DUDENHOFEN / RÖMERBERG / SPEYER
Fußball: Oberliga-Vereine fürchten um ihre finanzielle Zukunft
Nach dem Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV) hat sich am Donnerstagabend das Präsidium des Regional-Verbandes „Südwest“ (FRV) für einen zunächst unbefristeten Stillstand des Spielbetriebes in der Regional- und der Oberliga entschieden. Das für kommenden Montag angesetzte Derby zwischen dem FV Dudenhofen und dem FC Speyer 09 fällt deshalb ebenso aus wie die Auswärtspartie des TuS Mechtersheim am Samstag beim FV Eppelborn.
Zwei Seelen schlagen in der Brust von Dudenhofens Sportdirektor Christian Schultz. Grundsätzlich hält er die angeordnete Spielpause für absolut in Ordnung, hätte sich die Entscheidung des Verbandes aber etwas klarer und vor allem früher gewünscht. „Die Gesundheit ist unser höchstes Gut und besitzt absolute Priorität. Von daher stehe ich voll dahinter. Es gab allerdings wieder einmal unterschiedlich lautende Meldungen, die zur allgemeinen Verunsicherung beigetragen haben“, erklärt er. Aus sportlicher Sicht treffe es den FVD wiederum zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: „Wir sind aktuell Zweiter und hatten einen tollen Lauf, trotz der äußerst unglücklichen Niederlage in Worms. Beim Abbruch im Frühjahr lagen wir auf Rang drei. Mit den jeweiligen Situationen und Entscheidungen hatten wir bisher noch nie das Glück auf unserer Seite“, stellt Schultz fest. Manche Vereine in der Liga dagegen könnten nun etwas durchatmen und sich neu aufstellen.
Einnahmequellen fehlen
Finanziell treffe es seinen Verein recht hart: „Wir stehen da allerdings gewiss nicht allein, denn anderen Vereinen geht es ja genauso. Die fehlenden Gastronomie- und Zuschauereinnahmen bedeuten riesige Verluste.“ Hinzu komme, dass die Mannschaft nicht nur für sich, sondern auch für die Zuschauer spiele. „Ein Fußballspiel im Amateurbereich ohne Zuschauer kann ich mir einfach nicht vorstellen“, erklärt Schultz.
Dieter Demmerle, Sportchef und zweiter Vorsitzender des TuS Mechtersheim, hält die Entscheidung des Regionalverbands für absolut in Ordnung und nachvollziehbar. „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, und das soll sie auch bleiben. Manchmal wird unser Sport einfach zu ernst genommen. Heute haben wir viel größere Probleme, da ganze Wirtschaftsbereiche und viele gastronomische Betriebe um die nackte Existenz kämpfen“, sagt Demmerle.
Individuelle Trainingspläne
Von der sportlichen Seite sei die Unterbrechung für Mannschaft und Spieler sehr bedauerlich. Das Training habe der TuS sofort eingestellt. Die komplette Anlage sei geschlossen. Alle Spieler bekämen einen individuellen Trainingsplan, um sich in Eigeninitiative fit zu halten. Wie es letztlich mit der Spielrunde weitergehe, sei derzeit überhaupt noch nicht absehbar. Demmerle rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr nochmals gespielt wird: „Unsere Winterpause dauert dann eben vier bis sechs Wochen länger.“
Im Gesamtvorstand werde der Verein ein finanzielles Konzept erarbeiten. Für Prognosen sei es einfach noch zu früh, betont Demmerle und ergänzt: „Die Zuschauereinnahmen sowie Erlöse aus dem Wirtschaftsbetrieb brechen praktisch komplett weg. Und ohne Zuschauer ist ein Spielbetrieb überhaupt nicht machbar. Letztlich werden wir aber auch diese schwierige Zeit überbrücken und diese prekäre Situation durchstehen. “
Kein Training ohne Kabinen
Auch Matthias Richter, Sportvorstand des FC Speyer 09, hegt nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit der Verbandsentscheidung: „Wir hatten zwar gemeinsam mit unserem Partner ,Anpfiff ins Leben’ ein sehr gutes Hygienekonzept erarbeitet, doch nach dem Beschluss von Bund und Ländern war es nur folgerichtig, nachvollziehbar und verhältnismäßig, dass der Regionalverband so handelt.“
Ein Aufrechterhalten des Trainings- und Spielbetriebes setze die Nutzung von Duschen und Umkleideräumen voraus, was praktisch nicht mehr möglich sei und die Gesundheit der Spieler gefährde. Deshalb habe der Verein den Trainingsbetrieb vollständig eingestellt. Natürlich bedauere er den Abbruch, da die Mannschaft mit jedem Spiel immer besser in der Oberliga angekommen sei und das junge Team spielerisch zunehmend zusammengefunden habe.
Seriöse Planung schwer
Bei einer voraussichtlich bis ins kommende Jahr anhaltenden Spielpause stagnieren die Einnahmen laut Richter nicht nur, sondern gehen kräftig zurück. Dagegen seien laufende Kosten nicht so einfach zu reduzieren. „Die uns beim ersten Einschnitt im Frühjahr gewährten Stundungen müssen zusätzlich bedient werden. Viele Vereine werden möglicherweise auf Unterstützung des Staates und der Sportverbände angewiesen sein. Auf der heutigen Basis ist eine seriöse Planung einfach nicht möglich“, erklärt Richter.
Von Seiten der verschiedenen Fußballverbände hätte er sich eine klare Positionierung sowie eine Aussage zum möglichen Zeitpunkt der Weiterführung der Spielrunde gewünscht. Richter: „Anstatt der Formulierung ,eine Fortsetzung wird rechtzeitig vorher mitgeteilt’, hätte der Verband in der aktuellen Situation schon jetzt deutlich machen können, dass in diesem Jahr keine Spiele mehr stattfinden.“