Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Er ist der nächste Wirt, der aufgibt

Schenkt an Heiligabend voraussichtlich zum letzten Mal in der „Stampe“ aus: Oliver Dursch.
Schenkt an Heiligabend voraussichtlich zum letzten Mal in der »Stampe« aus: Oliver Dursch.

In der Gastronomie zeigen sich die Folgen der Corona-Pandemie schon sehr deutlich. Wenn Inhaber Oliver Dursch spätestens an Heiligabend zum letzten Mal seine „Stampe“ in der Heydenreichstraße abschließt, ist es nach seiner Zählung das Aus für die fünfte Speyerer Kneipe in dieser Zeit. Er geht stolz, aber frustriert.

„Ich werde nicht der Letzte sein, der zumacht“, sagt Oliver Dursch. Er schüttelt den Kopf. Nach elf Jahren hört er als Wirt der „Stampe“ auf. „Mein Plan war, 25 Jahre hierzubleiben.“ Zahlen sind für ihn alles andere als Schall und Rauch. Er kennt jedes Datum der Jahre 2020 und 2021 auswendig, an dem sich die Corona-Auflagen verändert haben, an dem er Anträge eingereicht hat oder an dem eine Enttäuschung offenbar wurde. Auch hierzu nennt Dursch Zahlen: 5700 Euro staatliche Hilfe seien letztlich an ihn für fast fünf Monate im Lockdown geflossen, aber allein die Fixkosten hätten 4000 Euro betragen – pro Monat wohlgemerkt. Die Rücklagen seien aufgebraucht, trotz bis zu 16 Stunden Arbeit am Tag bleibe fast nichts hängen. Das ist die Begründung des Abschieds in Kurzversion.

„Nur noch am Motzen“

Der „Oli“, wie ihn die Stammgäste nennen, kann noch viel weiter ausholen. Dann wird der Mann, der sich hinsichtlich der Corona-Auflagen als „sehr strenger Wirt“ einstuft, grundsätzlich. „Uns Wirten werden immer die Steine vor die Füße gelegt.“ Schon im Sommer sei ihm klar geworden, dass die Gäste nach dem Lockdown nur sehr zögerlich zurückkamen. Die 2G- und zuletzt 2G-plus-Regeln hätten für ihn alles noch viel schwerer gemacht. „Ich bin nur noch am Motzen“, gesteht Dursch. Es habe in ihm immer stärker „rumort“. Letztlich habe er es wieder mit den Zahlen gehalten und den Mietvertrag gekündigt. Auch hier die Kurzversion: „500 Stunden Arbeit im Monat für nichts.“

Also: Zurück auf null. Für die „Stampe“, unter dem Namen „Juttas Stampe“ vor 46 Jahren erstmals geöffnet, hilft Dursch noch auf der Nachfolgersuche. Für sich selbst sucht der gelernte Beton- und Stahlbetonbauer nun mit 54 Jahren einen neuen Job: Lagerist, Verkaufsfahrer und Getränkelieferant seien seine ersten Optionen, berichtet er. Ergebnis offen.

Dursch lässt den Blick schweifen in seiner Kneipe mit der großen Holztheke und den 26 Sitzplätzen, viele davon an der Theke. „Es waren aber auch schon 80 Gäste drin“, sagt er – und meint natürlich die Zeit vor Corona. Er sieht die Monitore, auf denen stets Sportübertragungen eine große Rolle gespielt haben. Fußball-Champions-League, Handball-WM, Formel 1 vor allem. Fanartikel des FC Liverpool und des 1. FC Kaiserslautern hängen an der Wand. Eine Dartscheibe und Spielautomaten stehen daneben. Sandwiches stehen auf der kleinen Speisekarte, ein Hauptargument für die Stammkunden war stets die „reichhaltige Getränkekarte“.

Pfalz-Entwicklungshelfer

Dursch hat sich mit Gastro-Erfahrung in „Maurizios Pizzeria“ und bei „Da Stefano“ in Freisbach selbstständig gemacht. Über drei Jahrzehnte sei er neben seinen Hauptjobs immer wieder auch für die Speyerer Schaustellerbetriebe Barth und Lemke tätig gewesen. In die „Stampe“-Zeit ist er als alleinerziehender Vater eines achtjährigen Sohnes gestartet. Dieser Status gelte heute noch, nur der Junge sei älter geworden, betont Dursch.

„Ich bin als Entwicklungshelfer bei euch“, sagt der Kneipier und schmunzelt hinüber zu einem pfälzischen Gast an seiner Theke. Er sei nämlich gebürtiger Freiburger – wenn auch schon mit einem Jahr nach Speyer gekommen. Das verbale Pingpong-Spiel über die Theke könnte er künftig vermissen im neuen, anderen Job. „Es geht alles kaputt, in Speyer sowieso“, kommentiert der Gast das Lamento des Wirts. „Und die Zigaretten sind auch schon wieder teurer geworden“, fällt dem Mann gleich darauf ein. Um Antworten auf so etwas ist Dursch nie verlegen – und mit Zahlen kennt er sich aus: „Ne, die Zigaretten verschwinden nur aus der Schachtel.“

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