Speyer Einwanderer aus Südeuropa

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Seit einigen Tagen sind zahlreiche große, braune Käfer während der Dämmerung in Hausgärten in Reilingen beim Paarungsflug zu beobachten. Würde es sich dabei um späte Feldmaikäfer oder Junikäfer handeln, wäre das nicht ungewöhnlich. Doch gehören die gesichteten Insekten der aus Südeuropa stammenden Art Anoxia villosa (Brachkäfer) an. Das hat Insektenfachmann Erich Bettag aus Dudenhofen festgestellt.

Als Bettag erste Berichte über Aussehen und Verhalten der Käfer, die sich bei Einbruch der Dämmerung in den Wipfeln von großen Nadelbäumen zur Paarung sammeln, gehört hatte, vermutete er bereits Anoxia villosa als Urheber der Schauspiels. Der Beauftragte für Naturschutz und Landespflege des Rhein-Pfalz-Kreises schloss Junikäfer aufgrund von deren Körperlänge zwischen 1,4 und 1,8 Zentimetern aus. Bei der Inaugenscheinnahme dreier, bis zu 2,6 Zentimeter großer Exemplare aus Reilingen war für ihn klar, dass es sich auch nicht um Feldmaikäfer handelt. „Es ist eindeutig Anoxia villosa“, sagte Bettag, nachdem er insbesondere den Brustschild der drei Käfer betrachtet hatte. Denn die Ausbildung dieses Körperteils stimmt nicht allein mit der Zeichnung in einem Fachbuch, das der Dudenhofener hinzuzog, überein; sie passt auch zu dem bis dato einzigen Exemplar dieser Art, das Bettag in seiner Insektensammlung hat. „Ihn habe ich 1986 in den Sanddünen zwischen Speyer und Dudenhofen entdeckt“, sagte er. „Es ist eine neue Erkenntnis für mich, dass Anoxia villosa im Raum Hockenheim häufig vorkommt“, betonte Bettag. Die Art sei in Deutschland sehr selten, in Südeuropa dagegen weit verbreitet. Die drei Reilinger Exemplare von Anoxia villosa, der laut dem Dudenhofener auch als Brachkäfer bezeichnet wird, hat er in seine Sammlung aufgenommen. Winzige Zettel neben ihnen geben wie bei allen seinen Exemplaren Auskunft über Fundort und Finder (in diesem Fall unser Autor). Der Naturschützer erkundigte sich nach der Beschaffenheit der Gegend in Reilingen, in der Anoxia villosa in mehreren Hundert Exemplaren aufgetreten ist. Rasenflächen, Wildblumenwiesen mit Obstbäumen und Gemüseanbau kennzeichnen diese. Ein lehmiger Sandboden herrscht dort vor. „Das passt gut zu ihm“, sagte der Insektenexperte. Was Anoxia villosa angeht, wird auf verschiedenen Seiten im Internet (Wikipedia, www.waldwissen.net) über ein „häufiges Vorkommen“ dieser Art im Raum Hockenheim in den Jahren 2003 und 2007 berichtet. In Deutschland tritt der Brachkäfer nach diesen Quellen überhaupt nur in der Rheinebene zwischen Kehl und Darmstadt auf. Diese Region zählt zu den Gegenden Deutschlands mit den höchsten Temperaturen. Die Art Anoxia villosa (Gattung: Anoxia) gehört wie die verschiedenen Maikäferarten (Gattung: Melolontha) zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae). Ähnlich wie beim Feldmaikäfer leben laut Fachliteratur auch die Larven von Anoxia villosa, die sogenannten Engerlinge, im Erdboden und ernähren sich dort von Pflanzenwurzeln. Kräuter und Gräser stehen bei beiden Arten hoch im Kurs. Bei starkem Befall von Rasenflächen mit Feldmaikäfern oder Anoxia villosa können braune Stellen aufgrund schwer geschädigter oder abgestorbener Pflanzen entstehen. Beim Feldmaikäfer meist nach drei, beim Brachkäfer nach vier Jahren sind aus den Larven Käfer geworden. Dann beginnt der Kreislauf von Neuem.

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