Speyer Endlich dampfen die Glühwein-Tassen

Freie Parkhäuser, überschaubare Warteschlangen in den Geschäften, viel Platz im Bus: Wer am Tag eins nach Weihnachten ganz entspannt unliebsame Geschenke umtauschen, Gutscheine einlösen oder sich mit Wochenend-Vorräten eindecken will, hat dafür am Samstagvormittag und gestern in der Innenstadt die beste Gelegenheit. Ein Rundgang.
Schnee fällt auf das historische Pflaster und die Schirme, mit denen sich Passanten vor den ersehnten Niederschlägen schützen. Glückliche Gesichter vor dem Parkhaus in der Heydenreichstraße: „Das habe ich noch nie erlebt“, berichtet ein Speyerer vom erfahrungsgemäß erwarteten Chaos, Stau und Gedränge. Nur wenige Beschicker haben ihre Marktstände auf dem Königsplatz geöffnet. Vereinzelt sorgen Wochenmarkt-Kunden für ihren Kartoffel- und Gemüsenachschub, frisches Brot oder Obst. „Ich bin zufrieden“, sagt eine Bäuerin aus Dudenhofen, die lieber unerkannt bleiben will. „Sonst denken die anderen, es geht mir zu gut“, erklärt sie. Am Stand von Ruth Fischer wartet Zwergpudeldame „Micky Maus“ – geschützt mit einem Nikolausmäntelchen. „Frauchen“ kann sich nicht zwischen Glücksklee und Rosenstrauß entscheiden. „Normal sind Rosen an Weihnachten nicht, aber die Kunden wollen Rosen“, weist Blumen-Fachfrau Fischer auf Blütenpracht mitten im Winter. Die Hundebesitzerin zahlt für Glücksklee mit Schornsteinfeger und zieht Micky Maus die Nikolaus-Mantel-Kapuze über die Ohren. Der Festplatz-Parkplatz ist nur mäßig besetzt. Speyer-Besucher strömen von dort aus in den Dom, wenige wagen den Weg über rutschiges Kopfsteinpflaster Richtung Einkaufsmeile. So gut wie fahrgastfrei passieren Stadtbusse den Domplatz. Auf dem Weihnachtsmarkt, der jetzt schon Neujahrsmarkt heißt, lassen sich drei Kinder vom Karussell drehen. Erwachsenen schmeckt die Wurst auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ein Paar trägt dampfende Glühweintassen über die ungewohnt menschenleere Korngasse. „Seit 8.30 Uhr geht es hier am laufenden Band“, berichtet Hiltrud Feldle, Inhaberin des gleichnamigen Tabak- und Zeitschriftengeschäfts in der Maximilianstraße von Lottoscheinen und Rauchwaren aller Art, die unentwegt über die Ladentheke wanderten. „Raucher gehen eben meilenweit für eine Zigarette“, sagt sie lachend. Bei „Douglas“ haben die Fachverkäuferinnen Zeit fürs Kundengespräch. „Kein Vergleich mit den Vorjahren“, sagt eine. Richtig voll ist es im Schuhhaus Bödeker. Dort drängen sich Schnäppchenjäger um Sonderangebote. Kommen und Gehen herrscht in der Postgalerie. Die meisten Passanten würdigen jedoch die weihnachtlich herausgeputzten Schaufenster keines Blickes. Sie wollen sich oft nur aufwärmen auf dem Weg zum nächstgelegenen Parkplatz. Genauso zeigte sich die City gestern. Der Schnee macht’s möglich. Eingekauft wird jetzt für Silvester. (kya)