Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Energiespartipps der Stadtwerke: Kampf gegen die Zählerstände

Im Blick: Wer seinen Zählerstand wöchentlich prüft, bekommt ein besseres Gefühl für den Verbrauch.
Im Blick: Wer seinen Zählerstand wöchentlich prüft, bekommt ein besseres Gefühl für den Verbrauch.

Verbringen wir den Herbst und Weihnachten in kalten Wohnungen und ohne Weihnachtsbeleuchtung? Ganz so drastisch sehen das zwei Experten von den Stadtwerken Speyer (SWS) im Gespräch mit der RHEINPFALZ nicht. Sie erklären, was jeder Einzelne jetzt unternehmen sollte, was darüber hinaus möglich ist und warum der Blick auf den Zählerstand viel öfter erfolgen sollte.

Sabrina Schäfer ist seit 16 Jahren bei den SWS. Die Projektleiterin Erneuerbare Energien hat sich gemeinsam mit dem Leiter des Kundenzentrums, Florian Birkle, seit 13 Jahren bei den SWS, den Fragen der RHEINPFALZ zum Sparen gestellt.

Welches Sparpotenzial gibt es beim Heizen?
„Ein Heizungscheck ist vor Beginn der Heizperiode immer eine gute Sache, aber natürlich mit Kosten verbunden, weil dafür ein Heizungsinstallateur nötig ist“, erklärt Sabrina Schäfer. Auch den sogenannten hydraulischen Abgleich könne nur ein Heizungsbauer machen. Was ohne Experten gehe: bei Gluckergeräuschen die Heizkörper entlüften. „Ansonsten hilft es, Dichtungen an Fenstern und Türen zu prüfen, etwa mit dem Kerzentest“, sagt Schäfer. Je nach handwerklicher Begabung sei es möglich, Dichtungen auch selbst zu erneuern. Schäfer empfiehlt Rollläden und Vorhänge nachts zu schließen, um den Energieverlust in dieser Zeit zu begrenzen. Und: „Bitte nicht das Sofa vor den Heizkörper stellen“, empfiehlt die SWS-Mitarbeiterin.

Was können Mieter ohne Zugang zur Heizung machen?
Wer wenig bis keinen Einfluss auf die zentrale Steuerung der Heizung hat, etwa in Mietwohnungen oder in Büros, der könne über die Anschaffung digitaler Thermostate für Heizkörper nachdenken. „Die sind genauer als die normalen Regler“, weiß Schäfer. Wer als Mieter aber eine Therme direkt in der Wohnung habe, könne auch darüber die Temperatur steuern. Bei luftigen Wohnungen oder Altbau sieht Schäfer „die Vermieter in der Pflicht“, etwas zu unternehmen.

Muss die Wohnung kalt bleiben?
„Ich glaube, da ist ein falsches Bild von ,kalt’ entstanden“, entgegnet Schäfer. Die Räume, in denen man sich am meisten aufhält, könne man beheizen, idealerweise bis 19 Grad. Nicht oder kaum heizen solle man die Räume, die wenig in Nutzung sind. „Kleine Kinder kann man auch in der Wohnung wärmer anziehen. Und im Schlafzimmer ist es ohnehin besser, wenn die Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad liegen“, rät Schäfer. Auch SWS-Sprecherin Daum bekräftigt: „Menschen, die wenig Geld haben, müssen nicht im Kalten sitzen.“ Die SWS haben ihr zufolge bis Dezember noch Preise von „weit unter 14 Cent pro Kilowattstunde“, was sich laut Daum noch im moderaten Bereich bewegt.

Lohnt sich ein neues Heizungssystem?
„Grundsätzlich ist es ratsam zu schauen, ob man in dem Bereich etwas optimieren kann“, sagt Schäfer. Baulich sei es oft aber gar nicht oder gar nicht einfach möglich, etwas zu verändern. Etwa beim Einbau von Fußbodenheizungen oder einer Wärmepumpe. „Pauschal lässt sich nicht sagen, wie sinnvoll das ist. Das muss ein Energieberater klären.“ Problematisch ist für Schäfer, ähnlich wie bei Photovoltaik-Anlagen, derzeit oft die Verfügbarkeit von Geräten und einem entsprechenden Handwerker.

Wer sich für einen Anschluss an das Fernwärme-Netz der SWS interessiert, kann laut Daum jederzeit sein Interesse daran bekunden. Dies werde dann – ähnlich wie beim Glasfaserausbau – bei den Stadtwerken notiert und beim weiteren Ausbau berücksichtigt. Die SWS-Fernwärme solle perspektivisch auf Geothermie und Erneuerbare umgestellt werden. Ein möglicher Ausbau in Stadtteilen, in denen es das Angebot bisher nicht gibt, hänge auch vom Interesse der Kunden ab.

