Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten zum Immobilienmarkt

Ruhiges Viertel am Russenweiher: das Neuland. Das Interesse an Wohnungen dort ist riesig.
Ruhiges Viertel am Russenweiher: das Neuland. Das Interesse an Wohnungen dort ist riesig.

Der Immobilienmarkt in Speyer ist seit Jahren angespannt. Dafür gibt es viele Gründe. Die Immobilienexperten unter anderem der VR-Bank und der Sparkasse in Speyer haben diese permanent im Blick. Sie beantworten die wichtigsten Fragen und erklären, worauf sich Suchende jetzt einstellen müssen.

Wie sieht der Immobilienmarkt in Speyer generell aus?
„Es gibt einen riesigen Nachfrageüberhang“, sagt Bernhard Ellbrück von der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz. „Die Nachfrage ist riesig, das Angebot vergleichsweise klein.“ Ellbrück ist seit 1997 in der Immobilienbranche tätig und leitet in Speyer den Bereich Immobilien. Laut Ellbrück hat die Anzahl der verkauften Immobilien in Speyer in den vergangenen vier Jahren aber nicht abgenommen. „Die Nachfrage wird schlicht und einfach immer größer.“

Wieso wollen immer mehr Menschen Immobilien kaufen?
Das hat mehrere Gründe. „Zum einen ist da das historisch niedrige Zinsniveau, auf dem wir uns seit ein paar Jahren bewegen“, erklärt Ellbrück. Weil Banken für vergleichsweise niedrige Zinsen, die teilweise schon bei 0,7 Prozent beginnen, Kredite vergeben, wird der Immobilienkauf für viele Menschen attraktiver, denn: Sie können vergleichsweise mehr Geld aufnehmen, die monatliche finanzielle Belastung bleibt aber gleich. „Zum anderen hat sich in den vergangenen zwei Jahren die Situation mit den Negativzinsen verschärft“, so Ellbrück. Weil viele Banken mittlerweile Geld dafür verlangen, wenn Kunden mehr als einen bestimmten Betrag – meist sind es rund 100.000 Euro – auf dem Konto haben, seien diese geneigter, das Geld für Immobilien auszugeben.

Kann man den Preisanstieg in Speyer beziffern?
Ja. Für Neubauten in Speyer werden laut einer Statistik bei Eigentumswohnungen mehr als 4000 Euro pro Quadratmeter beim Kaufpreis gefordert. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die Preise damit um fast neun Prozent gestiegen. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern werden in Speyer mittlerweile rund 730.000 bis 1,3 Millionen Euro Kaufpreis aufgerufen. Nur in der West- und Nordstadt liegt das Preisniveau laut einer Statistik von Engel & Völkers aktuell noch etwas niedriger (360.000 bis 650.000 Euro). Trotzdem: Im Vergleich zum Jahr 2019 ist das ein Preisanstieg von zwölf Prozent.

Kommt man jetzt einfacher an einen Kredit?
Nein, die Voraussetzungen für einen Bankkredit haben sich grundsätzlich nicht geändert. Die Kreditinstitute haben jedoch ihre Prioritäten verschoben, wie Peter Bausch, Leiter des Immobiliencenters der Sparkasse Vorderpfalz, erklärt: „Das Eigenkapital, das ein potenzieller Käufer mitbringt, ist schon noch entscheidend. Aber heute steht seine Bonität mehr im Vordergrund.“ Heißt: Auch wenn ein Kunde nicht viel Geld angespart hat, aber gut verdient, hat er gute Chancen auf eine Bewilligung. Bausch rät jedoch, mindestens die Kaufnebenkosten und gegebenenfalls die Maklerkosten zahlen zu können, auch wenn das „schon anspruchsvoll“ wäre.

Welche Immobilien werden nachgefragt?
„Der klassische Wunsch ist noch immer der nach einem frei stehenden Haus mit Garten“, sagt Ellbrück (VR Bank). „Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht geändert.“ Sein Sparkassen-Kollege fügt hinzu: „Gerade in diesem Bereich, der bei 400.000 bis 600.000 Euro liegt, wird die Luft in Speyer langsam sehr dünn.“ Gefragt sind laut den Experten zum einen Neubauten, „auch, weil da in den vergangenen Jahren in Speyer viel passiert ist“, so Ellbrück. Aber auch lang leerstehende Gebäude würden heute gekauft und saniert. „Das kann auch für die Bank schnell zum Fass ohne Boden werden“, erklärt Bausch, warum bei solchen Projekten oft genau hingeschaut wird, bevor der Kredit fließt.

