Speyer Fachleute versprechen Qualität
Nach Vorgesprächen vor Ort ging es auf eine Runde in der Stadt: Dietrich Gekeler (Karlsruhe), Luca Kist (Saarbrücken), Edda Kurz (Mainz) sowie Gerd Kuhn (Stuttgart) – das fünfte Mitglied Günter Telian (Karlsruhe) war verhindert – wurden zu Gebäuden und Plätzen geführt, wo sich demnächst etwas tun soll. Auftrag: die Stadtverwaltung in den Genehmigungsverfahren beraten. Es ging um das Bistumshaus St. Ludwig, wo Wohnbebauung geplant ist, die vor einem Umbau stehende Postgalerie, den Löffelgassen-Parkplatz, den früheren Caritas-Sitz in der Bahnhofstraße und die Sparkasse am Willy-Brandt-Platz. Dort präzisierte Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) die bisherigen Ankündigungen der Sparkasse Vorderpfalz, die Hauptstelle und deren Umfeld neuzuordnen, mit dem Detail, dass es dabei auch ums Thema Verkauf gehe. Die Experten zeigten sich optimistisch, helfen zu können: „Dass Speyer als erste rheinland-pfälzische Stadt dieser Größe einen Gestaltungsbeirat einrichtet, hat einen ganz großen Wert für die Qualität in der Stadtentwicklung“, sagte Edda Kurz, stellvertretende Chefin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Bisher gebe es nur in Kaiserslautern, Trier, Mainz und dem Mittelrheintal vergleichbare Beiräte. Kurz sieht als wichtigste Herausforderungen den Siedlungsdruck auf begrenzter Fläche sowie seniorengerechtes Wohnen: „Es wird sich viel ändern.“ Als Experte für Wohnungsbau mit Bürgerbeteiligung stellte sich Dietrich Gekeler vor, der lange Zeit Lehrstuhlinhaber in Darmstadt war und auch Speyer gut kennt: Er saß der Jury vor, die Nutzungsvorschläge für das frühere Bistumshaus St. Ludwig bewertete, und hat studentische Arbeiten zum Melchior-Hess-Gelände und zum Industriehof betreut: „Vor 15 Jahren hatten wir ein Rhein-Museum für Speyer entworfen, das ist immer noch ein Vorschlag“, sagte er schmunzelnd. „Gute Architektur hat mit Inhalten zu tun, es geht nicht nur um Fassaden“, so sein Credo. Gerd Kuhn ist Wohnsoziologe und hat Verständnis für die Stadt: „Großes historisches Erbe kann auch eine Last sein.“ Gestaltungs- und Nutzungsqualität dürfe im Bau kein Gegensatz sein. Als Aufsichtsratsvorsitzender einer Stuttgarter Baugenossenschaft habe er sich die Holzbauten der Gewo in Speyer-West zum Vorbild genommen: „Eine sehr interessante Form der Nachverdichtung mit Quartiersentwicklung.“ Luca Kist ist als Landschaftsarchitekt gefragt. Er sagte, er sehe seine Fachrichtung „nicht als Nische, sondern an der Nahtstelle von Architektur und Stadtplanung“. In einer Phase „enormer Baudynamik, die eine Stadt auch überfahren kann“, sei eine geordnete Baukultur umso wichtiger: Der öffentliche Raum werde mehr denn je zur „Visitenkarte“. Oberbürgermeister Eger bestätigte dies: In Speyer gebe es oft heterogene Nutzungsformen auf engem Raum und eine zurecht diskussionsfreudige Bürgerschaft. Daher war er an der Meinung Kists zum Parkplatz Löffelgasse („bisher eine Pkw-Brache“) sehr interessiert. Die Verwaltung will den Experten in vierteljährlichen Sitzungen städtebaulich wichtige Projekte zur Beratung vorlegen; genehmigen werde sie weiter autonom. Nächste Sitzung mit Vorsitzendenwahl ist am 30. Mai.