Speyer
Frühjahrsmesse: Leises und nachhaltiges Feuerwerk in Speyer
Herr Wollenschläger, zur Speyerer Frühjahrsmesse wird es am 19. April ein geräuscharmes Feuerwerk von Ihnen geben. Wie klingt sowas?
Der Explosionsknall existiert nicht. Die Feuerwerkskörper werden mit einem „Plopp“ hochgeschossen und fallen dann auseinander. Dazu machen wir musikalische Begleitung. Ein normales Feuerwerk hat 120 Dezibel. Straßenverkehr hat in der Regel 80 und Zimmerlautstärke 50 Dezibel. In diesem Bereich bewegt sich das geräuscharme Feuerwerk. Der Verkehr und der Trubel von Festen sind lauter. Damit fällt das Feuerwerk für die Tierwelt nicht ins Gewicht. Tiere reagieren sensibel auf unnatürliche Töne, wie hohes Pfeifen. Das lassen wir weg.
Wie funktioniert Ihr Feuerwerk?
Wir nutzen keine herkömmlichen Raketen. Der Feuerwerkskörper ist rund oder zylindrisch und besteht aus gepresstem Papier. Darin sind viele kleine bunte Effekte. Sie sind mit einem Zeitverzögerer miteinander verbunden und werden jeweils in einer definierten Höhe ausgelöst. So entfaltet sich das Bild. Unsere Abschussgeräte sind etwa einen Quadratmeter groß und bestehen oft auch aus Altpapier. Die können wir rund zwei Jahre lang verwenden. Danach werden sie eingestampft und wiederverwendet.
Seit wann gibt es leises Feuerwerk?
Eigentlich schon immer. Das ist keine neue Erfindung. Das europäische Feuerwerk – gerade in der Glanzzeit, der Renaissance oder dem Barock – war leise. Deshalb gibt es Feuerwerksmusik von Händel oder Beethoven. Laut wurde es erst ab 1980: Als die Supermärkte begannen, günstiges Feuerwerk aus Ostasien zu importieren, um den Gewinn zu maximieren. Dort soll Feuerwerk traditionell böse Geister verjagen oder Drachen besänftigen. Die Farbe hat wenig Bedeutung: Es ist primär laut.
Weil Ihnen Umweltschutz und Nachhaltigkeit wichtig sind, setzen Sie auf das leise Feuerwerk?
Wir haben schon immer Wert auf Qualität gelegt, auf Arbeitsplätze in Deutschland, auf Umweltschutz. Allein die Produktion in China ist abenteuerlich. Wir haben keine Metallteile und keine Giftstoffe in unserem Feuerwerk. Wir nutzen keine Wegwerfartikel. Außerdem fällt bei uns der Transport über die Meere weg. Wir setzen auf deutsche, Schweizer und europäische Artikel. Die werden unter hohen Auflagen produziert: wiederverwendbare Abschussgeräte, umweltfreundlichere Stoffe, kaum Metalle, kaum messbarer CO2-Ausstoß. Bei einer Messung seitens des Bundesumweltamts wurde gemessen, dass das Grillen weniger Bratwürste dem CO2-Ausstoß von 14.500 Raketen entspricht.
Gibt es umweltfreundlichere Alternativen zum Feuerwerk?
Wir haben Drohnenshows getestet, aber jede Drohne macht Helikoptergeräusche und lebt von einem Akku. Die beinhalten unter anderem Blei, Lithium und Quecksilber. Die verbrauchten Akkus stellen einen signifikanten und bedenklichen Müll dar. Drohnenshows funktionieren nicht bei mittlerem Wind, Regen, Frost oder bei Störfrequenzen durch Dritte. Lasershows sind im Freien nur mit erheblichem Aufwand realisierbar und ebenfalls wetterabhängig.
Sieht das geräuscharme Feuerwerk anders aus als das herkömmliche?
Es ist viel farbenfroher. Wenn ein Feuerwerkskörper zur Hälfte aus Schwarzpulver besteht, habe ich eine Hälfte Lärm, eine Hälfte Farbe. Leise Feuerwerke sind schöner, lebendiger und vielseitiger.
Wie planen Sie ein Feuerwerk?
