Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Genossenschaft: Wie man eine PV-Anlage selbst bauen kann

Selbstbau-Photovoltaik: Eines der Projekte der Energiegenossenschaft.
Selbstbau-Photovoltaik: Eines der Projekte der Energiegenossenschaft.

Die Energiegenossenschaft „BürgerInenergie“ will die Energiewende in der Vorderpfalz voranbringen. Rund ein Jahr nach Gründung haben die Genossen hochgesteckte Ziele. Zentral: Sie wollen eine „Energiewabe Vorderpfalz“ schaffen.

Es war von Anfang der Wunsch, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, der die Energiegenossenschaftler zusammengeschweißt hat. „Schon heute liegt die durchschnittliche Temperatur in der Vorder- und Südpfalz um 1,7 Grad Celsius über den Durchschnittstemperaturen des Zeitraums zwischen 1991 und 1910“, sagt Nico Schweigert, Vorsitzender von „BürgerInEnergie“ mit Sitz in Speyer. Er beruft sich dabei auf den Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz, Ulrich Matthes. Schweigerts Stellvertreter Hans-Martin Schön stimmt dem mit Blick auf das Thermometer speziell am Anfang des Monats zu – Temperaturen deutlich über der 20-Grad-Marke Anfang April seien „nicht normal“.

Die Idee, dagegen regional etwas zu tun: Projekte rund um erneuerbare Energien mit dem Geld der Genossenschaftler finanzieren und diese finanziell an den Gewinnen beteiligen. „Wir haben verschiedene Geschäftsmodelle ausprobiert“, erzählt Schön. Der Fokus liegt dabei aktuell auf Photovoltaik-Anlagen, bei denen sich drei „Dachprojekte“ etabliert hätten: „Mietmodell, Gewinnbeteiligungsmodell und Selbstbau“, erklärt Schweigert.

250 Mitstreiter

Die rund 35 Aktiven der 250 Mitstreiter seien dafür in verschiedene Kompetenzteams aufgeteilt. Physiktechniker und Informatiker Schön hat das erste Selbstbau-Projekt der Genossenschaft in Böhl-Iggelheim betreut, das kürzlich fertig wurde. Es soll die Blaupause für weitere Selbstbau-Anlagen werden. Er habe Kontakte zu Großhändlern aufgebaut und so die Module, den Speicher und alle weiteren Teile besorgt. „Da hat man einen vernünftigen Zugang und gute Preise“, erzählt er. Schön konzipierte die Anlage, ein Kollege einer anderen Energiegenossenschaft prüfte.

Den Aufbau habe dann der Hausbesitzer samt Unterstützung von Freunden und Bekannten selbst übernommen. „Wenn jemand handwerklich begabt ist, kann das recht schnell gehen“, bilanziert der 66-Jährige. Im Oktober sei alles durchgerechnet worden, im Dezember das Material angekommen. „Die Anlage war Anfang März aufgebaut, aber nur wegen des Wetters hat es länger gedauert.“ In zwei bis drei Monaten sei so ein Projekt zu realisieren, der Aufbau an sich habe zwei Tage gedauert.

Dachpacht fließt

Es gebe bereits weitere Anfragen, auch für die beiden anderen Modelle mit Sonnenstrom. Hausbesitzer könnten ihr Dach zur für PV-Module zur Verfügung stellen, die Genossenschaft finanziere die Anlage und speise den erzeugten Strom ein. Über eine Dachpacht werde der Hausbesitzer am Erlös beteiligt. Das biete sich besonders bei großen Dachflächen an, in Römerberg sei beispielsweise eine Anlage mit 42 Kilowatt-Peak-Leistung entstanden. Beim dritten Modell miete der Hausbesitzer die von der Genossenschaft gebaute Anlage. „Den erzeugten Strom kann er selbst nutzen“, erläutert Genossenschaftler Schön. Das Modell sei ebenfalls auf einem Dach in Römerberg erprobt. „Wir sind an weiteren Dächern interessiert“, so Schön. Investiert habe die Genossenschaft rund 110.000 Euro, seit sie Ende August geschäftsfähig wurde.

Einstieg sei für viele oft das Balkonkraftwerk eine Nummer kleiner. Davon habe die Genossenschaft seit Anfang des Jahres 35 Anlagen für die Steckdose verkauft, biete zudem Workshops an. „Wir wollen nicht auf unserem Wissen sitzenbleiben“, sagt der stellvertretende Vorsitzende.

Pläne für Windkraft

Beim Thema Windenenergie sind die Bemühung noch nicht so weit gediehen wie bei Photovoltaik, aber auch hier will die Genossenschaft einsteigen. „Da geht es auch um Grundstücke“, sagt Schön. Wichtig sei, Grundstückseigentümer zu beraten und „vielleicht auch selbst Grundstücke zu pachten“. So wolle man überregionale Investoren, die nur auf Gewinn orientiert seien, fernhalten.

Einzahlen sollen alle Bemühungen auf ein hochgestecktes Ziel der Genossenschaft. Eine „Energiewabe Vorderpfalz“ mit 100 Prozent grüner Energie aus der Region für die Region. Einen zeitlichen Rahmen gibt es dafür nicht. „Die Menschen sollen den Strom aus ihren Anlagen bekommen“, so Schweigert. Dafür arbeite man gerade an einem Grünstromtarif, im Gespräch seien Kooperationen mit Stadtwerken in der Region oder den Bürgerwerken in Heidelberg.

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