Speyer
Feuerwehr-Einsatz am Bahnhof: Droht Gefahr aus Kesselwagen?
Keine Gefahr für die Bevölkerung. Der Gasaustritt war nicht unkontrolliert. Das ist die beruhigende Mitteilung der Polizei wie auch der Feuerwehr. Bis es zu diesem Urteil kam, waren jedoch die Aufregung und der Ärger groß am Samstagnachmittag am Speyerer Hauptbahnhof. Wegen Gasgeruchs musste die Feuerwehr ausrücken. Bahnkunden und Anlieger waren in Sorge. Züge in Richtung Schifferstadt und Germersheim fielen aus oder waren üppig verspätet.
Die Feuerwehr sei wegen auffälligen Geruchs im Bereich des Bahnhofs alarmiert worden, teilt die Stadt auf Anfrage mit. „Hintergrund war der Verdacht auf mögliche Leckagen an abgestellten Kesselwagen.“ Die Einsatzkräfte hätten vor Ort Messungen mit Gaswarngeräten vorgenommen und die betroffenen Waggons überprüft. „Dabei konnte kein kontinuierlicher Gasaustritt festgestellt werden. Vielmehr trat der Geruch schwallartig und in unregelmäßigen Abständen auf.“ Es habe kein technischer Defekt vorgelegen.
Ventile öffnen sich
Die Feuerwehr vermutet, dass sich aufgrund der Außentemperaturen an dem sonnigen Nachmittag Dämpfe in den Kesselwagen gebildet hätten. „Um einen zu hohen Innendruck zu vermeiden, öffnen sich in solchen Fällen automatisch Sicherheitsventile, durch die kurzfristig Dämpfe entweichen können, bevor sich die Ventile wieder schließen.“ Der entstehende Geruch werde zwar als unangenehm wahrgenommen, stelle jedoch keine Gesundheitsgefahr dar. „Durch leichten Luftzug vermischten sich die Dämpfe rasch mit der Umgebungsluft und verflüchtigten sich schnell.“
Großer Aufwand für ein letztlich kleines Problem – dieser Befund ist für die Feuerwehr keine Seltenheit, im Fall des Bahnhofs mit seiner hohen Frequenz aber ärgerlich. Auch aus dem Juni 2022 und dem Juni 2024 war über ähnliche Einsätze berichtet worden. Danach wurde politisch gefordert, beladene Güterzüge nicht direkt am Bahnhof abzustellen, was aber zu keiner erkennbaren Änderung der Praxis bei der Bahn geführt hatte. Ein Hintergrund könnte sein, dass im Bahnhofsbereich immer wieder Güterzüge umgekoppelt werden, um in Höhe der Friedrich-Ebert-Straße aufs Industriegleis einbiegen zu können. Sie sind zum Teil mit Mineralölprodukten beladen.
Droht auch andernorts
Solange Kesselwagen im Bereich des Bahnhofs stehen, wo es etliche Gütergleise gibt, ist ein solcher Fall nach Einschätzung der Feuerwehr auch in Zukunft nicht auszuschließen. Gerade bei direkter Sonneneinstrahlung in den wärmeren Monaten könnte er wieder eintreten. Laut Stadt würden auch an anderen Abstellorten vergleichbare Druckausgleichsvorgänge auftreten – „dort allerdings ohne unmittelbare Wahrnehmung durch Passantinnen und Passanten“.
Betroffenen, die verdächtige Gerüche wahrnehmen, rät sie, sich nicht längere Zeit unmittelbar in den Dämpfen aufzuhalten. „Zudem sollte nicht geraucht und generell kein offenes Feuer verwendet werden.“ Bei wiederholtem oder länger anhaltendem Auftreten des Geruchs sowie bei Unsicherheiten sollte die Notrufnummer 112 verständigt werden. Ob die wiederkehrenden Einsätze künftig vermieden werden können? Das ist auch laut Stadt Speyer ungewiss. Sie berichtet, den Sachverhalt aufgenommen zu haben und „mit den zuständigen Stellen, insbesondere der Deutschen Bahn, weiter thematisieren“ zu wollen.
Was die Bahn sagt
Die Bahn betont auf Anfrage, dass in solchen Fällen keine Gefahr bestehe. An den Speyerer Bahnhof schließe sich der Gleisanschluss der Hafenbetriebe an. Diese müssten die Übergabe und Übernahme von Waggons in dem Bereich organisieren. Die damit betrauten Eisenbahnverkehrsunternehmen mieteten die hierfür vorgesehenen und technisch geeigneten Gleise 4 und 5 an. „Bei Kapazitätsengpässen im Gleisanschluss und abhängig von den Fahrplanzeiten der im Bahnhof Speyer ein- beziehungsweise ausgehenden Güterzüge kann sich eine Standzeit in diesen Gleisen ergeben“, so ein Sprecher. Einzige Alternative sei, dass Züge je nach Betriebslage vorab in Schifferstadt oder Ludwigshafen warten könnten – „abgefangen und gepuffert werden“, heißt das in der Bahn-Sprache. „Um die Sicherheit im Eisenbahnverkehr und in den Bahnhöfen jederzeit zu gewährleisten, müssen Gefahrgutzüge durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen rund um die Uhr überwacht werden“, betont der Sprecher.