Speyer
Feldhandball: Als Speyer an der Schwelle zur Bundesliga stand
Vor 50 Jahren verloren sie das entscheidende Spiel als Meister der Gruppe Süd der Regionalliga auf dem neutralen Platz in Butzbach/Hessen gegen den Nordgruppe-Ersten SG Kassel-Harleshausen mit 10:19. Vier Jahre später, ebenfalls als Meister der Regionalliga-Südgruppe, scheiterten sie schon in der Relegationsrunde nach dem 16:11-Triumph über den Titelverteidiger TSG Steinheim mit 8:9 gegen SV Crumstadt/Hessen.
DIE RHEINPFALZ nach dem Titelgewinn 1970: „Für den TSV ist die Meisterschaft die beinahe logische Folge zäher Trainingsarbeit und gut harmonierender Spieleinstellung des Spielertrainers Werner Büber.“ Der schon lange in Speyer wohnende Assenheimer stieß 1969 zum TSV und trug auch zur Meisterschaft der Hallen-Oberliga 1969/70 bei.
Umfassendes Training
Büber ordnete zweimal in der Woche ein „umfassendes“ Training an. Auf dem Weg zum Titel und zum möglichen Bundesliga-Aufstieg verlor die auch von dem in der Stadt bekannten Tanzlokal-Besitzer Franz Schreiber als Handball-Motor geförderte Mannschaft 1970 nur zweimal – gegen Bübers Altverein TB Assenheim und gegen TuS Dansenberg.
Geführt wurde die Regionalliga-Meistermannschaft 1970 von TSV-Abteilungsleiter Heinz Kreutzenberger sowie von Herbert Gschwill und Rudi Stutz als weiteren Betreuern. Zum Spielerstamm gehörten neben Büber: Dieter Boos, Werner Büchner, Jürgen Hoffmann, Dieter Lerch, Franz Beauzil, Ernst Rieger, Karl Ludwig Schreyer, Heini Schrödelsecker, Gunnar Schwonke, Clemens Spiekermann, Gerhard Volkert, Heinz Walburg, Bernd Wende, Werner Zietsch, Josef Hutter, Jürgen Becker und Wolfgang Weingand.
Zur Sache: Feldhandball
Die Feld-Bundesliga bestand von 1967 bis 1973. Gleichzeitig gab es vier Regionalligen (dazu die Landesliga Berlin) als zweithöchste Spielklasse. Die bis dahin als höchste Klassen fungierenden Landesligen der einzelnen Landesverbände wurden somit drittklassig.
In der DDR gab es Feldhandball ab der Saison 1947/48 bis 1968. Letzter Meister war SC Magdeburg. 1972 wurde die Bundesliga auf dem Feld wegen der Vorbereitung auf das Olympiaturnier im Hallenhandball ausgesetzt. Mögliche Olympia-Teilnehmer durften nicht teilnehmen. Die Meisterschaft wich einer Pokalserie.
Ebenfalls 1972 beschloss der Deutsche Handball-Bund, die Feldhandball-Bundesliga 1973 abzuschaffen. Doch 1974 und 1975 wurde die Meisterschaft in einer Endrunde der Titelträger der Regionalligen ausgetragen. Die Titel gingen 1974 an TSV Birkenau und 1975 an TSG Haßloch.
Auf Fußballplatz
Feldhandball wurde auf eigens für diese Sportart markierten Fußballfeldern ausgetragen. Deren Tore wiesen die gleichen Abmessungen von 7,32 Meter in der Breite und 2,44 m in der Höhe auf.
Ähnlich wie beim Eishockey war das Spielfeld in Drittel eingeteilt. Zwei in einem Abstand von 35 m vor den Toren gezogene Querlinien unterteilten die Spielfläche in drei Abschnitte. Ein 13 m von der Tormitte entfernter Halbkreis bildete den Torraum, den die Feldspieler nicht betreten durften.
Weil bei einem Strafwurf das Tor 14 m weit weg stand, brauchte der Ausführende sehr viel Wurfkraft. Im Hallenhandball beträgt der Abstand sieben Meter. Anders als im Hallenhandball gab es auf dem Feld Eckwürfe, wenn der Ball die Torlinie links oder rechts vom Kasten überschritt und ihn zuletzt ein verteidigender Spieler berührte. Die Akteure trugen wie die Fußballer mit Stollen versehene Schuhe.
Beliebte Variante
Neben dem Feldhandball war auch Kleinfeldhandball über viele Jahre eine beliebte Spielvariante. Es wurde auf Flächen ausgetragen, deren Maße denen eines Hallenfeldes entsprachen (40mal 20 m). Das meist aus Aluminium gefertigte Tor war wie das in der Halle drei m breit und zwei hoch.
Kritiker fanden Feldhandball zeitweise langweilig, weil sich die interessanten Spielanteile überwiegend in den beiden Tordritteln zutrugen und die Akteure das Mitteldrittel meist mit weiten Pässen überbrückten.