Speyer Gefeiert wird, weil’s alle wollen

In ihrer 825-jährigen Geschichte haben die Bürger Berghausens schon mancher Unbill getrotzt. Gestern Morgen war es ihnen für eine Zusammenkunft im Freien dann aber doch zu kalt. Den Neujahrsempfang zum Start des Dorfjubiläums verlegte die Gemeinde deshalb vom Weiberbratenbrunnen ins etwas wärmere Zehnthaus. Dort wurde schließlich mit einem Berghäuser Riesling 2015 Kabinett aufs neue Jahr angestoßen.
„825 Jahre Berghausen sind für uns, das Ortskartell, die Vereine etwas Besonderes, ein Grund zu Feiern“, sagte Ortskartell-Vorsitzender Helmut Kühner. Hinter ihm, an der Stirnseite des Zehnthauses, hing bereits das gedruckte Einladungs-Plakat für das „große Festwochenende“ am 10. und 11. Juni. Den Rückblick auf 2016 überließ Kühner nach der Begrüßung dann Ortsbürgermeister Manfred Scharfenberger (CDU), der zugleich Schirmherr des Jubiläums ist. Die urkundliche Ersterwähnung unter dem Siedlungsnamen Berghusen war im Jahr 1192, das erste Haus, eine Hütte, stand eventuell am Platz des heutigen Anwesens „Pfälzer Hof“. Immer wieder gerne erzählt, gestern vom Bürgermeister, wird auch die Sage, die sich um Bernhard von Clairvaux rankt. An Weihnachten 1146 strandete der Mönch – der Rhein war noch nicht begradigt – auf seinem Weg nach Speyer – er sollte im Dom predigen, um weitere Mitstreiter für die Kreuzzüge zu rekrutieren – in Berghausen. Dort bekam er einen Schoppen eingeschenkt und rief – angeblich – aus: „Dieser Wein ist eine Gabe Gottes. Wer ihn trinkt wird nicht zum Narren.“ Vorausgesetzt man spreche ihm mäßig zu. Daher stammt der Uzname „Narrenberger“ für die Berghäuser. „Schollenklobber“ geht aber auch. Letztere Bezeichnung leitete Scharfenberger von der Bodenbeschaffenheit in Römerberg ab. Nicht weit von der Siedlung wurde auch der älteste deutsche Wein gefunden, in einer mit Öl abgedichteten römischen Flasche aus dem 3. Jahrhundert. „Reben gab es hier 50 bis 60 Jahre früher als an der Haardt“, so der Ortsbürgermeister stolz. Und: Wegen seines Säuregehalts panschten die Haardter ihren heimischen Trunk bis in die jüngste Vergangenheit mit dem Berghäuser Gewächs. Eine weitere erwähnenswerte Begebenheit spielt im Jahr 1706. Damals brannte es in einem Speyerer Armen-, Alten- und Kranken-Obdach. Berghäuser Frauen halfen mit Milch, eigentlich gedacht für den Verkauf auf dem Wochenmarkt, das Feuer zu löschen, was ihnen die Stadt mit einem Festbraten dankte. Daran erinnert auch der Weiberbratenbrunnen in Römerberg. Dann kam Scharfenberger aufs Ortsjubiläum zu sprechen und warf die Frage auf: „Wenn es kein übliches Jubiläum ist, warum dann trotzdem die Feierlichkeiten?“ Ganz einfach: „Weil der Wunsch aus der Bevölkerung und den Vereinen an mich sowie an das Ortskartell herangetragen wurde“, so die Antwort des Ortschefs. Alle, auch er, erinnerten sich an das groß gefeierte 800-Jährige mit Umzug, offenen Höfen und vielem mehr. Der Erfolg des ehrenamtlichen Engagements von damals habe in die Folgejahre ausgestrahlt, Veranstaltungen kreiert und etabliert. Dabei, aber auch im Alltag, erlebe er die Berghäuser als „liebenswert, rührig, anpackend, mitmachend, gerne feiernd“, so Scharfenberger. Klar, dass man da den 825. Geburtstag des Ortes nicht einfach verstreichen lassen kann. |län