Speyer
Flohmarkt-Betreiber berichtet, was ihm im Lockdown fehlt
Der zweite Lockdown bringt den Unternehmer an die Grenzen. 2019 hat Friedt sein Zeitschriftengeschäft geschlossen, das er 33 Jahre in Bruchsal betrieben hat. „Das war die langsame Vorbereitung auf den Ruhestand“, sagt er. Die Flohmärkte möchte er weiter betreiben, bis eine Enkelin nach dem Studienabschluss die Nachfolge antreten kann. „Sie tritt in Opas Fußstapfen“, sagt Friedt. „Für Flohmarkt-Nachwuchs ist also gesorgt.“ Er ist dreifacher glücklicher Großvater, Familie für ihn das Wichtigste. Bruchsal ist die Heimat, aus der er sich in Sachen Wohnsitz nie entfernt hat. Diese Entscheidung habe er nie bereut. „Ich weiß, wo ich daheim bin“, sagt Friedt dazu. Wenn er auf Reisen geht, ist das Ziel fast immer Thailand. Ein Sehnsuchtsort, wie Friedt sagt.
Käufer und Verkäufer bangen
Zweimal wöchentlich war und ist Friedt in Speyer. Auch im Lockdown muss er das Gelände am Güterbahnhof auf Sauberkeit, Sicherheit, Ordnung prüfen. Aus Gewohnheit kommt er wie zu Flohmarktzeiten mittwochs und freitags. Die Hoffnung, dass er zu Frühlingsbeginn wieder öffnen kann, hält ihn hoch. „Märkte, die der Unterhaltung dienen, sind verboten“, zitiert Friedt die aktuelle Verordnung.
Für ihn sei der Flohmarkt indes kein reines Unterhaltungsszenario. Er berichtet von den meist älteren privaten Anbietern, für die die regelmäßige Veranstaltung eine gute Gelegenheit zur Begegnung sei. „Reich wird mit den Einnahmen niemand“, versichert der Betreiber. „Aber ein Tag auf dem Flohmarkt ist schöner als einer ohne Ziel.“ Der Kontakt zwischen ihm und den Privat-Anbietern sei nicht abgerissen, betont er. „Händler und Kunden kennen sich, scherzen miteinander, trinken gemeinsam einen Kaffee und erzählen sich die neuesten Neuigkeiten aus Stadt und Umland“, beschreibt Friedt die an Öffnungstagen gute Stimmung zweimal wöchentlich an der Burgstraße. „Viele professionelle Händler sind pleite“, berichtet er von endgültigen Absagen.
Für ihn laufe die Miete auch im Lockdown und ohne jede Einnahme weiter, so der Unternehmer über die eigene wirtschaftliche Lage. Derzeit stehe er im engen Kontakt mit dem Vermieter, der Deutschen Bahn. Mehr noch als um seine eigene sorgt er sich um die Zukunft der Kunst- und Kulturschaffenden. Er vermisse das – aktuell vollkommen lahmgelegte – kulturelle Leben, sagt Friedt. Im Sommer 2020 habe er so viele Karten für Veranstaltungen in der Region gekauft wie möglich. „Das ist mein Beitrag, Kulturschaffende zu unterstützen“, erklärt der Musik- und Theaterfan.
Rückblick auf 34 Jahre
Leidenschaftlich liest Friedt die Tageszeitung. Ein Buch hat er immer dabei in Speyer. Früher waren es die Comics, die inzwischen in einer Garage am Haus in Bruchsal lagern. 1986 hat Friedts Karriere als Flohmarkt-Beschicker begonnen. „Ich wollte einen anderen Ton auf den Markt bringen, mehr Entspannung und Menschlichkeit“, sagt er. Und: „Zu D-Mark-Zeiten waren die Umsätze gut.“ Heute lebten die Händler „von Flohmarkt zu Flohmarkt“. Drei Jahre will er noch weitermachen – mit Idealismus und Fingerspitzengefühl. Vor Corona habe er in Speyer rund 100 Stände an der Burgstraße verteilen können, seit Ausbruch der Pandemie maximal 60. Viele Kunden kämen aus Angst vor Ansteckung nicht. „Ich habe mich immer an alle Regeln gehalten“, so Friedt. Er freue sich auf den Tag X, an dem er wieder für fröhliches Treiben auf dem Güterbahnhofsgelände sorgen darf.