Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Elektro-Lastwagen: Das sind die Vor- und Nachteile

Vorbereitung: ein Volvo-E-Truck vor der Auslieferung.
Vorbereitung: ein Volvo-E-Truck vor der Auslieferung.

Die Speyerer Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH macht’s jetzt mit Strom: Ab Juni steht der erste 26-Tonner E-Lastwagen der Marke Volvo auf dem Firmenhof in der Industriestraße. Die Geschäftsführer Stefan und Sascha Ziehl sind überzeugt von der Antriebsart. Ein Besuch in der Volvo-Firmenzentrale in Göteborg hat letzte Zweifel ausgeräumt.

Der Trip in den Norden hat Sascha Ziehl schwer beeindruckt. „Sie müssen aufs Display schauen, um überhaupt zu merken, dass der Lkw läuft. Sie hören beim Fahren die Vögel draußen zwitschern. Ich habe fünf Lastwagen gefahren. Jedes Mal bin ich mit einem breiteren Grinsen aus- und wieder eingestiegen“, schwärmt der Geschäftsführer im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Drei Tiropatrans-Kunden waren mitgereist. Sie haben sechs Fahrzeuge bestellt. Mit dem eigenen „Vorführwagen“ sei ihr Haus eines der ersten in Deutschland in ihrer Branche. Auch eine Lkw-Ladestation wird bei Tiropatrans installiert.

Der Wagen soll die Kundschaft neugierig machen und letztlich vom Umstieg überzeugen. „E-Antrieb ist erst mal die Zukunft“, betonen die Ziehls. Zwar würden in der Volvo-Zentrale auch andere Techniken erprobt, aber Elektro sei der Fokus. Den Laster können Kunden und Interessenten kostenfrei testen. Bei Veranstaltungen soll ihnen gezeigt werden, dass die E-Trucks der Dieselkonkurrenz in (fast) nichts mehr nachstehen. Volvo wolle bis 2050 komplett CO2-neutral sein. „Wir unterstützen den Kurs voll und ganz“, unterstreichen die Ziehls.

Eine Batterie, mehrere Leben

300 Kilometer beträgt die Reichweite des Vorführwagens. Die Batterie halte acht bis zehn Jahre „in ihrem ersten Leben“. Dann werde sie aufbereitet, könne im Lkw oder in einer anderen Verwendung ein zweites, dann ein drittes Leben beginnen, bevor sie endgültig recycelt werde. „Deswegen seien die E-Trucks zunächst optimal im regionalen Verkehr einsetzbar, betonen die Ziehls. Müllabfuhr, Werksverkehr von und zu der BASF, Container-Verleiher seien Zielgruppen.

Es hapere noch am Netz der Ladeinfrastruktur. An der passenden Ladestation brauche der Lkw jedoch nicht länger als der Pkw. Nach 1,5 Stunden sei der „Tank“ zu 80 Prozent wieder voll. Auch der Preis sei oft noch ein Gegenargument: Koste ein Diesel-Lkw der Großbaureihe 100.000 Euro, so beginne der Preis beim vergleichbaren E-Truck bei 380.000 Euro.

Staat zahlt mit

Doch gebe es zahlreiche Vorteile, die sich addieren. Die Geschäftsführer zählen auf: 80 Prozent der Mehrkosten für Fahrzeug und Ladestation zahlt der Staat, über den Erwerb von CO2-Zertifikaten lassen sich voraussichtlich jährlich bis zu 12.000 Euro sparen, bis 2030 gilt Mautfreiheit auf den Straßen, die Wartezeit auf einen Neuwagen betrage derzeit drei bis vier Monate. Für die Batterien gebe es auch günstige Wartungsverträge. Je nach benötigter Leistung könne im Truck eine Batterie weniger verbaut werden, das spare Platz im Wagen und Kosten in der Anschaffung.

Als Vertragshändler setzen Sascha und Stefan Ziehl auf Volvo. Denn die schwedische Firma liefert in Zusammenarbeit mit Renault Trucks nach Angaben der Gebrüder Ziehl bereits die gesamte Fahrzeug-Palette. „Volvo ist ganz vorne dabei, Marktführer in Europa mit 45 Prozent Marktanteil. 2023 sollen 1200 E-Trucks verkauft werden“, sagt Stefan Ziehl. Eine nennenswerte Anzahl davon in Speyer und in Brühl, den beiden Tiropatrans-Standorten, wie er hoffe, so Ziehl.

Ihr Haus wachse aktuell stark weiter: Zehn neue Kollegen im Vertrieb, jetzt 15 Gesellen in Speyer, weitere sechs in Brühl („so viele wie noch nie“) lassen das Mitarbeiterteam bis Juli 2022 auf 80 wachsen. Nach 27 Millionen Euro Umsatz 2021 erwarten die Geschäftsführer für dieses Jahr 32 Millionen. 240 neue Fahrzeuge wollen sie dieses Jahr ausliefern.

Papier hat ausgedient

30.000 Euro nehmen die Brüder in die Hand, um das Programm „Paperless“ zu implementieren. Auch in der Werkstatt gibt es damit seit April kein Papier mehr. 10.000 Blatt wurden bisher wöchentlich bedruckt. Damit ist es vorbei. 50 Tablets mit Spracherkennung wurden geordert, um alle Monteure auszustatten. Vom Förderprogramm Digiboost des Landes Rheinland-Pfalz erwarten sie 50 Prozent Förderung – und hoffen, dass das Tablet auch Pfälzisch versteht.

Zur Sache

Der Krieg in der Ukraine und die folgen lassen auch Tiropatrans nicht unberührt. Das Haus hat einen Lastwagen gestellt, der 18 Tonnen dringend benötigten Materials in die Ukraine gebracht hat. Bei der fünftägigen Tour über 3000 Kilometer über Polen kooperierte das Unternehmen unter anderem CHD Stephanus-Hilfswerk Speyer.

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