SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Wie die Spieler die Corona-Krise überbrücken

Zeit für den Nachwuchs: Johannes Walter (blau) vom FV Heiligenstein
Zeit für den Nachwuchs: Johannes Walter (blau) vom FV Heiligenstein

Die Corona-Krise stellt auch den Trainer und Spieler auf eine harte Probe. Gewohntes gemeinsames Training, Wettspiele, Spaß und Geselligkeit mit den Mannschaftskameraden – Fehlanzeige.

Nico Steigleider, Spieler des Oberliga-Aufsteigers FC Speyer 09, hielt sich zwar in Eigeninitiative mit Läufen, Ausdauer- und Stabilitätsübungen sowie dem vom Trainerteam vorgegebenen Programm fit, vermisste aber seine Teamkameraden und die Wettspiele sehr.

„Dass ich dabei ganz auf mich allein gestellt bin, macht mir schon arg zu schaffen“, sagte Steigleider: „Es ist einfach eine gewisse Leere da.“ Durch die fehlenden drei wöchentlichen Trainingsabende habe er nun wesentlich mehr Zeit gehabt, die er auch dazu nutzte, bei Bedarf im selbständigen Handwerksbetrieb des Vaters auszuhelfen.

Familientage

Die sonntäglichen Rundenspiele sah Steigleider verstärkt durch Familientage ersetzt. „Corona bietet eine gute Gelegenheit, das Familienleben im Elternhaus intensiver zu pflegen“, meinte der ledige 22-Jährige.

Auch der Spielertrainer des ASV Harthausen, Philipp Jardot, hielt sich mit einem individuellen Übungsprogramm fit, Aber auch ihm fehlte der regelmäßigen Kontakt zu seinen Mitspielern.

Langeweile wegen des ausgefallenen Trainings sei bei ihm aber keineswegs aufgekommen, da im Januar Sohn Robin auf die Welt gekommen sei, der seine Frau und ihn neben den Video-Konferenzen anlässlich seiner Home-Office-Tätigkeit ordentlich auf Trab halte.

Virtuelle Bierprobe

„Einmal haben wir mit einigen Mitspielern eine virtuelle Bierprobe mit sechs unterschiedlichen Bieren veranstaltet, eine gelungene und lustige Geschichte“, berichtet der 32-Jährige.

Die freien Sonntagnachmittage nutze er zu ausgiebigen Spaziergängen mit Frau und Sohn, hauptsächlich in seiner Dudenhofener Umgebung. Für etwas Abwechslung sorgten aber auch kleine Pfalzrundfahrten, „um auch mal was anderes zu sehen.“

Mit völlig anderen Aufgaben schlägt sich der Torhüter des FV Berghausen, Kevin Serr (27), herum. Gemeinsam mit seinem Vater betreibe er einen metallverarbeitenden Fenster-Türen-Betrieb, mit dem er von Landau nach Bellheim umziehe: „Ich arbeite praktisch von Montag bis Sonntag durch, manchmal zwölf bis vierzehn Stunden täglich. Da kommt mir die Fußballpause gerade recht.“

Vorgaben eingehalten

Die kurze verbleibende Freizeit verbringe er mit seiner Freundin. Auch treffe er sich schon mal mit Bekannten zu einem gemeinsamen Essen, das sie sich bringen ließen: „Aber streng nach den Vorgaben, immer nur mit einem Kumpel und der sozialen Distanz von 1,5 Metern.“

Als Lehrer einer Berufsbildenden Schule in Ludwigshafen ist für den Torjäger des FV Heiligenstein, Johannes Walter, Home-Schooling angesagt. Fit halte er sich mit morgendlichem Jogging von etwa 30 bis 60 Minuten. Etwas mehr Zeit verwende er nun für seinen kleinen Garten, um den er sich verstärkt kümmere.

Fast auf den Tag genau mit Beginn der fußballlosen Zeit Mitte März ist auch er erstmals Vater geworden: „Insoweit kamen Pause und neu gewonnene Freizeit gar nicht so sehr ungelegen. Denn ich kann meiner Frau bei der Betreuung des kleinen Jungen etwas zur Hand gehen“, berichtet der 33-Jährige.

Nachwuchs genießen

Durch den Ausfall der Rundenspiele seien die Sonntage nun reine Familientage geworden. Bei angenehmen Temperaturen habe er die vergangenen Wochen mit seiner kleinen Familie häufig draußen in der Natur verbracht und die Zeit genutzt, den Nachwuchs intensiv zu genießen.

Im Sommer vergangenen Jahres ist Carsten Dörr als Torwarttrainer und seit Januar als Coach der ersten Mannschaft zu seinen Wurzeln, dem FV Berghausen, zurückgekehrt. Die Vorbereitung auf die Restrunde habe er zwar komplett durchgezogen, Punktspiele aber noch keine absolviert.

Dörr: „Die ersten beiden Begegnungen fielen wetterbedingt aus, und dann kam schon die Corona-Pause.“ Langeweile komme bei ihm aufgrund vielfältiger Interessen aber zu keiner Zeit auf. Eine berufliche Fortbildung zum Industriemeister nehme ihn stark in Anspruch.

Wissen vertiefen

Die bereits vorgesehene Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer sei aufgrund der aktuellen Situation zunächst in den August verlegt worden. „Es gilt also weiterhin am Ball zu bleiben und das erworbene Wissen zu vertiefen“, sagte der 46-Jährige.

Auch was den Fußball betrifft, versuche er, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich durch Studium von Trainer-Fachliteratur nicht nur auf dem Laufenden zu halten, sondern sich auch weiterzuentwickeln.

Schließlich gelte es, irgendwann einen erfolgreichen Restart hinzulegen. Relaxen im eigenen Garten, Spaziergänge mit Hund Bruno durch die Felder seines Wohnortes Mechtersheim, sieht Dörr als Ersatz für die fehlenden Sonntagsspiele.

x