Speyer
Es war einmal: Eine neue Schule binnen zehn Monaten
Vor einem halben Jahrhundert hat der Schulneubau vom Spatenstich bis zur Fertigstellung zehn Monate gedauert. In solchen Rekord-Zeiträumen würde sie heute gerne denken können, sagt Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU). Selbst schon als Studierende, Lehrerin und Leiterin an der Siedlungs-Hauptschule tätig, war sie am Freitag Rednerin und Ehrengast beim Schulfest zur 50-Jahr-Feier.
Kabs beschreibt die Schule als Lernort, „an dem sich Kinder wohlfühlen und weiterentwickeln können“. Sie zitiert die heute und vor fünf Jahrzehnten aktuelle Mahnung, die der damalige Kultusminister Bernhard Vogel (CDU) bei der feierlichen Eröffnung der Schule im April 1972 an die Besucher richtete: Eltern sollten sich bei der Wahl der richtigen Schule ausschließlich an Anlagen und Neigung des Kindes und der Empfehlung der Erzieher und Lehrer orientieren.
Kurz vor dem Rentenalter
Die ersten Schüler der Siedlungshauptschule stehen heute kurz vor dem Rentenalter. Ihre Vorstellungen von der idealen Schule haben sie damals aufgeschrieben. In jeder Bank sollte eine Schreibmaschine eingebaut sein, es sollten Aufzüge unbedingt eingebaut werden und es wurde auf eine „elektrische Turnhalle“ gesetzt, in der sich die Geräte von selbst aufbauen. Im Keller wünschten sich Schüler Kegelbahn, Tennisanlage und am liebsten auch ein Schwimmbad. Ein Pausenraum mit Musik, in dem sie tun und lassen können, was sie wollen, ist ebenso ein Traum geblieben wie die Anschaffung von gleich fünf Plattenspielern, damit es um die Geräte keinen Streit gibt. Aber auch ohne all das sei die neue Schule „fast sehr gut“, lautete das schriftlich überlieferte Urteil eines Schülers 1972.
Notwendig geworden war der Neubau neben der bestehenden Volksschule wegen der stetig wachsenden Siedlung. Wurden 1967/68 noch 813 Schüler gezählt, waren es fünf Jahre später schon 1062, Tendenz steigend. Schulraumnot war das Wort, das im Februar 1969 zum Antrag bei der Bezirksregierung zur Erweiterung der Siedlungsschule geführt hat. Ein viergeschossiges Gebäude mit 18 Klassen- plus Fachräumen sollte vier bestehende Pavillons für je eine Klasse ersetzen. Zunächst wurde ein fünfter Pavillon bewilligt und 1970 fertig.
Bunte Treppentürme
Im Mai des gleichen Jahres wurde der Erweiterungsbau genehmigt. Pavillon und Neubau sollten den erwarteten weiteren Anstieg der Schülerzahlen auffangen. Bunte Treppenhaustürme entstanden, eine Eingangshalle kam als Bindeglied zwischen beiden Schulen. Ins Untergeschoss zogen Lehrküche und Werkräume, im ersten und zweiten Obergeschoss entstanden 18 Klassensäle, je zwei Kurs- und Handarbeitsträume sowie ein Filmsaal. Der neue Trakt wurde aus Stahlbetonfertigteilen konstruiert, die Montagebauweise im Inneren fortgesetzt. Erstmals entstand eine Speyerer Schule im Montagebau.
Deren Vorteile: kurze Bauzeit, erheblich reduzierte Unterhaltskosten.
Die Schulerweiterung kostete die Stadt rund 4,3 Millionen Mark. Zwei Millionen davon hat das Land übernommen. Nach dem Spatenstich im März 1971 zogen im Februar 1972 1044 Schüler und 38 Lehrer in den Bau. Vier Pavillons wurden 20 Jahre nach ihrer Errichtung abgerissen.
Warten aufs Schwimmbad
In seinem Grußwort zur feierlichen Einweihung der Hauptschule berichtete Minister Vogel von der „sprichwörtlich guten Schulentwicklung in Speyer“. Ziel der damaligen Bildungspolitik war demnach, die fünften und sechsten Klassen als Orientierungsstufe einzuführen und damit 1972 noch übliche Eignungsprüfungen für die weitere Laufbahn nach der Grundschule abzuschaffen. Heute ist der Standort integrierte Realschule plus, Schwerpunkt- und Ganztagsschule. Es gibt ein Schülercafé, ein Aufzug soll kommen. Aufs Schwimmbad im Keller warten die Schüler seit 50 Jahren.