Es heißt, jeder soll 15 bis 20 Prozent Energie sparen. Woher weiß ich, wann das Ziel erreicht ist?
„Es gibt Anhaltspunkte, an denen man sich entlanghangeln kann“, sagt Schäfer. Wer die Heizungsleistung bereits um ein Grad runterdreht, könne damit über das Jahr gerechnet rund sechs Prozent einsparen. Mit gedämmten Heizkörpernischen und heruntergelassenen Rollläden in der Nacht könne man auch bis zu vier Prozent sparen. „Man muss alle Maßnahmen miteinander kombinieren und sie kontinuierlich durchziehen“, so Schäfer. Ein weiteres Beispiel: Nasse Kleidung solle nie auf dem Heizkörper getrocknet werden, eher davor. Die kommunizierten 15 bis 20 Prozent findet Schäfer „schwierig, weil man nicht weiß, welche Basis dafür genommen wurde.“

Florian Birkle rät dazu, die eigenen Zählerstände wöchentlich zu prüfen und sich zu notieren. „Ganz viele unserer Kunden machen das so“, erzählt er. Wer seinen wöchentlichen Verbrauch wisse, erkenne Einsparpotenziale schneller. Schäfer rät dazu, das auch beim Stromverbrauch zu machen. „Man kriegt ein anderes Gefühl dafür, was da eigentlich mehr verbraucht hat, als bei dem Blick auf die jährliche Abrechnung“, sagt sie.

Wie lässt sich Strom sparen?
Geradezu berühmt sei der vergessene Kühlschrank im Keller, in einem Gartenschuppen oder auf dem Balkon, meint Schäfer. Wer in seiner Gefriertruhe eine dicke Eisschicht hat, verbraucht ihr zufolge auch mehr Strom. Ansonsten sieht sie Sparpotenzial bei den üblichen Geräten: Unterhaltungselektronik, die immer auf Standby ist, etwa. „Abschaltbare Steckerleisten lohnen sich“, meint Schäfer. Denkbar sei, auch den Wlan-Router über Nacht auszuschalten, sollte kein Gerät auf die nächtliche Verbindung angewiesen sein. „Wer Kontrolle über seine Heizung hat, der kann auch über eine stromsparende Heizungspumpe nachdenken“, sagt Schäfer. Zusätzlich dazu sei eine Zeitschaltuhr für die Heizung denkbar.

Die SWS-Experten raten von elektrischen Heizdecken oder Heizlüftern ab. „Die Kunden wollen Gas sparen, aber haben eine Elektroheizung im Wohnzimmer stehen und verbrauchen dann deutlich mehr Strom. Das sind dann die Kunden, die eine Energieberatung brauchen“, weiß Birkle. Langfristig sei dieses Vorgehen auch für das Stromnetz schlecht. Birkle rät: „Wir haben im Kundencenter Strommessgeräte, die sich Kunden vier Wochen lang ausleihen können.“ Das Angebot werde gern genutzt. Kunden können messen, welches Gerät, wieviel Strom verbraucht, wenn Anfangs- und Endzeit der Messung notiert werden.

Ist Weihnachtsbeleuchtung okay?
„Man muss nicht sein Haus wie eine Flugzeuglandebahn beleuchten“, meint Schäfer. Jeder müsse sich selbst fragen, ob das sein müsse. „Wenn, dann sollte man auf jeden Fall auf LED-Lichterketten zurückgreifen“, rät die SWS-Expertin. Im Sinne der Krise sei es besser, auf eine üppige Beleuchtung zu verzichten.

Wie läuft’s beim Wasser?
Schäfer stellt infrage, wie oft geduscht, geschweige denn gebadet, müsse. Das Wasser beim Zähneputzen laufen zu lassen, sei auch unnötig. Ansonsten rät sie zu effizienteren Duschköpfen. Meist stehe es direkt auf der Verpackung, wenn ein Duschkopf wassersparend ist. Bei Wasserhähnen seien Perlatoren ratsam, die Luft in das durchfließende Wasser mischen und somit die Menge reduzieren.

Seit 16 Jahren bei den Stadtwerken: Sabrina Schäfer.
Seit 16 Jahren bei den Stadtwerken: Sabrina Schäfer.
Seit 13 Jahren bei den Stadtwerken: Florian Birkle.
Seit 13 Jahren bei den Stadtwerken: Florian Birkle.
x