavier) erzählte Bürgermeister Peter Eberhard eine Geschichte: Ein Mann fährt mit seinem Sohn aufs Land, will ihm zeigen, wie arme Leute leben. Dem Jungen fällt unter anderem auf: Zu Hause haben sie einen Pool, hier ist ein See. Das eigene Grundstück endet am Zaun, das Land der armen Leute reicht bis zum Horizont. Er sagt zum Vater: „Danke, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.“ (län)