Triathlon RHEINPFALZ Plus Artikel Extremsportlerin Josefine Rutkowski nach gescheitertem Weltrekord zurück in Region

So guter Dinge: Josefine Rutkowski startet im Binsfeldsee in Speyer ihren Weltrekordversuch.
So guter Dinge: Josefine Rutkowski startet im Binsfeldsee in Speyer ihren Weltrekordversuch.

Ihr Weltrekordversuch an Langstrecken am Stück scheitert dramatisch. Warum Josefine Rutkowski zurück in der Region ist. Ihr unglaubliches Unterfangen lebt noch.

Wenige Wochen, nachdem Josefine Rutkowski (36) ihr Projekt 60 Ironman-Triathlon in 60 Tagen in und um Speyer verletzungsbedingt abbrach, hält sich die Extremsportlerin wieder in der Region auf. Es gibt Sportpsychologen, die raten Athleten nach einer sportlichen Enttäuschung, zur Verarbeitung möglichst schnell an den Ort der Niederlage zurückzukehren.

Dass Josi Rutkowski (36) aktuell gemeinsam mit ihrem Freund Jonas Deichmann (38) wieder für einige Wochen in Dudenhofen wohnt, hat mit dieser Theorie allerdings wirklich gar nichts zu tun. „Ich bin hier, weil es mir in der Region rund um Speyer so gut gefällt und sie einfach besser kennen lernen will“, sagt Rutkowski und ergänzt: „Dass ich mit meinem Projekt gescheitert bin, betrachte ich definitiv nicht als Niederlage.“

Verflixter zehnter Tag

Jeden Tag 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,195 km Laufen standen auf dem Programm, ehe eine Knochenhautentzündung am Sprunggelenk an Tag zehn nicht mehr an Marathon denken ließ: „Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet das Laufen zum Problem wird“, sagt Rutkowski heute.

Als erfahrene Läuferin mit Marathon-Bestzeiten von 3:10 bis 3:20 Stunden wusste sie eigentlich, was auf sie zukommt. Doch selbst sie unterschätzte die Belastung, die so viele Tage Höchstbelastung am Stück auf den Körper ausüben. „Ich bin die ersten Marathons im Projekt mit Zeiten zwischen 3:40 und 3:50 angegangen, weil ich es gewohnt bin, schnell zu laufen. Aber das war wohl etwas zu ambitioniert. Für die Umsetzung hätte ich eher auf 4:30 Stunden pro Marathon gehen müssen“, gesteht sie im Rückblick.

Gefürchtete Diagnose

„Ich habe schon am Abend nach dem neunten Marathon gemerkt, dass das über Nacht wohl nicht besser werden würde. Ich konnte praktisch nicht mehr laufen“, berichtet Rutkowski. Die Diagnose Knochenhautentzündung ist für viele Läufer ein gefürchtetes und vor allem langwieriges Problem. „Wenn man das verschleppt, kann das auch mal mehrere Jahre dauern“, sagt sie und fügt an: „Ein Risiko wollte ich auf keinen Fall eingehen. Ich habe sehr schnell akzeptiert, dass ich aufhören muss.“

Bei ihrer Entscheidung, half ihr eine alte chinesische Weisheit: „Wer weiß, wofür es gut ist?“ So wie der weise Bauer in einer Geschichte, der jedem Ereignis – ob Glück oder Unglück – mit Gelassenheit begegnet, versucht auch Rutkowski, die Situation anzunehmen. „Ich habe schnell akzeptiert, dass ich das nicht erzwingen kann. Und ich glaube fest daran, dass aus jedem Rückschlag etwas Neues entstehen kann.“

Rutkowski unermüdlich

Was Rutkowski von anderen unterscheidet, ist ihr unermüdlicher Bewegungsdrang und ihre Fähigkeit, Rückschläge als Teil des Weges zu akzeptieren. Kaum endete der Weltrekordversuch offiziell, stürzte sie sich gemeinsam mit ihrem Freund in neue sportliche Abenteuer: Eine mehrtägige Tour im Bodensee und im Rhein bis Schaffhausen bedeuteten Dutzende Kilometer Schwimmen.

„Ich fühle mich nach wie vor fit wie Sau“, sagt sie und lacht. Anschließend ging das Extremsportler-Paar auf eine ausgedehnte Bikepacking-Tour durch Schweden, mit minimalem Gepäck, viel Abenteuerlust und einer neuen Sicht auf das Leben. „Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mal draußen schlafen würde. Heute liebe ich es, auf Erkundungstour zu gehen und gemeinsam mit Jonas zu entscheiden, wo wir die Nacht verbringen“, erzählt sie. Zehn Stunden am Tag auf dem Rad, immer auf der Suche nach neuen Erlebnissen: „Unsere Tage waren lang, wir sammelten Kilometer und Eindrücke. Es war ein tolles Abenteuer.“

Danke, Park-Runners

Obwohl der Traum vom Weltrekord platzte, überwiegt bei Rutkowski die Dankbarkeit – für die Unterstützung ihres Teams, für die aufmunternden Nachrichten ihrer Community und vor allem für die vielen kleinen Gesten entlang der Strecke. Einen besonderen Dank richtet sie an die Park-Runners Speyer, die sie immer wieder mit Botschaften auf Brücken und Unterstützung am Streckenrand motivierten.

„Die Park-Runners haben mir so viel Kraft gegeben“, betont sie. Auch die Vermieter des Ferienhauses in Dudenhofen, das während des Projekts als Basis diente, haben einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Sie beharrten keine Sekunde auf die geplanten 60 Tage dauernde Mietzeit. „Und auch jetzt war es kein Problem, dass wir uns wieder für ein paar Wochen in dem Haus einmieten.“

Deichmann dabei

Bis Ende September will sie mit Jonas Deichmann in Dudenhofen bleiben und die Gegend erkunden. „Ich genieße die Region sehr, radle durch die Weinberge, laufe am Rhein entlang, will noch zur Himmelspforte in Heidelberg. Es ist eine wunderschöne, warme Region.“ Auch den Kraichgau oder Städte wie Mannheim und Karlsruhe nimmt sie fest im Visier.

Alles aber natürlich kombiniert sie mit sportlicher Aktivität. „Wir sind Extremsportler, werden also mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß unterwegs sein“, sagt sie, wobei sie beim Laufen weiterhin Vorsicht walten lässt. „Ich habe zwar bereits meinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf hinter mir, passe aber weiter auf.“

Ein Aufbrechen der Knochenhautentzündung ist einfach das Letzte, was Rutkowski aktuell benötigt. „Ich habe noch so viel vor“, sagt sie. Auf die Frage, ob sie irgendwann einen erneuten Versuch startet, 60 Ironman in 60 Tagen zu schaffen, antwortet sie: „Mal sehen, was die Zukunft bringt, ausschließen kann ich im Moment gar nichts.“

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