Speyer
Experten für Altbau: Die Zimmerei mit dem Kakadu feiert
Bei der Schenk GmbH wird die Tradition hochgehalten. Wer das kleine Büro neben der Werkshalle betritt, stößt sofort auf die Spuren der langen Firmengeschichte. Vom Lehrlingsvertrag des Opas über die Meisterbriefe von Vater und Sohn bis hin zu vielen Fotos reicht die Ausstellung. Aber der Reihe nach: Am 10. April 1925 gründete Edmund Zöller das Unternehmen in Speyer. Der gebürtige Franke war mit Gattin Barbara in die Mörschgasse 7 gezogen und hatte seine erste Werkstatt im Hof von Bauer Merz ein paar Häuser weiter. Als er im Jahr 1927 außerdem die Meisterprüfung bestanden hatte, war die Basis für die Weiterentwicklung gelegt.
1930 richtete Zöller eine neue Werkstatt in der Allmendstraße 17 ein, wo in den 1950er-Jahren Schwiegersohn Albert Schenk in den Betrieb einstieg. 1960 übernahm er diesen nach dem Tod des Gründers und bereitete wiederum einen Umzug vor: 1968 ging es in einen Neubau im Ziegelofenweg. Bis heute ist dort der Firmensitz. „Damals war das am Ende der Welt, heute sind wir mitten in der Stadt“, sagt Uwe Schenk und lacht. Er erinnert sich noch an den matschigen „Babbelweg“ seiner Kindheit, wo inzwischen der vielbefahrene Ziegelofenweg verläuft. Der 66-Jährige ist die dritte Generation an der Firmenspitze. 1984 hat er die Meisterprüfung abgelegt, 1986 wandelte sein Vater die Firma in eine GmbH um und nahm den Junior als weiteren Geschäftsführer hinzu. Nach dem Tod seines Vaters 1995 stand Uwe Schenk alleine in der Verantwortung.
Nächste Generation dabei
Mittlerweile ist er aber dem Vorbild seiner Vorfahren gefolgt und hat die nächste Generation einbezogen: Sohn Andre (36) hat seine Meisterprüfung 2015 erfolgreich abgeschlossen und bildet seit 2016 gemeinsam mit seinem Vater die Geschäftsführung. Bruder Alex gehört ebenfalls zum vierköpfigen Team, das Mutter Gabriele als Zuständige für die Verwaltung komplettiert. Sie ist ebenso traditionsbewusst wie ihr Mann und zieht ein in feinsäuberlicher Handschrift geführtes Rechnungsbuch des Jahres 1925 aus dem Archiv. Der Gatte verweist nicht ohne Stolz darauf, dass der Laden auch ohne Computer auf seinem Chef-Schreibtisch läuft.
Sohn Andre hat wie einst sein Vater die Ausbildung im Schwarzwald absolviert, bevor er in den Familienbetrieb wechselte. Er ist dem Papa auch als Lehrlingswart in der Zimmerer-Innung Vorderpfalz gefolgt und bildet mit diesem im eigenen Betrieb ein eingespieltes Team. Beide engagieren sich auch im Verein Speyerer Handwerkstradition. Inzwischen ist der Senior weniger selbst auf dem Dach, aber nach wie vor unermüdlich in der Kundenbetreuung und Akquise. Der Ur-Speyerer ist gut vernetzt und bekannt – übrigens auch wegen des Weißhaubenkakadus Lucky, den er fast überall mit hinnimmt: Das zutrauliche Tier hat schon manche Baustelle gesehen, mag aber keine Leitern und sitzt lieber in dessen Freizeit auf der Schulter seines Herrchens.
Gauben nach Maß
Schwerpunkte des vor allem in Speyer und Umland tätigen Betriebs sind private Projekte im Altbau. Gauben, Pergolen, Dachfenster und Isolierungen werden auf Maß gefertigt. Die Auftragslage sei gut, es gebe aber noch ein bisschen Luft nach oben, berichtet Uwe Schenk. Er bedauert es, dass kleinere Betriebe heute kaum noch Chancen haben, bei großen Neubauprojekten zum Zug zu kommen. Da hätten die Bauträger oft andere Partner. Umso dankbarer sind die Schenks für die Treue der Baugenossenschaft GBS, in deren umfassendem Immobilienbestand in der Domstadt sie regelmäßig tätig sind. Eine Konsequenz sei, dass das Unternehmen nur noch selten ganze Dachstühle aufschlage, wie es im Fachjargon heißt. Die Belegschaft ist heute auch nicht mehr so groß wie früher, als es einmal sechs Beschäftigte gab.
Andre Schenk, der Juniorchef, geht dennoch optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen biete eine breite Palette an Leistungen an und könnte auch wieder ein bisschen wachsen. „Ideal wären zwei Zweier-Trupps“, sagt er über die Schenksche Personalplanung. Neue Geschäftszweige sind hinzugekommen, so spielt etwa im Gebäudebestand die Dämmung eine immer größere Rolle. Dazu passt, dass sich der 36-Jährige nicht nur Zimmerermeister, sondern auch Gebäudeenergieberater nennen darf.
Termin
Jubiläumsfest auf dem Firmenhof im Ziegelofenweg 44 am Donnerstag, 10. April, 12 bis 19 Uhr.