Speyer
Freundin sagt aus: „Ich glaubte, sie würde sterben“
Nachdem die ersten Verhandlungstage im Wesentlichen der Vernehmung der Verletzten gewidmet waren, wurde nun deren enge Freundin befragt, die die Höhen und Tiefen der Beziehung aus der Nähe miterlebt hatte und auch einen Kontakt zur Polizei hergestellt hatte, den ihre Freundin dann aber nicht nutzte. Die 20-Jährige, die aus dem Rheinland angereist war, wirkte weit über ihre Jahre hinaus reif und erwachsen. Die Freundinnen hatten sich vor etwa vier Jahren in der Privatklinik kennengelernt, wo beide beruflich tätig waren. Sie verstanden sich sofort, „den Altersunterschied von etwa zehn Jahren merkte ich gar nicht“, meinte die Zeugin. Bald verbrachten sie einen Großteil ihrer Freizeit miteinander. Auch während eines längeren Auslandsaufenthalts der Zeugin blieb der Kontakt eng.
Das änderte sich laut Zeugin, als die Geschädigte via Instagram nach dessen Gefängnisaufenthalt den Kontakt zum Angeklagten wieder aufnahm: „Sie sah ihn nur noch durch eine rosarote Brille.“ Auf die Frage des Richters, ob sie denn nicht wusste, dass der Angeklagte damals wegen schwerer Verletzung seiner Ex-Freundin in Haft war: „Doch, sie wusste, was er getan hatte. Aber in ihren Augen waren immer die Frauen schuld, nie die Männer. Er wollte sie heiraten und Kinder mit ihr haben, das allein zählte.“
Verletzungen gesehen
Sie sah ihre Freundin angeblich noch die drei Mal, als sie aus der Wohnung des Angeklagten nach Hause in ihre eigene Wohnung in der Nähe von Köln geflohen war. Ihr Eindruck: „Sie war früher eine so fröhliche, hübsche und optimistische Person gewesen. Als ich sie dann wieder sah, schien sie durch die Drogen, die sie auf Veranlassung des Angeklagten nehmen musste, um 40 Jahre gealtert und verbraucht zu sein. Sie sprach auch nicht mehr wie früher, sondern ganz leise, kaum hörbar. Es war, wie wenn ein Schalter ausgeschaltet worden wäre.“ Auch zahlreiche Verletzungen habe sie gesehen. Sie beschrieb sie vor Gericht: Brandwunden von Zigaretten, lange Schnitte am Rücken und Bauch, abgeflämmte Wimpern, die Haare ganz durcheinander abgeschnitten.
Trotzdem habe das mutmaßliche Opfer weiterhin versucht, den Mann in Schutz zu nehmen, indem sie etwa erst behauptete, ihr kleiner Hund, den er erwürgt habe, sei angefahren worden. Die Zeugin vor Gericht: „Sie hat sich gegenüber ihren Eltern und mir furchtbar geschämt. Und sie hatte panische Angst vor ihm. So ist sie immer wieder zurück, statt ihre Chancen zu nutzen und mit der Polizei zu sprechen. Am Ende hatte ich sie aufgegeben. Ich glaubte wirklich, dass sie dort in Speyer sterben würde.“
Kontakt abgebrochen
Mehrmals konnte die 20-Jährige die Tränen nicht zurückhalten, wenn sie die Angst um ihre Freundin beschrieb. Dem Angeklagten sei sie persönlich nie begegnet, nur per Textnachricht und am Telefon. Er habe auch versucht, sie anzubaggern, bis sie es sich verbeten habe. Nach den Ereignissen habe sie den Kontakt zu der Freundin abgebrochen, aber Kontakt zur Schwester. „Ich konnte nicht mehr ertragen, dass ich und meine Familie da hineingezogen wurden.“ Das Verfahren wird am 22. Juli, 9.30 Uhr, fortgesetzt.