Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Entscheidung zur Kaisertafel 2022 ist gefallen

Über Jahre ein Riesending in Speyer: die Kaisertafel im August, hier die Eröffnungsfeier von 2008.
Über Jahre ein Riesending in Speyer: die Kaisertafel im August, hier die Eröffnungsfeier von 2008.

Zwei Jahren Corona-Pause und dem Tod von Triebfeder Renzo Bertolini zum Trotz: Die Kaisertafel hätte am 13. und 14. August wieder auf der Maximilianstraße stattfinden sollen. Jetzt ist der Besuchermagnet abgesagt worden. Im Ausrichterverein hat es einen Generationenwechsel, im Umfeld Probleme gegeben.

„Sie wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Gründe dafür sind vielfältig“, sagt Stefan Walch. Der Gastronom, Inhaber von Walch Catering und Fleischboutique, steht nach eigener Auskunft neben Benjamin Nahstoll (Foonax) neu an der Spitze des Vereins zur Förderung der Hotellerie und Gastronomie. Dieser hat die Kaisertafel ausgerichtet, die sich anlässlich des Stadtjubiläums 1990 als Überraschungserfolg entpuppt und seither 29 Mal die Speyerer sowie ihre Gäste begeistert hat.

Eiskonditor Renzo Bertolini und Roland Lösch („Pfälzer Hof“, Mechtersheim) waren zuvor die Vorsitzenden des Vereins und hatten zusammen mit Eventmanager Peter Stepp (Arkaden GmbH) das Überleben des Angebots gesichert. Schon vor der Pandemie hatte es Krisensymptome mit immer weniger Wirten, die an der Tafel vom Dom- bis Postplatz auftischten, gegeben. 15 Betriebe waren bei der bis dato letzten Auflage 2019 noch dabei, davon aber nur ein Drittel aus Speyer.

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Kommentar

Der Verein muss schuften

Konzeptuelle Änderungen

Bertolini ist verstorben, Lösch als Gastwirt kürzer getreten. Der Verein hat dennoch neue Vorstände gefunden, und die Tafel hätte 2022 wieder stattfinden sollen, so Walch. Über konzeptuelle Änderungen mit einer Hauptbühne und mehreren „Genussinseln“ war schon beraten worden, die Stadt mit im Boot.

Walch nennt jetzt vor allem drei Gründe für die am Freitag verkündete Absage. So sei bei Vorab-Terminen mit potenziellen Teilnehmern aus der Hotellerie und Gastronomie sei die Resonanz zu gering gewesen. Zum anderen fordere das Land für solche Veranstaltungen inzwischen Sicherheitsauflagen, „die von uns schlichtweg nicht zu erfüllen sind“. Drittens „hat uns bis dato die ehemalige Veranstaltungsleitung noch keine Unterlagen zur Verfügung gestellt, die wir gebraucht hätten“.

Wenn die Unterlagen da wären, könnten womöglich auch die Auflagen erfüllt werden, deutet Walch an. Es gehe etwa um die Kontakte zu den entsprechenden Dienstleistern und Einsatzkräften. Indirekt angesprochen ist damit Agent Peter Stepp. Er und Walch sagen, es habe ein Angebot für eine weitere Kooperation gegeben. Dieses sei aber erst vor rund 14 Tagen erfolgt, das sei zu kurzfristig für eine Großveranstaltung in zwei Monaten, so Stepp auf Anfrage. Auch deshalb sei er raus.

„Viel Klinkenputzen“

Die erforderlichen Vereinsunterlagen habe der ehemalige stellvertretende Vorsitzende Lösch, erklärt Stepp. Weitere Dokumente zur Ausrichtung habe er in seinen Kaisertafel-Jahren ab 2007 als Geschäftsmann erstellt, diese gehörten nicht dem Verein. Er stehe zu Gesprächen bereit, sei im Moment aber skeptisch, was zumindest seine Zukunft bei der Kaisertafel angeht. Es sei auch nicht so, dass seine Agentur mit der Ausrichtung groß Geld verdient habe: „Das ist harte Arbeit mit viel Klinkenputzen im Vorfeld.“

Walch sagt, der Verein wolle nun in ruhiges Fahrwasser kommen, sich strukturell sauber aufstellen und einen neuen Anlauf für die Kaisertafel im kommenden Jahr starten. „Wir sind aktuell in dieser Angelegenheit mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler im konstruktiven Austausch“, betont er. Klar sei allerdings: Es dürften nicht nur ein, zwei Betriebsinhaber sein, die den ganzen Aufwand stemmen, die Beteiligung innerhalb des Vereins müsse breiter werden. „Wenn das Interesse so spärlich bleibt, melden wir den Verein ab.“

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