Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Wie ein Video Paul Stock aus Dudenhofen in die Regionalliga brachte

Schießt jetzt in der Regionalliga Tore: der 24-jährige Ex-Dudenhofener Paul Stock (rechts).
Schießt jetzt in der Regionalliga Tore: der 24-jährige Ex-Dudenhofener Paul Stock (rechts).

Paul Stock hat kurz nach seinem 24. Geburtstag seinen Einstand in der Fußball-Regionalliga gegeben. Anfang Januar war er vom FV Dudenhofen zum hessischen TSV Steinbach Haiger gewechselt. Sein älterer Bruder spieltweiter beim FV Dudenhofen. „Ohne meine Mutter wäre ich nicht der, der ich bin“, sagt er zu seiner Karriere.

„Zwischenzeitlich, so ab der B-Jugend, dachte ich eigentlich gar nicht mehr dran, es in den Profibereich zu schaffen. Erst in meinem letzten halben Jahr in Rülzheim und dann eben in Dudenhofen, da ist es dann gelaufen“, antwortet Paul Stock (24) darauf, ob er schon immer das Ziel verfolgt habe, Profi zu werden. Anfang Januar hat sich der im südpfälzischen Siebeldingen lebende Kicker, der bis 2016 beim FSV Offenbach spielte, dem Viertligisten TSV Steinbach Haiger angeschlossen.

Eigentlich wollte Stock schon im Sommer den Weg in Richtung bezahlten Fußball gehen. Nach einer starken Saison mit Dudenhofen, wo er mit neun Toren und elf Vorlagen Anteil am sechsten Platz des Oberliga-Aufsteigers hatte, ließen Angebote anderer Vereine nicht lange auf sich warten. Jeddeloh (Regionalliga Nord), Astoria Walldorf (Regionalliga Südwest) oder auch der FC 08 Homburg (Regionalliga Südwest) waren interessiert. „Es sah danach aus, dass ich nach Homburg wechseln werde. Jürgen Luginger war überzeugt, und ich eigentlich auch. Dann hat Homburg aber den Trainer ausgetauscht, und so blieb ich dann in Dudenhofen“, erzählt der vielseitige Offensivspieler.

Rauschs Heimaturlaub

Stock steuerte bis zur Unterbrechung der Saison in neun Ligaspielen fünf Treffer bei. Dass nun im Winter ein Wechsel vonstattengehen könnte, hatte der Ex-Dudenhofener nicht auf dem Schirm. Ein Besuch des Steinbacher Torwarttrainers Sascha Rausch in dessen Speyerer Heimat gab den Ausschlag. „Er war früher auch mal beim FC Speyer Torwarttrainer und war daher auch mit Marvin (Anm. d. Red.: Sprengling, Spieler des FV Dudenhofen) befreundet. Als der die Eröffnung seines eigenen Ladens feierte, war Sascha dort. Dort zeigte ihm Marvin ein Video von meinem Tor gegen Pfeddersheim. Wenige Tage später rief der Steinbacher mich an.“

Nach zwei Tagen Probetraining ging dann alles schnell. „Nach dem Anruf habe ich mich eigentlich erst mal nicht so gefreut, da ich im Hinterkopf hatte, wie unglücklich das im Sommer abgelaufen war. Nach den Probetrainings war es aber anders, als es konkret wurde“, erzählt Paul Stock.

Gleich im Aufgebot

Nach der Unterzeichnung eines Vertrages über eineinhalb Jahre stand der 1,90 Meter große Stock gleich im ersten Spiel des neuen Jahres gegen den FC Gießen im Aufgebot. Das Spiel ging mit 1:2 verloren. Stock kam nach der Halbzeit und spielte im zentralen Mittelfeld zwischen Offensive und Defensive. „Wo ich spiele, ist mir wirklich egal. Ich kann vorne drin spielen, aber auch auf der Sechs, Acht oder Zehn. Das ist auch eigentlich meine Lieblingsposition.“ Nicht schwer zu erraten, denn das Vorbild in der Jugend war Ronaldinho.

