Speyer Fossilien aus jedem Erdzeitalter

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Dudenhofen

. Den Großteil seiner mehrere Tausend Stücke zählenden naturkundlichen Sammlung hat Erich Bettag zwar bereits 2008 dem Naturhistorischen Museum in Mainz übergeben (wir berichteten); dort liegt „der wissenschaftliche Wert meiner Arbeit“, wie der Dudenhofener sagt. Doch mehrere Hundert Exponate, die eine besondere Bedeutung für ihn haben, hat er behalten: „Bei einer solchen Sammlung gibt es Dinge, von denen man sich nicht so leicht trennt“, erklärt Bettag. Eine Auswahl dieser Stücke wird der 79-Jährige ab 10. Oktober bei einer Ausstellung im Bürgerhaus an zwei Wochenenden der Öffentlichkeit vorstellen. Das vergleichsweise jüngste und zugleich größte Fossil in Bettags Auswahl ist der „Vorder-Schenkel-Knochen“ eines Mammuts. Gefunden hat der Naturforscher die rund 20.000 Jahre alten Überreste der ausgestorbenen Elefantenart in den 1970er Jahren in einem Kiesabbaugebiet bei Speyer unweit des heutigen Müllbergs. Das nächstjüngere Fossil, ein zirka 20 Millionen Jahre alter, rund 30 Zentimeter langer Fisch, hat der Dudenhofener ausnahmsweise nicht selbst entdeckt. „Es ist ein Mitbringsel aus Südafrika“, sagt er. Etwa einen halben Meter lang war der Schlammfisch, der vor rund 50 Millionen Jahren in einem urzeitlichen Meer umherschwamm. Gefunden hat Bettag diesen in den 70er Jahren in der Grube Messel bei Darmstadt. In dem stillgelegten Ölschiefer-Tagebau wird bis heute nach Fossilien gesucht; allerdings nicht mehr von Privatpersonen, sondern nur noch von Wissenschaftlern in staatlichem Auftrag. Das Schlammfisch-Original hat Bettag dem Paläontologischen Museum von Arnulf Stapf in Nierstein zur Verfügung gestellt, teilt er mit. Für seine Sammlung hat er eine Nachbildung (Duplikat) anfertigen lassen. Rund 300 Millionen Jahre alt sind die zahlreichen Haifisch-Zähne, die der Dudenhofener in den 70er Jahren bei Alzey zusammengetragen hat. Von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern sind die Zähne der Raubfische lang; einige haben gerade Kanten, andere sind gezackt, manche haben die Form eines gleichschenkligen Dreiecks, einige sind gebogen. Präsentiert werden sie allesamt von Bettag in einem großen Schaukasten. Zwei weitere für die Ausstellung im Bürgerhaus vorgesehene Exponate sind ebenfalls Fundstücke aus der Nordpfalz, und mit etwa 290 Millionen Jahren haben auch sie ein stolzes Alter: zwei versteinerte Saurier mit dem wissenschaftlichen Namen Sclerophalus haeuseri. Die beiden Fossilien hat Bettag vor rund 40 Jahren bei Jeckenbach gefunden. Nicht weit entfernt davon, südwestlich des Donnersbergs, sammelte der Dudenhofener 1975 nach einem Bergabgang aufgrund einer Sprengung ebenfalls zirka 290 Millionen Jahre alte – allerdings pflanzliche – Fossilien ein: mehrere versteinerte Große Ackerschachtelhalme. Noch älter als die Saurier, von denen Bettag einen ans Niersteiner Museum abgegeben und durch ein Duplikat ersetzt hat, sind die 1995 von dem Naturforscher in der Wüste von Marokko zu Tage geförderten Dreilapper-Krebse mit 380 bis 390 Millionen Jahren. Übertroffen werden sie allerdings noch von einem, auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden, flachen schwarzen Stein mit hellen kurzen Streifen auf der Oberfläche: „Die Spuren und Reste der ersten Tiere auf dem Meeresboden“ sind rund 550 Millionen Jahre alt, sagt Bettag. Gefunden hat er sie in den 70er Jahren auf der Insel Gotland (Schweden). „Ich habe Fossilien aus jedem Erdzeitalter“, stellt der 79-Jährige eine Besonderheit seiner Sammlung heraus. Zu den Zeugnissen vergangenen Lebens kommen einerseits Mineralien wie etwa ein seltener Gipskristall aus einem Steinbruch bei Albersweiler, andererseits Präparate von Insekten – insbesondere Schmetterlingen – und sogenannte Anomalien aus dem Pflanzenreich – etwa Wucherungen an Bäumen – aus der „Jetztzeit“ hinzu. Die tropischen Schmetterlinge tragen, im Vergleich zu unseren einheimischen, leuchtende Farben zur Schau. Sie will Bettag ebenso zeigen, wie eine Anomalie in Form eines riesigen Ohres. Seine Auswahl an Ausstellungsstücken wird der Naturforscher in zwei Räumen im Bürgerhaus, im Erd- und im Obergeschoss, aufbauen. Für die nähere Zukunft hofft er, dass seine Sammlung einen festen Ort, ein Museum, in Dudenhofen erhält. Den Exponaten aus dem Tier-, Pflanzen- und Mineralienreich zur Seite stellen will Bettag dann einerseits wissenschaftliche Fachbücher – insbesondere solche zur Artbestimmung –, andererseits als eigenen künstlerischen Beitrag sogenannte Brennstiftbilder von bekannten Persönlichkeiten nicht nur aus der Pfalz. (tbg)

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