Speyer Gemeinsam um die Welt
Gerda und Guido Hartmann haben sich heute vor 60 Jahren in der katholischen Kirche in Dudenhofen das Jawort gegeben. Danach hat das Paar gemeinsam die Welt entdeckt, wobei Guido Hartmann häufig auf dem Fahrrad unterwegs war.
Kennengelernt haben sich Guido und Gerda Flörchinger 1954 auf der Kerwe in Iggelheim. Guido Hartmann wuchs dort auf und war an diesem dritten Sonntag im September vor dem Fest zu Gast bei seiner Tante, die ihn und seinen Cousin aufforderte, „die Mädels mitzunehmen“. Gerda Flörchinger war aus Dudenhofen mit einer Freundin und deren Mutter gekommen. „Die Mutter war eine Cousine von meiner Tante“, erklärt Guido Hartmann. Liebe auf den ersten Blick sei es nicht gewesen, sagt der 85-Jährige. Die Beziehung habe sich langsam entwickelt. Heute sagt Hartmann über seine Gerda, dass sie immer noch seine Traumfrau sei, und begründet dies mit der „absoluten Treue“, die sie ihm trotz seines „extravaganten“ Hobbys entgegenbringe. Mit dem „extravaganten“ Hobby meint der 85-Jährige seine Leidenschaft für Holz. In den vergangenen 40 Jahren hat er immer wieder Holzstücke im Wald gesammelt und daraus Tische, Stühle und Figuren angefertigt. Verkaufen will der „Worzelsepp“, wie Hartmann genannt wird, seine Kunstwerke nicht. „Den Leuten gefällt’s, aber mir gefällt’s noch besser“, sagt Hartmann und lacht. Seine Frau mag die Holzkunstwerke dagegen nicht. „Das ist nicht mein Stil“, sagt die 82-Jährige und lächelt. Bei seiner zweiten Leidenschaft hat Gerda Hartmann ihren Mann jedoch immer unterstützt. Hartmann ist begeisterter Radfahrer, ist 1984 mit einer Radgruppe der GFR Ludwigshafen 3250 Kilometer durch Frankreich gefahren. Hinter den Fahrradfahrern fuhr Gerda Hartmann mit dem Auto her und versorgte sie mit Essen und Flickzeug. Die Aussicht von der „schönsten Küstenstraße der Welt“ – dem Highway Number 1 in Kalifornien – hat Hartmann 1989 auch vom Fahrrad aus genossen. Seine Erinnerungen von den zahlreichen Reisen, die das Ehepaar gemacht hat, hat Guido Hartmann aufgeschrieben. Beeindruckt hat ihn die Rundreise durch Syrien, Jordanien und Libanon im Jahr 1997. „Die Ruinen in Palmyra waren schöner als die Wolkenkratzer in New York“, sagt der 85-Jährige. Die Strecke zur BASF nach Ludwigshafen hat der gelernte Maschinenschlosser, der dort jahrzehntelang als Fachkalkulator arbeitete, natürlich auch mit dem Fahrrad absolviert, 29 Kilometer hin und zurück, auch bei Regen. „Ich brauchte das, das war wie eine Sucht“, sagt er. Heute fährt der 85-Jährige noch auf dem Hometrainer Rad und geht ein- bis zweimal die Woche im Dudenhofener Wald walken. In der restlichen Zeit kümmert er sich liebevoll um seine Frau, der das Gehen schwerfällt. Das Paar hat drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, sowie sechs Enkelkinder. In einem Lied zum 70. Geburtstag von Guido Hartmann, das seine Kinder und Enkel geschrieben haben, heißt es: „So ein ausgefülltes Leben hätt’s ohne Gerda nicht gegeben.“ Das kann Guido Hartmann nur bestätigen.