Speyer Ganz in blau
„Eine kleinere, leicht abgewandelte und mit einer Europa-Flagge versehene Partybrezel.“ So beschreibt Stadt-Pressesprecher Matthias Nowack auf RHEINPFALZ-Nachfrage das Gebäck, das die Brezelbäckerei Berzel eigens für den Anlass kreiert hat. In großen Körben warten die Europa-Brezeln auf Abnehmer. Grazyna Mozena-Brand, Speyererin mit polnischen Wurzeln, verteilt das Gebäck später an Passanten. „Ich vertrete mein Land und die Partnerstadt Gniezno“, erklärt sie. Das Banner des Freundeskreises Speyer-Gniezno hält sie hoch. Begeistert singt sie den Willkommensgruß, den Kinder der Kindertagesstätte St. Elisabeth in 13 Sprachen präsentieren, auf polnisch mit. Sie hätten die Kinder so auf ihren Auftritt vorbereitet, wie sie es in der Kita täglich erleben, betont Leiterin Sabrina Wöhlert. „Alle Nationen sollen in Frieden miteinander leben.“ Die Flaggen ihres Lande der der Herkunftsländer ihrer Eltern hatten sie selbst gestaltet, Musik und Texte des „Europaliedes“ selbst geschrieben. Zweimal auf deutsch, auf italienisch, türkisch, kroatisch, russisch, rumänisch, polnisch, vietnamesisch, englisch, arabisch, französisch und portugiesisch begrüßen sie die Umstehenden. „Vive la France“, grüßen Franzosen zurück. „Das europäische Chaos muss geordnet werden“: Aus diesem Gedanken heraus hatte Reinhold Gottfried ein ziemlich unhandliches Kunstwerk geschaffen und nach Speyer gebracht. Als Material habe er Schwemmholz aus dem Völkerverbindenden Rhein gewählt, erklärt der Hockenheimer auf Anfrage. Die Idee, Flagge für Europa zu zeigen, habe ihn sofort überzeugt, sagt er. „Wir brauchen Ideen für Europa. Das hat die Stadt aufgenommen. Und daran will ich mich beteiligen.“ So ist es auch Karl-Ludwig Weber gegangen. Die „absolut gute Aktion“ sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, betont er. Gekommen ist er mit Kollegen, um die Feuerwehr-Partnerschaft mit der französischen Partnerstadt Chartres zu vertreten. Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) verweist auf die Initiative der finnischen Stadt Joensuu zu der Aktion, der sich Speyer angeschlossen habe. Sie sei als Zeichen der Bürger Europas zu verstehen, die sich über 70 Jahre in Frieden, Freiheit und Demokratie freuten. „Wir wollen Zeichen setzen gegen Nationalismus, Alleingänge, Egoismen, Scheuklappendenker und Angsteinflößer“, so Eger. Frieden sei auch in Europa noch nicht selbstverständlich, Reisefreiheit längst zur Selbstverständlichkeit geworden. „Das sollte gerade in der Grenzregion Pfalz nicht in Vergessenheit geraten“, appelliert der Politiker. Als „gute und wichtige Sache“ stuft Künstler Klaus Fresenius die Veranstaltung ein. Besonders habe ihn die fröhliche Stimmung vor dem Rathaus beeindruckt. „Das muss in die sozialen Netzwerke.“ Es beruhige ihn, dass so viele auf der Seite eines friedlichen Europas stünden, sagt Fresenius. AM Rande |kya