RÖMERBERG / OTTERSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Was einen Beobachter aus Berghausen und einen Otterstadter Schiedsrichter verbindet

Viele neue Regeln, Einfluss von Zuschauern und Spielern: Die Aufgabe eines Schiedsrichters ist diffizil, wie hier für Carlos del
Viele neue Regeln, Einfluss von Zuschauern und Spielern: Die Aufgabe eines Schiedsrichters ist diffizil, wie hier für Carlos del Cerro Grande (gelbes Trikot) in der Champions League. Um dahin zu kommen, braucht man viele gute Bewertungen von Schiedsrichterbeobachtern.

Hans Schneider vom FV Berghausen ist der einzige Schiedsrichterbeobachter der Schiedsrichter-Kreisvereinigung Speyer im Fußball-Kreis Rhein-Mittelhaardt. Er ist an jedem Wochenende im höherklassigen Fußball im Einsatz, sowohl bei den Aktiven als auch in der Junioren-Bundesliga und bewertet die Leistungen von Unparteiischen, die sich für Einsätze in einer höheren Spielklasse qualifizieren können.

Fußball-Schiedsrichter zu sein ist eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe. Als 1863 in England die Football-Association gegründet wurde, hielt sie sich an gerade mal 15 Regeln, die dann 1892 und 1894 festgelegt wurden. Heute sind es über 100 Regeln, nach denen in 190 Ländern gekickt wird. Und oft müssen die Unparteiischen auf dieser umfangreichen Grundlage blitzschnell eine Entscheidung treffen – und das im Idealfall richtig und ohne sich von den Zuschauern beeinflussen zu lassen.

Ein Schiedsrichterbeobachter soll unerfahrenen, aber auch routinierten „Pfeifenmännern“ eine Hilfestellung geben. Was war gut? Was war ausbaufähig? Was war sogar falsch? Bei gravierenden Regelverstößen des Unparteiischen, die nicht von der Tatsachenentscheidung gedeckt werden, drohen sogar Wiederholungsspiele. Das will keiner.

Neun Punkte bilden Grundlage für Aufstiege

Charakter und Erfahrung, aber auch die Leidenschaft und Akribie machen einen Schiedsrichter aus. Manche können Spiele besser leiten, andere haben Probleme, auf der Höhe des Geschehens zu bleiben und strittige Situationen souverän zu meistern. Daher steigen immer nur die Besten in der Hierarchie nach oben – fast immer auf Grundlage der Beurteilung des Schiedsrichterbeobachters.

Julian Kuhn (25) von TuRa Otterstadt ist einer der 124 Schiedsrichter (fünf davon sind weiblich), die in der Kreisvereinigung Speyer pfeifen und beobachtet werden. Der Jura-Student leitet Begegnungen der Verbandsliga und der Junioren-Bundesliga. Er hat zum RHEINPFALZ-Gespräch den auf etwas mehr als zwei DIN A4-Seiten ausgefüllten „Bericht eines Schiedsrichterbeobachters“ mitgebracht. Was auf den ersten Blick erkennbar ist: Der Schiedsrichterbeobachter hat da eine Heidenarbeit zu leisten, um den umfangreichen Bogen zu befüllen. Insgesamt neun Kategorien hat er zu bewerten, sieben betreffen den Schiedsrichter, die letzten beiden sind für die Leistungen von dessen Assistenten vorgesehen.

Angemessen großzügig, frisch und gelassen

Bei Punkt vier wird die Persönlichkeit, Körpersprache, Umgang mit Spielern und Offiziellen (auf der Bank) bewertet. Und Kuhn kommt in diesem Bogen gut weg. Ihm wird ein „gelassenes, sehr selbstbewusstes Vorgehen“ atteststiert. Er stelle sich den teils aufkommenden Emotionen, ohne davon beeindruckt zu sein. Weiter wurde seine körperliche Verfassung und sein Stellungsspiel beurteilt – und auch da gab es am Ende ein „Prima“. Denn Kuhn habe durchgehend sehr frisch und ausgeruht gewirkt, sei sehr beweglich und sei dem laufintensiven Spiel mit hohem Tempo gefolgt. Weil Kuhn immer in der Nähe zum Geschehen gewesen sei, habe er die Grundlage für eine fehlerlose Zweikampf-Beurteilung gelegt.

Fortgesetzt hat sich die positive Bewertung Kuhns in Punkt sieben, wo ihm bescheinigt wurde, dass er ein schwer zu leitendes Spiel mit vielen Szenen am und im Strafraum „angemessen großzügig“ geleitet und mit makellosem Spielmanagement geglänzt sowie seine vorhandene Persönlichkeit gewinnbringend eingebracht habe. Wenn das keine Empfehlung für noch höhere Aufgaben ist.

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