Grundsätzlich spielt der Sport in Stocks Familie schon immer eine große Rolle. Seine Mutter spielte Handball beim TV Nußdorf und TV Ruchheim, mit seinem Bruder Moritz (26) spielte er bis zuletzt zusammen beim FV Dudenhofen und vorher beim SV Rülzheim in der Landesliga. Bis dorthin begleitete ihn auch Raphael Gehrlein, ein langjähriger Freund. „In der Offenbacher A-Jugend hat man ja schon gemerkt, wer es in etwas ambitioniertere Ligen schaffen kann. Das war bei Paul absolut der Fall“, sagt Gehrlein. „In den vergangenen zwei Jahren hat er dann auch schon angefangen, neben dem Platz extrem auf Training und Ernährung zu achten. Das hat man dann noch zusätzlich gemerkt. Als er von der Landes- in die Oberliga gewechselt ist, hat man überhaupt nicht gesehen, dass Paul da irgendwelche Anpassungsprobleme hatte. Deshalb freut es mich auch so für ihn, dass jetzt auch der nächste Schritt geklappt hat.“

Klare Vision: Stammspieler

In Dudenhofen müssen nun Spieler wie Sprengling, Michael Bittner, Julian Scharfenberger oder auch Stocks Bruder Moritz in der Offensive die Aufgaben des Regionalliga-Aufrückers übernehmen. „In den letzten beiden Saisons ist in mir der Wunsch gereift, in der Regionalliga zu spielen. Trotzdem fällt einem der Abschied dann in gewisser Weise schwer, weil ich mit fast jedem aus der Dudenhofener Mannschaft gut befreundet bin“, sagt Paul Stock zum Abschied.

Das Kapitel bei Steinbach ist in der Anfangsphase: Sich an die Abläufe gewöhnen, die Teamkollegen kennenlernen, eine Wohnung finden – das sind Teile des Prozesses, in dem sich Stock gerade befindet. Er erzählt: „Ich habe mich in den ersten Tagen gut eingelebt. Die Mannschaftskollegen haben mich echt gut aufgenommen und das Appartement, in dem ich momentan wohne, ist gut. Und vor allem direkt am Stadion. An den Rhythmus muss ich mich natürlich erst noch gewöhnen. Wann hart und wann eher locker trainiert wird, wann ich vorher Krafttraining machen kann und wann eher nicht. Das sind natürlich alles Sachen, an die man sich erst mal gewöhnen muss, wenn man vorher nicht jeden Tag Training hatte. Und ich war vorher ja auch acht Wochen raus aus dem Fußballtraining.“

Neue Ansprüche

Das Ziel aller ist eine schnelle Eingewöhnung. 27 Spiele stehen in dieser Saison noch an. 22 Teams spielen in der Regionalliga. Im fünften Jahr in Folge spielt der Klub der hessischen Kleinstadt Steinbach (etwa 9000 Einwohner) nun schon in der Regionalliga. Dabei steht die Mannschaft von Trainer Adrian Alipour eigentlich so gut da wie noch nie.

„Natürlich weiß ich, dass die Ansprüche während der Saison gestiegen sind. Ich habe ja auch mit dem Trainer gesprochen. Als er mich gefragt hat, ob ich mir das auch wirklich zutraue, habe ich ihm auch offen und ehrlich gesagt, dass ich nicht gekommen bin, um auf der Bank zu sitzen“, antwortet Stock auf die Frage nach seinem persönlichen Ziel.

Wer ist besser?

Moritz Stock (26) erkennt die positive Entwicklung des kleinen Bruders: „Ich weiß, wie ehrgeizig er ist und dass er in seinen Dudenhofener Jahren so professionell und diszipliniert auf Ernährung und seinen Körper geachtet hat. Er hat auf jeden Fall das Potenzial, um vielleicht noch einen weiteren Schritt nach vorne zu machen.“

Dass dieser Weg eingeschlagen werden konnte, hat Paul Stock auch seiner Mutter Suzanne zu verdanken. „Es ist schwierig, sich auf eine Person zu fixieren, der man alles zu verdanken hat. Aber ohne meine Mutter wäre ich sicher nicht der, der ich bin. Sie hat mich von meinem vierten bis zum 18. Lebensjahr, bis ich selbst den Führerschein hatte, fast jeden Tag in der Weltgeschichte rumgefahren und mir immer meine Fußballschuhe gekauft.“

Wer ist denn jetzt der Bessere der beiden Brüder? „Ich würde sagen, dass ich der bessere Spieler, Moritz aber der bessere Stürmer von uns beiden ist. Den kann man in der 97. Minute einwechseln, und er ist trotzdem noch für ein Tor gut. Ich bin halt eher Spielmacher, deswegen ist es auch nicht ganz so leicht zu beantworten“, sagt der Jüngere. Der Ältere sagt: „Diese Frage ist für mich schon seit Längerem beantwortet. Früher hatte ich das Glück, dass ich zwei Jahre älter bin, da hat man in der Jugend natürlich einen Vorsprung. Aber er ist auf jeden Fall talentierter als ich.“

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