Speyer
Gemeinsames Fastenbrechen in der Ditib-Moschee
Kurz vor Sonnenuntergang stehen Männer und Frauen in der Küche der Ditib-Gemeinde in Speyer. Ditib steht für die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion: Der Moscheebetreiber ist ein dem türkischen Präsidenten unterstellter Verein. Die Freiwilligen in der Küche bereiten das Essen für das gemeinsame Fastenbrechen, das „Iftar“, vor. Imam Ömer Badem spricht das Gebet dazu. Die Lichter, mit denen der Hof der Moschee geschmückt ist, gehen langsam an.
Während manche Männer in der Moschee beten, bereiten andere die Essensausgabe im Hof vor. Auch die Kinder bekommen eine Aufgabe: Sie dürfen Wasserflaschen und Brot auf die Tische verteilen. Vor allem Kinder, die teilweise zum ersten Mal fasten, können kaum erwarten, dass sie die Wasserflaschen aufmachen und nach einem langen Tag trinken und essen dürfen. So sieht es an jedem Freitag- und Samstagabend im Fastenmonat Ramadan in der Moschee aus. Diesmal gilt es, circa 200 Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen.
Eine langjährige Tradition
Das Iftar-Essen ist im Ramadan eine wichtige Tradition im Islam. Sobald die Sonne untergeht, brechen Gläubige gemeinsam das Fasten. Sie essen mit ihrer Familie oder laden Nachbarn ein. Auch für die Ditib-Gemeinde in Speyer sei es eine Tradition, die seit Eröffnung der Moschee im Jahr 2012 stattfindet, sagt der Vorsitzende Faruk Sayiner. „Das gemeinsame Fastenbrechen fand bis vor zwei Jahren an jedem Tag im Ramadan statt, aber unsere Gemeinde ist immer größer geworden“, berichtet der 32-Jährige. Das sei der Grund für die Beschränkung auf zwei Termine pro Woche und auch für das räumlich getrennte Speisen von Männern und Frauen.
Die große Anzahl der Geflüchteten, die in den vergangenen Jahren nach Speyer gekommen sind, hat laut Sayiner dazu beigetragen, dass die Gemeinde immer größer wurde. Dazu zählen allerdings keine Geflüchteten, die in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) untergebracht sind. Sie seien beim gemeinsamen Fastenbrechen willkommen, könnten jedoch keine Mitglieder der Gemeinde werden, weil sie in andere Regionen umverteilt würden. Auch in der AfA gebe es diesmal warmes Essen zum Fastenbrechen, sagt Sayiner.
Finanziert werden die Mahlzeiten durch Gemeindemitglieder, Spenden und die Moscheekasse. Jeder sei willkommen, auch wenn er sich nicht an den Kosten beteiligen könne. „Es leben hier viele Menschen ohne Familie, und manche bekommen kein warmes Essen, deswegen kommen sie zu uns“, sagt Selda Ünsal, die ebenfalls im Vorstand der Gemeinde aktiv ist.
Ein Heimatgefühl
Teilnehmer Mazen Kayas Bittar bezeichnet das gemeinsame Fastenbrechen als Veranstaltung, die ihn an die Ramadan-Atmosphäre in seiner Heimat Syrien erinnert. Er kam vor acht Jahren nach Speyer und fand in der Ditib-Gemeinde eine neue Familie, wie er sagt. Er sei als Teilnehmer nicht allein: Seine deutsche Frau, die keine Muslima ist und nicht fastet, sowie ihre zwei Kinder seien mitgekommen. Auch für Temoor, Besitzer des Shisha-Shops „Smoking Monkey“ in der Karmeliterstraße, ist dieser Termin wichtig: Er komme gerne, wenn er Zeit hat, auch um sich mit anderen Gemeindemitgliedern auszutauschen.
„Wir suchen immer den Kontakt nach außen“, betont Selda Ünsal, die auch schon im Beirat für Migration mitgearbeitet hat. Die Gemeinde werde von der Stadtverwaltung gut unterstützt, betont sie. Eine Art Dank dafür sei ein gemeinsames Fastenbrechen mit dem Beirat und der Stadtverwaltung. Die Bürgermeisterinnen seien fast immer dabei, sagt Sayiner. Gute Erfahrung mache die Gemeinde auch mit ihren Nachbarn in Speyer-Nordwest: „Keiner von unseren Nachbarn hat sich über Lautstärke oder Ähnliches beschwert.“