Speyer Ernte vergammelt auf nassen Äckern

91-84641947.jpg

Das Unwetter am vergangenen Wochenende hat das Kerngebiet des Gemüsegartens Vorderpfalz getroffen. Starkregen und Hagel sind auf 1600 Hektar Ackerfläche heruntergeprasselt, so lautet die Schätzung von Pfalzmarkt und Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR). Die Schadensermittlung läuft noch, da kündigen sich schon wieder neue Gewitter an.

Auf den Feldern steht das Wasser, am Himmel hängen die Wolken. „Es ist eine feuchte, schwüle Luft. Da baut sich was auf. Ist die Frage, wo es runter kommt“, sagt Hans-Jörg Friedrich, der im Management des Mutterstadter Pfalzmarkts arbeitet. „Wasser auf Wasser wäre jetzt ganz schlecht. Da dauert es noch mal länger, bis die Felder endlich wieder trocken sind. Sie wieder bearbeitet werden können.“ Auch wenn der Verkauf diese Woche noch weitgehend normal lief, rechnet man bei dem genossenschaftlich geführten Betrieb mit Engpässen, also damit, dass bald Ware fehlen wird. Auch eine Woche nach dem Unwetter sind die Folgen auf den Feldern noch deutlich zu sehen. Doch für die Schadensermittlung muss man etwas tiefer ins Wasser schauen. Am Grund gammelt es. Ob es nun Radieschen sind oder Kartoffeln: Keine Kultur bei uns mag so nasse Füße. „Und wenn die Wurzeln erst mal faulen, macht das Grün auch bald schlapp“, sagt Friedrich. Wo Wasser steht, ist die Ernte kaputt, Erzeuger wie Pfalzmarktspezialisten sind sich da einig. Dazu kommt das Gemüse, das von Hagelkörnern zerschossen wurde. Wie hoch der Schaden ist, kann Friedrich aber immer noch nicht sagen. „Wir sind gerade dabei, mit Drohnen das Gebiet abzufliegen, um ein Schadensbild zu erstellen. Doch dafür brauchen wir bestimmt noch drei Tage, das Gebiet ist mindestens 1600 Hektar groß.“ Der Pfalzmarkt arbeitet nicht alleine. Ob es nun Getreide-, Kartoffel- oder Gemüseäcker sind – zusammen mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum wird Bilanz gezogen, was alles von dem Unwetter getroffen wurde. Und Bauern füllen Formulare aus. Das DLR geht von einem Schaden von mindestens zehn Millionen Euro aus. Vom rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerium erhoffen sich die Bauern finanzielle Hilfe. „Konkrete Zusagen gibt es bislang keine“, sagt Friedrich. Aber noch steht das ganze Ausmaß der Katastrophe ja auch nicht fest. Sicher dagegen ist inzwischen, dass Hagel und Regen vor allem in einem Areal niedergegangen sind, das von Lambsheim im Norden bis nach Haßloch im Süden reicht. Westlich erstreckt hat es sich über Fußgönheim bis nach Mutterstadt. 120 Liter Wasser wurden pro Quadratmeter gemessen. „Etwa 600 bis 700 Liter Niederschlag fallen hier normalerweise übers Jahr verteilt. Das heißt ein Siebtel der Menge ist an einem Wochenende heruntergekommen.“ Solche punktuellen Starkregenereignisse nehmen zu. „Warum, dazu maße ich mir kein Urteil an. Ich habe mich um die Folgen zu kümmern“, sagt Hans Peter Theiß. Der Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Isenach-Eckbach beschäftigt sich seit Jahren damit, wie das Wasser von der Frankenthaler Terrasse besser ablaufen kann – von dem Gebiet also, auf dem der Pfälzer Gemüsegarten angelegt ist. Er kann den Unmut der Bauern verstehen, die vor überfluteten Feldern stehen. Aber die Umsetzung von solchen großangelegten Projekten, wie etwa der Südspange, sei nicht einfach. Sie gehört zu dem Gesamtplan, zusätzliche Abflüsse zum Rhein zu schaffen. Das neue Grabensystem könnte ab dem kommenden Jahr entstehen. Ein weiteres Vorhaben auf Theiß’ Agenda: 23 Engstellen zwischen Lambsheim und Mutterstadt beseitigen. „Kleine Übergänge in Gräben, die zu niedrig angesetzt sind, sodass sie Wasser stauen.“ Und: der Welschgraben zwischen Maxdorf und Frankenthal soll optimiert, weitere Rückhaltebecken gebaut werden.

x