Speyer Gedenken an die Frauen und Männer der ersten Stunde

Erstaunlich wenige Besucher haben die „Golden Voices of Gospel“ am Montagabend zu ihrem Konzert in die Speyerer Heiliggeistkirche gelockt. Schade, denn ein Gospelchor braucht eigentlich die Begeisterung einer großen Menschenmenge.
Das ist heute noch so wie vor 150 Jahren, als die amerikanischen Pioniere der „Negro Spirituals“ nach Europa kamen. Mit ihrem Gesang sammelten sie Geld für eine Schule, in der ihre Kinder unterrichtet werden sollten. Bald waren die Studenten der „Fisk Colored School“ in Nashville/Tennessee so erfolgreich, dass jeder Schüler sein eigenes Klassenzimmer von dem eingenommenen Geld hätte bekommen können. Neben einer ganz eigenwilligen, außergewöhnlich elegischen Version von „When The Saints Go Marching In“ brachten die Musiker Lieder wie „Swing Low Sweet Chariot“, „Hold On“, „I Got Shoes“, „Ain’t Got Time To Die“, „Oh Freedom“ und „Deep River“ zu Gehör. Wie es sich gehört, auch in originalgetreuen Kostümen der Fisk Jubilee Singers aus dem 19. Jahrhundert. Leidenschaftlich und tanzfreudig präsentierten die Sänger die den „Negro Spirituals“ innewohnende Botschaft: eine bewundernswerte Stärke, die dazu befähigt, mit Gottes Hilfe jeder Erniedrigung und jedem Kummer zu trotzen. Sie soll an die Aufgabe erinnern, immer wieder gegen die schier unausrottbare Neigung des Menschen anzukämpfen, andere zu versklaven, und nicht zu vergessen, dass die Freiheit nicht für jeden selbstverständlich ist. Vielleicht wären mehr Zuhörer in die Heiliggeistkirche gekommen, wenn sie um die Bedeutung der Vorfahren der Sänger gewusst hätten. DeAndre Jones etwa, der an der Fisk University Musik studiert, lernte einst das Klavierspielen von seiner Großmutter, die Pianistin der Gospelsängerin Mahalia Jackson war. Diejenigen, die da waren, merkten jedoch bald, warum Musiker wie Michael Jackson und Eric Roberson in der Vergangenheit mit den „Golden Voices of Gospel“ arbeiten wollten, wie die im Internet mitteilen. Es ist eben ein Chor, der zum Teil aus den Nachfahren jener Sänger der ersten Stunde besteht, die ihre afroamerikanische Musik über den Großen Teich mitgebracht haben.