Wollen alle nach Speyer ziehen?
„Nein. Dass wie früher alle nur in die Stadt ziehen wollen, hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Bernhard Ellbrück. Er sagt aber auch: „Die Wünsche orientieren sich am Geldbeutel.“ Das bedeute aber für einige potenzielle Käufer, dass sie im teuren Speyer kaum noch etwas finden und zwangsweise ins Umland ausweichen. Doch auch das wird laut Ellbrück schwieriger: „Der Trend geht dahin, dass auch die Preise in schwächeren Gebieten anziehen.“ Mit Blick auf die Vorderpfalz nennt er die Region im Neustadter Tal, aber auch im Speyerer Umland, etwa in Hanhofen, würden die Preise steigen. Mutterstadt, Limburgerhof und Neuhofen etwa seien wegen der guten Infrastruktur sehr beliebt. Verhältnismäßig günstig kaufen kann man laut Bausch (Sparkasse) fast nur noch im Elmsteiner Tal.

Kann ich mir eine Immobilie im Umland leisten?
Laut einer Statistik von Engel & Völkers steigen auch im Rhein-Pfalz-Kreis und in der Region Germersheim seit Jahren die Preise. Zum Vergleich: Der Quadratmeterpreis im Rhein-Pfalz-Kreis lag 2016 für Ein- und Zweifamilienhäusern bei 1989 Euro. Für 2020 gibt die Statistik von Engel & Völkers 2887 Euro pro Quadratmeter an. Ähnlich sieht der Trend bei den Eigentumswohnungen aus: Hier stiegen die Preise pro Quadratmeter von 1829 Euro (2016) auf 2676 Euro (2020).

Wer verkauft denn aktuell überhaupt Immobilien?
Da gibt es laut den Speyerer Experten vor allem zwei Personengruppen: zum einen junge Rentner, die sich im Alter verkleinern und deshalb vom großen Haus, aus dem die Kinder meist ausgezogen sind, in eine Wohnung ohne großen Garten ziehen. Zum anderen gebe es viele Kinder, die das Elternhaus auf dem Land verkaufen, weil sie selbst weiter weg oder in der Stadt wohnten.

Und wer kauft oder versucht es?
Auch hier tun sich mehrere Personengruppen hervor: Laut Bernhard Ellbrück von der VR Bank gibt es aktuell viele Großkapitalanleger, die meist ganze Wohnblöcke kaufen. „Das eröffnet natürlich neue Mietmöglichkeiten, nimmt aber anderen Käufern wieder etwas weg“, so Ellbrück. Laut Bausch sind auch viele junge Leute, vor allem junge Familien, nach wie vor auf der Suche. Allein in seiner Abteilung habe er rund 3000 Suchende gelistet.

Wie groß ist die Konkurrenz?
Das macht Ellbrück an einem konkreten Beispiel deutlich: Im größten Immobilien-Portal im Internet gibt es aktuell 526 User, die im Speyerer Neuland eine Eigentumswohnung suchen und dafür einen Such-Alarm eingestellt haben. Angebotene Objekte auf der Internetseite im Neuland: drei. Da sei es gerade bei Spezialwünschen „kein Wunder, dass manche Kunden sehr lange suchen“.

Gibt es noch andere Gründe für die angespannte Situation?
Ja. Laut Ellbrück wirkt sich der aktuelle Rohstoffmangel – etwa beim Bauholz – stark auf den Immobilienmarkt aus. „Es könnte gut sein, dass die Preise deswegen noch mal um zehn Prozent steigen“, sagt er. „Das wird definitiv noch spannend.“

Werden die Zinsen wieder steigen und das Geld bei der Bank teurer?
Damit rechnen die Speyerer Immobilienexperten zunächst nicht. „Ich glaube nicht, dass die Zinsen nachhaltig steigen und sich das Preisniveau wieder ändert“, sagt Ellbrück. Bausch stimmt zu: „Es wird nicht einfacher, in begehrten Wohnlagen etwas Günstiges zu finden.“

Bernhard Ellbrück
Bernhard Ellbrück
Peter Bausch
Peter Bausch
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