Speyer
Ernte im städtischen Weinberg: Ruländer kommt in den Keller
Neun städtische Mitarbeiter und sechs Aktive der Ruländer-Akademie waren im Einsatz und wurden danach mit einer Brotzeit belohnt: Die reifen Trauben der mehr als 600 Rebstöcke im städtischen Weinberg wurden überwiegend am Dienstag gelesen. Von einem „insgesamt sehr guten Lesegut“ sprach Helmut Peter Koch, Vorsitzender der Ruländer-Akademie. Der Speyerer Verein widmet sich der Pflege des Ruländerweins, der auf Pflanzungen von Johann Seeger Ruland im 18. Jahrhundert in der Ludwigstraße zurückgeht. Das Wetter habe mitgespielt und das Team von Martin Mühleisen, beim Stadtgrün für den 1500 Quadratmeter großen Weinberg verantwortlich, gute Vorarbeit geleistet.
Die genauen Werte gibt’s erst in einigen Wochen, aber erste Messungen lassen laut Koch ein Mostgewicht von 100 Oechsle und damit einen im Vergleich zu früheren Jahren hohen Zuckergehalt erwarten. Das könnte vielen Ruländer-Trinkern entgegenkommen. Akademie-Vertreter Koch weiß, dass die Speyerer Rebensäfte nicht nur Freunde haben. Der lange Zeit trockene Ausbau des städtischen Weins war umstritten; dass zuletzt hingegen auf halbtrockene Weine gesetzt wurde, sei „nicht unbedingt von Nachteil“. Die Speyerer sind gespannt, wie ihr Wein diesmal im Keller des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (Mußbach) ausgebaut wird. Ein Tipp von Koch: „Wenn er länger lagert, schmeckt er besser.“
Tradition nimmt Hürden
Die meist mehrere hundert Flaschen werden für Repräsentationszwecke genutzt. Auch die Akademie erhält ein Deputat. Verkauft wird der Wein nicht. Die Beteiligten sind zuversichtlich, dass die Tradition trotz aller Hürden fortbesteht. Der Standort am Tafelsbrunnen ist laut Koch teilweise zu stark beschattet, teilweise durch Besuche von angrenzend angesiedelten Bienen belastet. Netze über den Pflanzen hätten die Lage entspannt.
Widerstände hatten auch schon die Väter des Weinbergs um den damaligen Oberbürgermeister Christian Roßkopf (SPD) im Jahr 1983 überwunden. Weil Speyer in keiner Weinregion lag, wurde für die rechtlichen Fragen zum Anbau eine Vereinbarung mit der Südpfalz getroffen. So konnte die beim „Behördenleiter-Stammtisch“ im Feuerbachhaus geborene Idee doch noch umgesetzt werden.