Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Förderer der Kultur: Töns Wellensiek ist tot

Erinnerungen: Töns Wellensiek 2003 vor historischem Firmenbild.
Erinnerungen: Töns Wellensiek 2003 vor historischem Firmenbild.

Der Speyerer Unternehmer und Mäzen Töns Wellensiek ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Er hat Industriegeschichte mitgeschrieben und sich in der Kulturförderung verdient gemacht.

Zigarrenfabrikant – diese Berufsbezeichnung ist heute noch außergewöhnlicher als in den jungen Jahren von Töns Wellensiek. Und sie ist auch nur eine Facette im Leben des Speyerers, den der Stadtvorstand am Freitag als „Größe in der Stadtgesellschaft“ würdigte. Der in der Heimat, aber auch in Bremen, Holland, Dänemark, in den USA und in Brasilien ausgebildete Tabakfachmann war der letzte Geschäftsführer der Zigarrenfabrik Wellensiek & Schalk (1898 bis 1973) in der Domstadt.

Das Unternehmen mit bis zu 2000 Mitarbeitern in Speyer und rechtsrheinischen Niederlassungen war über Jahrzehnte einer der wichtigsten Arbeitgeber. Als es in der Zeit der Automatisierung nicht mehr zukunftsfähig war, wurde es verkauft und die Produktion nach Westfalen verlagert. Wellensiek blieb eine Zeit lang auch dort in der Verantwortung und ließ berufliche Jahre in Brasilien folgen, bevor er nach Speyer zurückkehrte und unter anderem als Geschäftsinhaber tätig war.

„Bürgerliche Verantwortung“

„Ganz im Sinne seiner Vorfahren legt Töns Wellensiek Wert auf unternehmerisches Engagement und bürgerliche Verantwortung“, würdigte ihn Peter Eichhorn, der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung Speyer, 2018 bei einer Feier zu dessen 80. Geburtstag. Eichhorn zeichnete eine Linie vom westfälischen Firmengründer Tönnies Heinrich Wellensiek, der im 19. Jahrhundert Menschen von Armut und Tuberkulose befreite, über die ersten Wellensieks in Speyer, die Fenster und eine Glocke für die Gedächtniskirche stifteten, bis hin zu Töns Wellensiek, den die Stadt stets ansprechen konnte – und wenn es „nur“ um ein neues Gittertor für die Retscherruine ging. Seine große Familie stand auch als Erbengemeinschaft bis 2017 hinter dem Industriehof.

Seit 2000 vergab er einen Preis für Jungfilmer in Speyer, 2008 errichtete der Filmbegeisterte mit 70.000 Euro eine Stiftung dafür. Im April 2017 entschloss er sich, die Stiftung zu erweitern und unter dem Dach der Kulturstiftung Speyer einzugliedern. Es war die 14. von heute 21 Treuhandstiftungen mit einem Gesamtkapital von mehr als zwei Millionen Euro und jährlichen Ausschüttungen von über 40.000 Euro. Trotz gesundheitlicher Probleme war Töns Wellensiek auch in den vergangenen Jahren noch gerne in Speyer unterwegs. Seine Beisetzung ist für Donnerstag angekündigt.

x