Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Feierliches Gelöbnis: Knapp 500 Soldaten leisten Treueeid vor dem Dom

Großer Moment: Stellvertretend für 479 Soldatinnen und Soldaten geloben sechs von ihnen, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu
Großer Moment: Stellvertretend für 479 Soldatinnen und Soldaten geloben sechs von ihnen, »der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen«.

Es ist die ganz große Bühne: Vor der Grabstätte mehrerer deutscher Kaiser schwören knapp 500 Soldatinnen und Soldaten, „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Klar wird: Frieden ist nicht selbstverständlich.

Für Stefanie Laszczynski und Antje Schwerin ist der Gang zum Speyerer Domplatz gestern ein bewegender gewesen. Ihre Kinder verpflichteten sich zum Dienst bei der Luftwaffe – die eine auf Zeit, der andere auf Dauer. Mit rund 2500 weiteren Familienangehörigen erleben sie das feierliche Gelöbnis von 479 Rekrutinnen und Rekruten.

2017 war Speyer zuletzt der Schauplatz eines solchen Zeremoniells. „Wir möchten uns als der integrale Bestandteil unserer Gesellschaft präsentieren, der wir immer waren und auch weiterhin sein wollen“, erklärt Oberstleutnant Christoph Kück in seiner Ansprache. Er ist Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons in Germersheim und Roth – zwei der Sektionen, denen die Rekruten entstammen. Eine dritte Einheit, in der junge Menschen ihre Grundausbildung absolvieren, kommt von der Ersten Lehrgruppe der Offiziersschule der Luftwaffe aus Fürstenfeldbruck.

Neugierig auf die Kameradschaft

Die Entscheidung der Tochter, zur Luftwaffe zu gehen, hat Antje Schwerin zunächst emotional sehr beschäftigt. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Gefallen sei der Entschluss bei der 18-Jährigen nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Krankenhaus. „Sie meinte, sie braucht klare Strukturen im Tagesablauf und sie wollte schauen, ob die Kameradschaft und der Zusammenhalt beim Bund tatsächlich so ist, wie erzählt wird“, erklärt Schwerin, während sich auf dem Domplatz immer mehr Ehrengäste und Uniformierte einfinden. Rund 160 Persönlichkeiten sind zum Gelöbnis eingeladen worden, darunter Speyers Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Staatssekretärin Nicole Steingaß (beide SPD), die mit Kück die Reihen abschreiten.

Ungezählte Handys im Kamera-Modus sind auf die Protagonisten des Tages gerichtet. Die bauen sich getakteten Schrittes nacheinander in U-Form vor dem mächtigen Portal des Doms auf, in dem zuvor ein ökumenischer Gottesdienst stattgefunden hat. Stefanie Laszczynski ist die Anspannung anzusehen. Anders als Schwerins Tochter, die das Gelöbnis für den Einsatz auf Zeit – konkret im Sanitätsdienst – ablegt, hat sich ihr Sohn für den Eid zum Dienst auf Lebenszeit entschieden. „Von klein auf war das sein Wunsch“, berichtet Laszczynski über die Ambitionen des 22-Jährigen. Dessen Zwillingsbruder ist Polizist geworden. Wichtig für die Mutter: „Er hat erst eine Berufsausbildung gemacht.“ Seit Oktober ist er in der Grundausbildung in Germersheim.

Frieden und Wohlstand sind fragil

„Nur gemeinsam können Streitkräfte funktionieren“, gibt Kück den Rekruten mit auf den Weg. Das Treuebekenntnis bezeichnet er als weitreichend. Freud und Leid, Stolz und Trauer lägen bei Soldaten so nah beieinander wie in wenigen anderen Berufen. Steingaß belegt die Staatsbürger in Uniform mit einer Vorbildfunktion. „Ich habe großen Respekt vor Ihrer Entscheidung“, sagt sie. Vor dem Hintergrund des durch den Ukraine-Krieg gestörten Friedens in Europa sei die Annahme, Frieden und Wohlstand seien selbstverständlich, äußerst fragil, so Kück.

Der Ehrenzug der 5. Kompanie der Offiziersschule der Luftwaffe sowie das Heeresmusikkorps Koblenz gemeinsam mit dem Spielmannszug der Bundeswehr Siegburg verleihen dem Gelöbnis musikalischen Glanz. Nach gut einer Stunde hat das Warten für die Familien ein Ende. Die Absperrungen werden weggeräumt. Es ist Zeit für Selfies mit den blau gewandeten Rekruten unter zwei Deutschlandflaggen am Dom.

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