Zuerst prüfen wir das Gelände auf Gefahrenpunkte – etwa militärische Gebäude, Tankstellen, Hauptstraßen, offene Baustellen mit Gasleitungen, Zoos. Wichtig ist auch die Größe des Geländes: Wie viel Schutzabstand braucht man? Ist ein Bodenfeuerwerk möglich? Wir bieten immer ein leises Feuerwerk an und hoffen, dass sich die Kunden dafür entscheiden. Schließlich stimmen wir Details ab: Musik, Lieblings- oder Vereinsfarben, die Art der Veranstaltung. Ist es eine Halloweenparty, müssen die Farben kunterbunt sein. Ist der Kunde eine Bank, passen moderne Effekte. Für ein junges Publikum könnte man Bilder in den Himmel zeichnen: Personen, Firmenlogos, Wappen.
Was erwartet die Besucher der Frühjahrsmesse?
Ein leises Feuerwerk. Wir haben mehr als 15.000 Effekte geplant. Es werden viele kleine Effekte sein, die in unterschiedlicher Höhe aufgehen. Wir werden bildhafte Effekte dabeihaben: Feuervögel, Blumensträuße, Sonnen. Es erinnert an ein italienisches Feuerwerk: verspielt und viel fürs Auge.
Feuerwerk unterscheidet sich von Land zu Land?
Es gibt unterschiedliche Traditionen. In Skandinavien sind Feuerwerke lang, weiß, silbern, kristallfarben und wenig bunt. In Frankreich besteht Feuerwerk aus großen Einzeleffekten, ist massiv laut und hoch. Spanien ist sehr verspielt, es gibt viele kleine, sich überschneidende Effekte. In Deutschland ist Feuerwerk eher klassisch: Effekte wie Blumensträuße in gedeckten Farben. In Australien kann ein Feuerwerk nach drei Minuten vorbei sein, in Spanien oder Italien kann es Stunden andauern. Bei deutschen Stadtfesten sind es in der Regel sieben bis zehn Minuten.
Gibt es in der Feuerwerksbranche Trends?
Wir haben aktuell einen Trend, der vor Jahren undenkbar war. Diejenigen, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren aufgewachsen sind, feiern jetzt Goldene Hochzeit oder gehen in Rente. Denen hätten wir früher ein Feuerwerk mit klassischer Musik vorgeschlagen – sie wollen aber „Deep Purple“, „Queen“ und die „Rolling Stones“. Sie wollen es richtig krachen lassen. Bei Stadtfesten und Hochzeiten sind Feuerwerke auch im Trend.
Wie stehen sie als Experte zu einem Böllerverbot an Silvester?
Privates Böllern zu verbieten und überall städtische Feuerwerke zu machen, geht nicht – dazu gibt es nicht genug Firmen. Außerdem bräuchte allein Berlin rund 100 Feuerwerke. Das muss man den Steuerzahlern erstmal erklären. Man müsste Straftäter, die Polizisten mit Böllern bewerfen oder illegale Artikel verkaufen, besser verfolgen und bestrafen. Man sollte nicht mit einem allgemeinen Verbot alle anderen bestrafen. Wir brauchen mehr leises und sicheres Feuerwerk.
Gab es ein Feuerwerk, dass Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mich rief einmal der Bürgermeister einer Stadt an, weil er in der Innenstadt ein besonderes Feuerwerk für eine Hochzeit wollte. Er sagte, er würde alles Nötige machen – auch Straßen sperren. Das war ungewöhnlich. Es stellte sich heraus, dass die Braut schwer krank war. Sie war stationär in Behandlung und es war klar: Wenn sie das Krankenhaus verlässt, stirbt sie. Ihr war die Hochzeit so wichtig, dass sie es durchgezogen hat. Sie wurde um 12 Uhr im Krankenhaus abgeholt, um 14 Uhr war die Trauung, um 21.30 Uhr war das Feuerwerk und um 23 Uhr war sie tot. Sie wollte nicht noch zehn Wochen an Schläuchen hängen, sondern heiraten, alle Freunde und Verwandte noch einmal sehen und der krönende Abschluss sollte ein Feuerwerk sein. Das vergesse ich nie.
Zur Person
Andreas Wollenschläger gründete „AW Pyrotechnik“ 1998. Davor arbeitete er mehrere Jahre als Unternehmensberater. Studiert hat der Odenwälder Betriebswirtschaftslehre mit Wirtschaftsrecht. Für den Beruf reiste er viel und lebte in Städten wie Mailand, Tokio und Barcelona. Dort wurde sein Interesse an Feuerwerken geweckt. Mit 38 Jahren stieg er aus dem Beruf aus und startete schließlich in der Feuerwerksbranche.