Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Erst mal Nachhilfe in Pfälzisch: Karin Bury leitet Lebenshilfe-Atelier Molemol

Karin Bury
Karin Bury

Karin Bury leitet das Atelier Molemol bei der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt mit großer Begeisterung. Im Interview mit Narin Ugrasaner in der Rubrik „Die stillen Helden“ berichtet sie, wie das abläuft.

Frau Bury, welche Aufgaben übernehmen Sie beim Atelier Molemol?
Meine Aufgabe besteht darin, künstlerisch begabte Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im lebenshilfeeigenen Atelier zu fördern und sie auf ihrem Weg, sich kreativ auszudrücken, ganz individuell zu unterstützen. Dazu gehören auch die Vermittlung kunstgeschichtlicher Grundkenntnisse in leicht verständlicher Sprache, die Hilfe bei der Umsetzung künstlerischer Techniken sowie gemeinsame Besuche von Ausstellungen, Galerien und Museen. In einem wettbewerbsfreien und geschützten Rahmen soll sich Kreativität im Atelier Molemol entfalten. Wer sich mit anderen messen möchte, bekommt die Gelegenheit, sich an Kunstwettbewerben zu beteiligen.

Was ist das Schwierigste daran?
Die spannendste Herausforderung ist die, für jeden Teilnehmenden ein persönliches Konzept zu entwickeln, das dabei hilft, die eigenen Ideen auch wirklich so umzusetzen, dass es Spaß macht, Erfolg verspricht und die eigene Behinderung vergessen lässt.

Was waren besonders kuriose oder prägende Erlebnisse?
Als besonders kurios habe ich die Frage „Konnschd Du kä Deitsch?“ gleich am Anfang meiner Arbeit bei der Lebenshilfe empfunden. Schnell war klar, dass ich zu sehr Hochdeutsch sprach. Also bat ich um Nachhilfe in Pfälzisch und bekam sie. Man attestiert mir inzwischen sehr gute Fortschritte. Als besonders prägende Erlebnisse empfanden wir als Ateliergruppe drei Auszeichnungen, über die wir uns 2023 freuen durften und auf die wir mächtig stolz sind: Den Kulturförderpreis der Sparkasse Vorderpfalz, den Mack-Preis für Kunst und den Brückenpreis des Landes.

Warum machen Sie es gerne?
Meine Künstlerkolleginnen und -kollegen vom Atelier Molemol sind herzliche, offene, ehrliche, begeisterungsfähige und immer sehr direkte Zeitgenossen. Das liebe ich. Ich bin sehr stolz auf den Zusammenhalt in der Gruppe und so freue ich mich auf jede Ateliersitzung immer wieder neu.

Wissen die Menschen Ihren Einsatz zu schätzen?
Unbedingtes Ja!

Was macht Ihre Aufgaben besonders?
Wir sprechen nicht über Inklusion, sondern leben sie im Atelier Molemol. Das „Wir“ heißt, dass das nur als Teamleistung mit Unterstützung des Betreuungspersonals und aller ehrenamtlichen Helfer möglich ist. Wir verstehen das Atelier als Ort, an dem Behinderung keine Rolle spielt und die Teilnehmenden ausdrücklich nicht in einer Therapiesituation sind.

Welchen Tipp haben Sie für Anfänger?
Sich auf einander einlassen, gut zuhören, spüren lernen, was das Gegenüber will. Keine starren Unterrichtssituationen schaffen, sondern leicht verständliche Angebote unterbreiten und vor allem offen, spontan, tolerant und flexibel auf Kursänderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Ateliersitzungen reagieren.

Zur Person

Karin Bury (60), Kunsthistorikerin und Malerin, ist seit Februar 2010 als externe freie Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt auf Honorarbasis tätig. Sie leitet die Malgruppen und die Keramikwerkstatt, seit 2015 auch das Atelier Molemol.

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