Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrradbügel lassen Volksseele kochen

So könnte es aussehen: Fahrradbügel am Straßenrand.
So könnte es aussehen: Fahrradbügel am Straßenrand.

Wie sehr das angebliche Miteinander der verschiedenen Verkehrsarten konfliktbelastet sein kann, zeigt ein aktueller Fall aus dem Kämmerergebiet. Die einen wünschen sich bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dort, die anderen hadern mit der Entscheidung und der Kommunikationsstrategie der Stadt.

Im Juli hatte die Stadt per Pressemitteilung „vorgewarnt“: An acht Standorten in Kämmerer-, Paul- und Bismarckstraße würden am Rand der Gehwege „auf Wunsch der Anwohner“ Fahrradanlehnbügel montiert. Da der Kämmerer-Bereich eng und traditionell dicht von Anwohner-Autos beparkt ist, gehe das nur zu Lasten einzelner Stellplätze. Die nächste Mitteilung folgte diese Woche: Von Montag, 20. September, bis voraussichtlich Freitag, 8. Oktober, werde gearbeitet. „Die Arbeiten beginnen mit Kernbohrungen, in die im Anschluss, sofern die Lieferung rechtzeitig erfolgt, direkt die Bügel einbetoniert werden.“ Parallel wurden für die entsprechenden Baufelder Parkverbotsschilder aufgestellt.

Klingt soweit alles einvernehmlich – ist es aber nicht. „Im Wohngebiet Kämmerer kocht die Volksseele“, teilt Anwohner Johannes Doerr der Redaktion mit. Viele seien gegen das Projekt und fühlten sich unzureichend informiert. „Es gab keine Bürgerversammlung“, bedauert der Ex-Stadtrat der CDU, der betont, die Beschwerde habe nichts mit seinem politischen Einsatz zu tun. Auch eine weitere Bürgerbeschwerde hat die RHEINPFALZ erreicht, nachdem Beigeordnete Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) am Mittwoch vor Ort war, um zu vermitteln.

Privatleute informieren

Für Verwunderung hat ein Schreiben von Privatleuten gesorgt, das in Kämmerer-Briefkästen gelandet ist. Vier Kämmerer-Anwohner haben es unterschrieben. Sie stellen sich als Initiatoren der Bügel-Initiative vor und geben die Informationen weiter, die sie dazu von der Stadt erhalten hätten. Darin werden etwa die Standorte der Anlagen vorgestellt, die nach einem Vor-Ort-Termin der Verwaltung mit den Ideengebern festgelegt worden seien. „Die Fachleute der Stadtverwaltung haben die Stellen so ausgesucht, dass möglichst wenig Konfliktsituationen entstehen können“, heißt es.

Nachbar Doerr, der in der Paulstraße wohnt, wundert sich über den Kommunikationsweg. Er hätte sich den ersten Schritt aus dem Rathaus gewünscht. Er habe daher einen Brief an Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) geschrieben, in dem er eine ganz andere Lösung vorschlage: die Paulstraße zu einer Einbahnstraße zu machen. Dann könnten die Parkstreifen auf die Straße verlegt werden. Auch Klaus Geyer aus der Bismarckstraße ist sauer – und viele Nachbarn auch, wie er betont. Er bezweifelt, dass die Bügel in seinem Bereich erforderlich sind: „Es gibt auf der gesamten Straßenseite kein abgestelltes Fahrrad.“

„Künftig anders kommunizieren“

Beigeordnete Münch-Weinmann steht zur Änderung, wie sie auf Anfrage sagt. Sie sei wichtig für die Verkehrswende, für die Nachhaltigkeit und um auf den Gehwegen Platz – etwa für Kinderwagen – zu garantieren. Das sei in dem Gebiet ohne Garagen und Vorhöfe schon lang ein Problem. Dass die Kommunikation nicht optimal gelaufen ist, gesteht sie ein. Eigentlich sei nach drei Ortsterminen vereinbart gewesen, dass die Initiatoren mit den anderen Bürgern ins Gespräch kommen, um den Vorstoß zu erklären. Dann sei die Verwaltung mit ihrer Presseinfo schneller gewesen.

„Die Bürgerinnen und Bürger hätten vor der Presse informiert werden müssen. Das ist versäumt worden, und deshalb ist es zu Irritationen gekommen“, sagt die Beigeordnete. Sie hätte sich früher persönlich einschalten müssen, so ihr „Lerneffekt“. „Ich war guter Dinge, dass es hier klappt, werde die Kommunikation aber künftig anders angehen.“

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