Speyer „Entscheidend ist ein langer Atem“

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„Meistens wird alles gut“, beruhigt Illers Eltern, die verzweifelt über die Entwicklung ihrer Kinder vor ihm säßen. „Aus der überwiegenden Anzahl unserer Klienten werden durchaus gesetzestreue Erwachsene“, bestätigt Herbst. Ein Tötungsdelikt habe sie in den sieben Jahren in der Jugendhilfe nicht bearbeiten müssen, sagt sie. Illers, schon 30 Jahre dabei, berichtet von drei Straftaten mit Todesfolge, die allerdings schon einige Jahre zurücklägen. Die derzeit etwas mehr als 150 von ihnen betreuten Straftäter hätten Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Fahrkarte, Eigentumsdelikte inklusive Beschaffungskriminalität, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung, Fahrzeug-Manipulationen oder Sachbeschädigung „auf dem Kerbholz“, sagt Herbst. Viele Mehrfach-Delikte seien darunter, erklärt er den Fakt, dass es mehr Verfahren als Täter gebe. Dass mittlerweile lediglich gegen 15 bis 20 Jugendliche nach Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt werde, liege an entsprechenden Delikten „im Bagatellbereich“, die die Polizei nicht weiter verfolge, erklärt Illers. 90 Prozent aller Beschuldigten seien männlich. 2012 seien zehn Mädchen und 130 Jungen in Speyer straffällig geworden: „Alle Schichten sind vertreten.“ Regelüberschreitungen und Gesetzesübertritte spielten im Leben von 14- bis 20-Jährigen eine größere Rolle als früher oder später, weist Illers auf eine Erklärung für betroffene Eltern hin. „Sobald uns Meldungen von Polizei und Staatsanwaltschaft über von Minderjährigen oder Heranwachsenden begangene Straftaten vorliegen, laden wir Beschuldigte und ihre Erziehungsberechtigte zum Gespräch in unsere Abteilung ein“, beschreibt Herbst den ersten Kontakt. Sie erläuterten Ablauf und Möglichkeiten des Jugendstrafverfahrens. „Die Kooperation mit den Jugendrichtern ist sehr erfreulich“, berichtet Illers von Urteilen, die den erzieherischen Aspekt und positive Entwicklungschancen in den Vordergrund stellten. „Unsere Richter reagieren deutlich und geduldig“, schildert der Sozialarbeiter Gerichtsverhandlungen, die für die Beschuldigten häufig nicht in der Jugendstrafanstalt sondern mit Verwarnungen, Auflagen oder Arbeitsstunden endeten. „Wer gegen die Auflagen verstößt, kann bis zu vier Wochen in Jugend-Arrest kommen“, weist Herbst auf eine Vorstufe zur Haft hin. Bei Körperverletzungen oder Eigentumsdelikten sei der „Täter-Opfer-Ausgleich“ ein bewährtes Mittel, Jugendliche von weiteren Straftaten abzuhalten, ist die Sozialarbeiterin überzeugt. Die Täter-Opfer-Ausgleichsstelle in Ludwigshafen unterstütze Geschädigte und Beschuldigte bei der außergerichtlichen Regelung. „Wichtig ist immer, dass die Jugendlichen ihr Vergehen einsehen und sich entschuldigen“, erzählt Herbst von einem 14-Jährigen, den sie zur Nachbetrachtung seines Diebstahls zu einem dreiseitigen Aufsatz „verdonnert“ habe. „Meine größten Hoffnungen setze ich in soziale Trainingskurse“, sagt Illers. In acht Gruppentreffen und einem Wochenende im Seilgarten lernten die Jugendlichen Verbindlichkeiten wie Pünktlichkeit, Eigenverantwortung, Teamgeist, Rücksichtnahme, sich an Regeln zu halten, Unterstützung anzubieten und anzunehmen und Ängste zu überwinden, betont er. „Trainingskurse sind harte Strafen für unsere Klienten“, beschreibt Illers „peinliche Momente, wenn sie ganz uncool mit dem Rucksack auf dem Rücken in der Gruppe über den Postplatz in Richtung Bahnhof gehen“. Nicht jeden jugendlichen Straftäter könnten sie vor einer kriminellen Laufbahn bewahren, räumt Herbst Grenzen ihrer Arbeit ein. Für jemanden ohne Glauben an das Gute im Menschen sei der Beruf ungeeignet, betont Illers. „Entscheidend ist ein langer Atem.“ (kya) Der Report Eine Woche beleuchtet die RHEINPFALZ Facetten der Jugendamtsarbeit anlässlich der bundesweiten Aktionswoche „Das Jugendamt – Unterstützung, die ankommt“.

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