Speyer Eingekreist:
Der Heilige Nikolaus ist ein gütiger Mann, der den braven Kindern Geschenke bringt. So heißt es. Nicht so der Nikolaus auf der Weihnachtsfeier der CDU Waldsee. Der kann vielleicht vom Leder ziehen über Gott und die Welt. Die Politik im großen, kleinen und ganz kleinen bekommt da mächtig ihr Fett weg. Das zu wiederholen, wäre dem politischen Klima in der Region nicht gerade förderlich. Aber der Nikolaus ist eben ein Mann klarer Worte. Er empfahl Ortsbürgermeister Otto Reiland, endlich mal kürzer zu treten, wenn er noch etwas von den Enkeln haben wolle: „Ein Mann ist schnell dahingerafft.“ Wenig Mitleid hatte er mit dem Landtagsabgeordneten Johannes Zehfuß, der nun halt nicht Minister geworden ist. Aber das Arbeiten auf dem Feld mache ihm ja auch Spaß mit seinen „Klitschko-Händen“. Wären dessen Pranken Füße, hätten sie ungefähr Größe 54. Milde lächeln konnte der Nikolaus über den Waldseer Beigeordneten Rudi Fuchs, weil der immer noch darauf hofft, dass der FCK irgendwann mal gewinnt. Für ihn hatte der Nikolaus sogar ein Geschenk im Sack: einen FCK-Schokoladen-Nikolaus. Nach diesem Auftritt hatte der Weißbart alias Norbert Eckrich angekündigt, in Rente zu gehen. Lieber Nikolaus, der Job ist doch gar nicht so schwer. Nur einen Tag Arbeit im Jahr, das schafft man auch mit über 80! Ein Platz an der Sonne ist nicht immer von Vorteil. Das hat sich auf der Sitzung des Verbandsgemeinderates Rheinauen gezeigt. Der Tisch für die Pressevertreter steht ganz hinten im Eck neben der Tür. Normalerweise ein zugiges Plätzchen, doch dieses Mal bläst ein riesiger Heizlüfter warme Luft von der Tür in den Saal. Richtig kuschelig ist es am Pressetisch. Kein Akt der Nächstenliebe, sondern Notwendigkeit, wie Verbandsbürgermeister Otto Reiland (CDU) gleich erklärt. Die Heizung im Ratssaal ist kaputt. Der sparsame Bürgermeister muss deswegen in den sauren Apfel beißen und eine höhere Stromrechnung zahlen. „Fassen Sie sich kurz, es ist kalt“, appelliert der Verwaltungschef an die Ratsmitglieder um punkt 18 Uhr. Gut zwei Stunden und 15 Tagesordnungspunkte später kriecht die Kälte langsam die Beine hoch, während der Heizlüfter monoton dröhnend warmen Wind ins Gesicht pustet. Die Ratsmitglieder fangen an zu bibbern. Fazit: Auch ein sonst sehr harmonischer Rat schafft es, Lärm und Hitze zu erzeugen. Wenn nicht mit Diskussionen, dann eben mit anderen Hilfsmitteln. Adventszeit – friedliche Zeit? Nicht in Schwegenheim. Im dortigen Ortsgemeinderat ist auch kurz vor Weihnachten von Frieden wenig zu spürbar. Einen besinnlichen, ja erheiternden Moment gab es in der jüngsten Sitzung aber doch: Als Ortsbürgermeister Peter Goldschmidt (SPD) sagte, dass im Frühjahr im Dorf ein Friedensbaum gepflanzt werden soll. Die Idee stammt von der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde. In Schwegenheim sollen laut Goldschmidt beide Kirchengemeinden und die Ortsgemeinde eingebunden werden. Ingrid Kerner (FWG) fragte, ob man nicht einen schönen Baum im Ort herausdeuten und diesen Friedensbaum nennen könne. Dass sich Beigeordneter Jürgen Wolff (CDU) lieber eine Schwarztanne als eine Rotbuche wünscht, ist klar. Werner Hellmann und Dirk Pramschiefer (beide SPD) witzelten, dass ein Friedensbaum sicher nicht ausreiche, um Frieden im Ort zu stiften. Also gleich drei Bäume pflanzen – für jede Fraktion einen? Lieber nicht. Dann wäre der Streit um die Kosten für die Baumpflege vorprogrammiert ... Apropos Streit in Schwegenheim: Die Weihnachtszeit gilt ja auch als Zeit der Wunder. Manches, was sonst nicht möglich scheint, ereignet sich just zum Fest. Wunderliches geschah am Mittwoch im Lingenfelder Verbandsgemeinderat: Die in der Ortspolitik heillos zerstrittenen Schwegenheimer, Ortsbürgermeister Peter Goldschmidt (SPD) sowie die Ortsbeigeordneten Bodo Lutzke (FWG) und Jürgen Wolff (CDU), zählten zu den wenigen Unterstützern des erfolglosen Antrags von Erwin Leuthner, die Verbandsgemeinde-Umlage zu senken. Dass eine solche Einmütigkeit der drei politischen Schwergewichte zum Wohle der Gemeinde in Zukunft öfter vorkomme, ganz ohne Friedensbaum – so mancher Schwegenheimer würde das wohl gar zu gerne auf seinen Wunschzettel schreiben. Ob dieser Wunsch auch in Erfüllung geht, darf bezweifelt werden. Schließlich ist die Weihnachtszeit als Zeit der Wunder bald wieder vorbei. Ein besinnliches und friedvolles Wochenende wünschen Christine Kraus, Timo Nagel und Henning Schwarz |krx