Speyer
Erhöhter Brandschutz: Warum die Feuerwehr so oft zum Flugplatz ausrückt
Die Zahlen klingen zunächst erstaunlich: Von den 1140 Einsätzen, zu denen die Feuerwehr Speyer im vergangenen Jahr ausrückte, fanden nach Angaben der Stadtverwaltung 98 auf dem Flugplatz statt, das sind rund 8,6 Prozent. In diesem Jahr liegt der Anteil noch höher: Von ihren bisher rund 580 Einsätzen absolvierte die Feuerwehr laut Einsatzstatistik 64 auf dem Gelände an der Joachim-Becher-Straße im Süden der Domstadt, das entspricht rund elf Prozent. Doch auch wenn dort am 17. Juni ein Kleinflugzeug von der Rollbahn abkam und ein Gebüsch streifte – es sind in den seltensten Fällen Flugunfälle, die die Retter auf den Plan rufen. In der Regel geht es um das Gegenteil: Unglücke zu verhindern oder zumindest deren Ausmaß abzuschwächen.
„Die Feuerwehr unterstützt uns im Rahmen einer sehr verlässlichen und bewährten Kooperation“, erläutert Yannis Graf, Geschäftsführer der Flugplatz Speyer/Ludwigshafen GmbH (FSL), auf Anfrage. Bei den allermeisten Einsätzen der Brandbekämpfer auf dem FSL-Gelände geht es demnach um Brandsicherheitswachen, also um eine vorbeugende Maßnahme. Besteht bei bestimmten Anlässen erhöhte Brandgefahr, Feuerwerke beispielsweise, stellt die Feuerwehr einen Bereitschaftsdienst, um möglichst rasch eingreifen zu können, sollte dies nötig werden. Auch die Landung und der Start eines Motorflugzeugs birgt ein solches Gefahrenpotenzial, weshalb der Flugplatz-Betreiber laut Graf selbst über zwei Flugfeldlöschfahrzeuge verfügt.
Löschwassermenge entscheidend
Mit diesen gewähre die FSL im regulären Betrieb „standardmäßig das feuerwehrtechnische Schutzniveau der Fire Category 3“. Insgesamt gebe es zehn dieser Kategorien. In Speyer könne die Stufe 3 bei Bedarf und zeitlich begrenzt auf die Stufe 4 angehoben werden. Doch dafür reichten die Kapazitäten der FSL, gerade im Hinblick auf die zu bereitstellende Löschwassermenge, nicht aus. Und hier kommt nun die Feuerwehr ins Spiel, die auf Anfrage der FSL mit in der Regel zwei hauptamtlichen Einsatzkräften sowie einem Tanklöschfahrzeug anrückt. Um deren Verfügbarkeit abzuklären, genüge meist ein Vorlauf von einem Tag, sagt Graf.
Ob die Schutzkategorie 4 bereitgestellt werden muss und somit die Feuerwehr vorsorglich gebraucht wird, hängt laut Graf von mehreren Faktoren ab. Einer sei die Größe der landenden und startenden Maschinen. So verfüge der Speyerer Flugplatz „über eine Genehmigung für den Betrieb von Luftfahrzeugen bis zu einem Höchstabfluggewicht von 20 Tonnen“, so Graf. Doch „in begründeten Ausnahmefällen können auch schwerere Maschinen hier starten und landen“. In diesem Jahr sei das bislang fünfmal der Fall gewesen. Dabei handele es sich zumeist um Jets mit einer Kapazität von um die zehn Passagieren.
Unabhängig von Größe und Gewicht könne auch der Betreiber einer Maschine mit Ziel oder Start in Speyer eine höhere Schutzkategorie anfordern, etwa, wenn dies seine eigenen Sicherheitsbestimmungen so vorsähen. Das müsse dann über das Luftamt des Landes Rheinland-Pfalz auf dem Flughafen Hahn beantragt werden und erfordere in der Regel eine Vorlaufzeit von etwa zwei Tagen.
Bedarf schwankt
Im Jahr 2019, vor der Pandemie, hatte die Feuerwehr noch 84 Brandsicherheitswachen auf dem Flugplatz gestellt. Dass die Tendenz zuletzt nach oben zeigte, lasse nicht unbedingt darauf schließen, dass künftig vermehrt größere Flugzeuge in Speyer verkehrten, sagt Graf. Eine Prognose sei schwierig, denn die Anzahl der Brandsicherheitswachen sei eng „an die Entwicklung der Flugbewegungen und Anforderungen einzelner Betreiber gekoppelt“ und unterliege „gewissen Schwankungen“. Für den Einsatz der Feuerwehrleute und ihres Fahrzeugs werden Gebühren fällig, die an die Stadtkasse abzuführen sind. Allerdings müsse nicht die FSL selbst dafür aufkommen, betont der Geschäftsführer, „da die anfallenden Kosten direkt an die Kunden weiterverrechnet werden“.
Obwohl in Speyer eine generelle Nachtflugbeschränkung gilt, wonach zwischen 0 und 5 Uhr kein Flugbetrieb stattfinden darf, komme es auch innerhalb dieses Zeitraums hin und wieder zu Flugbewegungen, erläutert Graf. Diese dürften nur in besonderen Fällen erfolgen, etwa wenn es darum gehe, Leben zu retten. Am großen Krankenhausstandort Speyer seien es meist Organtransporte, die eine Ausnahmegenehmigung erhalten könnten. Deren Anzahl beziffert Graf auf „maximal zehn im Jahr“.