Speyer
Feuerbach- und Hess-Park: Neugestaltung beginnt mit Rodungen
Die Umarmung, die Maximilian Burg der steinalten Zierkirsche schenkt, ist innig. Ganz eng schmiegt sich der Landschaftsgärtnermeister an den von Efeu umrankten Stamm. Doch Burg ist nicht zum Pflanzenkuscheln in den Feuerbachpark am südlichen Rand der Innenstadt gekommen. Er schlingt Absperrband um das knorrige Gewächs und verknotet es. Der 36-Jährige markiert auf diese Weise Gehölze, die nicht der Kettensäge zum Opfer fallen sollen, wenn ab Montag die Rodungsarbeiten beginnen, die bis März beendet sein müssen.
„Die Firma hat einen Plan, auf dem genau verzeichnet ist, welche Bäume und Büsche stehen bleiben“, sagt Burg. Das Flatterband diene nur zur Sicherheit, damit ökologisch wertvolle Pflanzen nicht versehentlich abgesäbelt werden. So etwas kann in der Hitze des Gefechts leicht passieren, denn stellenweise muss deutlich ausgelichtet werden in der zugewucherten Pflanzenumrahmung der kleinen grünen Lunge zwischen Gedächtniskirche und Diakonissen-Gelände.
Historisches Bild wiederherstellen
Die Stadt will die aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts stammende, denkmalgeschützte Parkanlage wieder in einen Zustand versetzen, der demjenigen ähnelt, den die Planer einst im Sinn hatten – angepasst an die Bedürfnisse der heutigen Zeit. So wird im Südosten an der Diakonissenstraße der Spielplatz neu gestaltet mit Matschtisch und Kletteranlage. Im Nordwesten des Parks wird unter dem Stichwort „essbares Speyer“ eine Wiese angelegt und mit Gehölzen bepflanzt, die Früchte tragen, an denen sich jeder Parkbesucher laben können soll.
Ziel ist ein lebendiger Treffpunkt für alle gesellschaftlichen Schichten und Generationen, ganz so, wie es das städtebauliche Programm „Sozialer Zusammenhalt vorsieht. Aus dessen Mitteln stammen die knapp drei Millionen Euro, die die Stadtverwaltung bis 2026 in die Umgestaltung des Feuerbachparks und der weiter östlich liegenden Melchior-Hess-Anlage steckt. Burg ist derjenige, bei dem als städtischer Projektmanager die Fäden zusammenlaufen. „Im Feuerbachpark geht es um eine Aufwertung, im Hess-Park um eine Umgestaltung“, beschreibt er das Vorhaben.
Artenreiches Insektenglück
Was Burg mit „Aufwertung“ meint, wird bei einem Rundgang um den Feuerbachpark klar. „Die heutige Bepflanzung ist nicht mehr vital“, sagt der Südpfälzer und zeigt auf die dicht bewachsene Umrandung: Sie sei artenarm, die Pflanzen erdrückten sich auch noch gegenseitig. Viele seien krank, andere invasiv, der historische Rahmen aus Zierkirschen kaum mehr erkennbar. Daher soll nun großzügig freigeschnitten werden, nur ausgewählte Gehölze bleiben übrig.
Der kahlere Anblick werde zunächst manche erschrecken, vermutet Burg. Doch das Grün kehre wieder, versichert er. Im kommenden Frühjahr, sobald die Wege im Park neu angelegt seien, gehe es an die Neupflanzung: „Wir setzen 30 neue Großbäume und viele Stauden, die Vögeln und Insekten zugute kommen.“ Statt der heute vielleicht noch zehn Pflanzenarten werde man hinterher 50 bis 60 haben, ist der Landschaftsgärtner überzeugt, ein kleines Paradies für Mensch und Natur zu schaffen.
Doch gibt es kritische Stimmen, die gefordert hatten, das dichte Grün so zu lassen, wie es ist, und die es für einen Frevel halten, gesunde Bäume zu kappen. Ihnen entgegnet Burg, dass nicht leichtfertig gefällt werde. Und dass Bäume, die verpflanzt werden könnten, andernorts in der Stadt eine neue Heimat finden werden. Wohl spätestens im Herbst 2026 werde man das neue Erscheinungsbild des Feuerbachparks erkennen.
Dornen gegen Notdurft
Kritik gab es auch an den Neugestaltungsplänen der Hess-Anlage. Sie entzündete sich vor allem am Standort des künftigen Wasserspielplatzes im Westen der Grünfläche und an einem Holzpodest, das im Nordwesten in Nähe des Kiosk zum Verweilen einladen sollte. Hier befürchteten Anwohner einen erhöhten Lärmpegel – ein Einwand, dem die Stadt schließlich Rechnung trug. „Das Podest ist gestrichen“, erläutert Burg. Sitzgelegenheiten würden stattdessen weiter innen im Park verteilt.
Den werde man nach der Aufhübschung kaum wiedererkennen: Die zugewucherte Böschung, die den Park durchschneidet, wird geöffnet, eine Boule-Anlage gebaut, verschiedene Aufenthaltsbereiche entstehen, eine Blumenwiese soll Freizeitaktivitäten ermöglichen. Die vielen großen Bäume, darunter ein Mammutbaum, bleiben. „Das ist ja fast schon eine Arboretum, eine Sammlung“, schwärmt Burg. Sie will er mit schattenspendenden Großgehölzen ergänzen.
Am Nordrand des Parks schirmt eine alte Mauer die Nachbargärten ab. Bisher wurde dieses stille Örtchen gern von Wildpinklern frequentiert. „Hier pflanzen wir Gehölze mit Dornen“, sagt Burg: „Da überlegt sich jeder zweimal, ob er da reingeht.“
Zur Sache
Infos zur Neugestaltung von Feuerpackpark und Melchior-Hess-Anlage: www.speyer.de/de/rathaus/verwaltung/buergerbeteiligung/