Speyer Frauen jenseits von Zeit und Raum

„Das ewig Weibliche“ hat Wilhelm Loth sein Leben lang angetrieben. Unter diesem Titel zeigt die Speyerer Städtische Galerie ab heute Plastiken und Zeichnungen des 1993 verstorbenen Darmstädter Künstlers. Sein bildhauerisches Werk gilt als eines der bedeutendsten der Nachkriegszeit.
Historisches, Archaisches und Plastisches aus fünf Jahrzehnten hat Loths Neffe und Nachlassverwalter Alexander Heil in drei Ausstellungsräumen angeordnet. Skizzen, Reliefbronzen, Terrakotta-Arbeiten, Tusche- und Kreidezeichnungen, Büsten und Kunststoffplastiken beschreiben die künstlerische Vielfalt. Anlehnungen an Pablo Picasso, Rembrandt, Henry Moore und vor allem Käthe Kollwitz sind nicht zufällig. Ein in Auszügen präsentierter Briefwechsel mit der Königsberger Bildhauerin zeigt das eindrucksvoll. 1949 ist eine knapp 60 Zentimeter hohe „Figurative Terrakotta-Büste“ entstanden, die Loths Ausdrucksstärke im Minimalismus deutlich macht. Einerseits rührt der Künstler mit der rauen Oberfläche seiner einbusigen Figur an die Not von Müttern in entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren. Andererseits ruft ihr abgrundtiefer Mund Verzweiflung wie im „Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch hervor. Dennoch ist Loths Kunst immer eigenständig. Die Ausstellung zeigt die kompromisslose Entwicklung seiner Arbeiten vom gegenständlichen Ganzen zur plastischen Konzentration auf das Detail. Dabei bleibt die Bedeutung des Malerischen stets erhalten. Zahlreiche zu den Skulpturen gehängte Skizzen, Zeichnungen und Radierungen erzählen Entstehungsgeschichten der Objekte. Sie berichten von Loths Annäherung an Struktur und Form und darüber, wie aus einem Torso „Idole“ werden können. Titel und die jeweils geringe Anzahl der Original-Abgüsse habe Loth zu Lebzeiten festgelegt, betont Heil. In Lippen- oder Schoßobjekten, Köpfen, Rümpfen und dem leuchtend grünen einzigen Standbild der Ausstellung wirkt Loths Menschenbild unmittelbar. Seine 1984 entstandenen „Erinnerungen an die Frauen der Käthe Kollwitz“ findet der Betrachter in Schattierungen einer dunklen Plastik, die „Italienische Mutter mit Kind“ im gelben Polyester-Frauenkörper. Ob „Birgit“, „Aphrodite“, „Suzanne“ oder „Clementine“: Zentrales Motiv des Bildhauers bleibt die weibliche Figur. Liegend, liebend, schwanger, sinnlich, verführerisch, jung oder alt – Loths Frauen wirken weit über Zeit und Raum hinaus. Ausstellung — Zu sehen in der Städtischen Galerie im Speyerer Kulturhof Flachsgasse vom 12. Juni bis zum 30. August, donnerstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr —Zur Eröffnung heute, 18 Uhr, spricht Günter Baumann von der Galerie Schlichtenmaier, Grafenau, einführende Worte.