Speyer
Fundräderversteigerung: Bei 103 Euro geht der Spaß noch weiter
Tote Hose. Und zwar fast immer dann, wenn ein Mountainbike, vorzugsweise für Kinder, am Start ist. „Die gingen früher weg wie warme Semmeln“, so eine verwunderte Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne). Sie ist auch für die Auktion der Fundfahrräder zuständig. An diesem Freitag sind die meisten Mountainbikes Fälle zum Wegstellen. Nicht so das grau-weiß-rote Modell mit 26 Zoll und Grundpreis 18 Euro. Direkt werden 30 Euro geboten, danach geht es in Fünferschritten hoch. 95 Euro ist der Endpreis. Eine glückliche Mutter und eine noch glücklichere Tochter schieben das Rad von dannen.
Priscilla Schaka McCarthy und ihre Tochter Elisabeth Joy, wohnhaft in Waldsee, brauchten ein neues Kinderfahrrad, nachdem das alte gestohlen worden war. Damit lasse sich der Schulweg einfach besser bewältigen und die Freizeitstrecken auch, betonen sie mit Blick auf ihr neues Gefährt. Und der Preis – ist die Mama glücklich damit? McCarthy wiegt den Kopf und meint ausweichend: „Das Fahrrad ist gut. Es gefällt meiner Tochter.“ Außerdem müsse diese nun nicht mehr mit dem Bus fahren.
Vom Ehrgeiz gepackt
Eine regelrechter Bieter-Marathon entbrennt um das Nostalgiefahrrad „Leader Class“ in der Farbe schwarz, 27 Zoll, Grundpreis 35 Euro. Erst in Fünferschritten klettert der Preis bis zu 85 Euro hoch, dann geht es zäh in Einser- und Zweierschritten weiter. „Da macht das Ersteigern Spaß“, sagt Münch-Weinmann lächelnd. „Wenn das so weitergeht, stehen wir morgen noch hier“, kritisiert sie allerdings etwas später, als man nach vielen Einserschritten bei 103 Euro angelangt ist. Der Spaß geht aber noch weiter, bis das heiß begehrte Fundstück schließlich von einer Dame in Jeansjacke für 120 Euro ersteigert worden ist.
„Ich fand schwarze Fahrräder immer schon toll“, erklärt Käuferin Susanne May-Rohde ihre Hartnäckigkeit. Außerdem brauche sie noch ein Zweitrad, wenn ihre vier Kinder zu Besuch sind. „Wir haben im Moment nur eins, dann fehlt immer mindestens eins.“ Eigentlich überhaupt nicht versiert im Bieten, habe sie irgendwann der Ehrgeiz gepackt: „Ich wollte nicht mehr als 100 Euro ausgeben, aber das hat mich jetzt gefuchst.“
„Wein schenkt Freude“ für 72 Euro
Das Nostalgiefahrrad „Ascalon Arnheim“ schwarz, 28 Zoll, Grundpreis 35 Euro, mit hübschem Korb samt Aufschrift „Wein schenkt Freude“ versehen, bringt 72 Euro ein. „Gemütlich, quadratisch, praktisch“, sei das „Speyerer Pfalzfahrrad“, scherzt Münch-Weinmann dazu. „Machen Sie gerade Pause am Arbeitsplatz?“, fragt sie einen jungen Kellner, der beim Trekkingrad „Zündapp Blue 2.0“ schwarz-grau, Grundpreis 50 Euro, mitbietet. Der nickt verlegen. Jetzt geht das Bieten nur noch in Fünferschritten, „das hat was mit der Qualität zu tun“. Das Rad geht weg, aber nicht für den Kellner, der nicht über 90 Euro bieten will. Dafür ist die Servicekraft aber bereit, 95 Euro für das nächste Fundstück – ein weiß-rotes Herrenfahrrad – auszugeben. Hastig rollt er die Neuerwerbung weg: „Ich muss zur Arbeit.“
Die vom Grundpreis teuersten Räder gehen auch entsprechend teuer weg: Ein E-Bike ohne Akku wird für 205 Euro ersteigert, ein Trekkingrad für 250 Euro. „Gekauft wie gesehen“, ist jeweils die Devise. Die städtische Versteigerung findet ein- bis zweimal jährlich statt und stößt immer auf reges Interesse, wie Simone Kratzin, Leiterin des Bürgerbüros, sagt. Rund 60 Räder werden jedes Jahr versteigert. Verkehrsdezernentin Münch-Weinmann erkennt darin ein Anzeichen dafür, dass Speyer immer mehr aufs Fahrrad umsteigt: „Das Interesse an nachhaltiger Mobilität ist groß.“