Speyer Fest im Ortsleben verwurzelt

Haben die Palme zu ihrem Hochzeitstag von einer Nachbarsfrau geschenkt bekommen: Anna und Otto Haaf aus Berghausen.
Haben die Palme zu ihrem Hochzeitstag von einer Nachbarsfrau geschenkt bekommen: Anna und Otto Haaf aus Berghausen.

Anna und Otto Haaf aus Berghausen feiern morgen ihre diamantene Hochzeit. Seit 60 Jahren ist das Paar verheiratet. Anna Haaf, die in Erzenhausen im Landkreis Kaiserslautern aufgewachsen ist, musste sich ihren Stand in Berghausen, der Heimat ihres Mannes, anfangs erst erkämpfen. Heute ist sie wie ihr Mann fest im Ortsleben verwurzelt.

„Ich war der erste Mann im Ort, der eine Frau aus einem anderen Ort hatte, die auch noch evangelisch war“, erzählt der 87-jährige Haaf. Kennengelernt hat er seine Anna in Kaiserslautern, wo er als Bäckergeselle gearbeitet hat. „Sie haben eine Verkäuferin gesucht und meine Mutter hat mich vorgestellt. Als ich den Otto gesehen habe, habe ich zu meiner Mutter gesagt: ,Mama hast du den Mann gesehen, das wird mal mein Mann’“, erzählt Anna Haaf und lacht. Das Datum ihrer ersten Begegnung hat sie noch ganz genau im Kopf, es war der 15. Mai 1952. Fünf Jahre später heiratete das Paar standesamtlich in Berghausen und kirchlich in Kaiserslautern, „damit beide Orte berücksichtigt werden“, sagt Otto Haaf. Um sich mit den Leuten in ihrer neuen Heimat Berghausen bekannt zu machen, hat Anna Haaf anfangs Illustrierte ausgetragen. Später arbeitete sie in einer Gärtnerei, als Kindermädchen vom heutigen Kabarettisten Christoph Sonntag und in der Volksbank in Speyer. Vermisst habe sie in Berghausen immer den Wald und unbekannt seien ihr die Schnaken gewesen, erzählt die 81-Jährige. Als ihr Mann in jungen Jahren unter der Werlhof-Krankheit – einer Autoimmunerkrankung – leidet und nur dank eines Blutspenders überlebt, päppelt Anna Haaf ihn wieder auf. „Sie hat mir das Laufen beigebracht“, sagt Haaf, der wegen der Krankheit seine Arbeit als Bäcker aufgeben musste. Er fand anschließend eine Anstellung bei einem Süßwarengeschäft in Speyer. Doch die saisonale Arbeit habe nicht dabei geholfen, das Geld für den Hausbau in Berghausen zusammenzubekommen. Deshalb hat sich Haaf bei den Flugzeugwerken zum Metallhandwerker umschulen lassen. „Können Sie sich vorstellen, eben habe ich noch in der Zuckerstube Mohrenköpfe und Zuckerstangen gemacht und dann baue ich Flugzeuge“, erinnert sich der 87-Jährige. 29 Jahre war er dort beschäftigt – „bis zur letzten großen Entlassungswelle“ Mitte der 1980er Jahre. Seine Freizeit hat das Paar mit Busreisen verbracht, so haben sie fast ganz Europa, Russland und Israel kennengelernt. Eine Leidenschaft war für sie auch die spanische Insel Mallorca, die sie zwischen 1970 und 1980 jedes Jahr besucht haben – „wir haben aber immer an einer anderen Stelle übernachtet“, sagt Haaf. Ihm und seiner Frau war es wichtig, auf ihren Reisen so viel wie möglich zu sehen. Heute verbringen die beiden, die Gründungsmitglieder des Pfälzerwald-Vereins Römerberg sind, ihre Zeit mit Spaziergängen und bei Heimspielen des FV Berghausen. Anna Haaf singt außerdem beim MGV Heiligenstein im Chor. Otto Haaf, der sich im Verein für Heimat und Brauchtumpflege in Römerberg engagiert, schreibt auch als freier Mitarbeiter für die RHEINPFALZ. Die Feier anlässlich ihrer diamantenen Hochzeit am morgigen Donnerstag will das Ehepaar Haaf aufgrund eines Todesfalls in der Familie verschieben.

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