Speyer Eingekreist:

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Vor Beginn der Sitzung des Ortsgemeinderates Dudenhofen hat Reinhard Oelbermann, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, an die Kollegen, „auch die Roten und Gelben“ Schaumküsse verteilt. Heute als politisch unkorrekt verpönt, früher auch als Mohrenköpfe oder Negerküsse im Handel. Der Grund für Oelbermanns Zuckergabe? Vielleicht inspirierte ihn einfach nur das Thema Kindertagesstätte zur großzügigen Spendenaktion. Oder die dunkel glasierte Gabe war als Trostpflaster für die Oppositionsparteien gedacht. Innerhalb weniger Wochen mussten SPD, Grüne, FDP und Freie Wählergruppe zum zweiten Mal die bittere, schwarze Pille der absoluten CDU-Mehrheit schlucken. Ausnahmsweise hatten die vier Fraktionen geschlossen gegen den von der CDU erwählten Kita-Standort an der Realschule plus gestimmt und sich im Ausschuss unisono für eine konventionelle Bauweise ausgesprochen. Statt mit den anderen am Mittwoch „Stein auf Stein“ zu setzen, mauerte die Unions-Mehrheit alleine mit modularen Fertigteilen vor sich hin. Von den „Roten“ muss zumindest Wilhelm Kannegießer von der Oelbermann-Frucht genascht haben. Am Ende der Debatte, nach der aus seiner Sicht verlorenen Abstimmung, sagte er: „Das (der Negerkuss) war das Beste, was die CDU seit Jahren zu bieten hatte.“ Je nach Sitzordnung helles Zustimmungs-, tiefes Zufriedenheitsgelächter ringsum. Den „Gelben“ schlugen die Küsse – ob gegessen oder nur angeboten – gehörig auf den Magen. Jürgen Creutzmann, ansonsten um keine DIN-A-4-Seite der Entgegnung verlegen, tat die CDU-Dominanz in Sachen Bauplatz und Architektur lediglich in einem Nebensatz ab. Noch schlimmer erging es Hartmut Lardon. Vertieft in das Nachschmecken des Mohrenkopfes und in irgendwelche Papiere, wollte er gedankenverloren mit der CDU für das modulare Teufelswerk stimmen. Hätte ihm Parteifreund Creutzmann nicht in letzter Sekunde in den Arm gegriffen. (län) Landrat Clemens Körner hat schon vieles in seiner beruflichen und politischen Laufbahn gemacht, was der Job so außer der eigentlichen Arbeit mit sich bringt. Fassbieranstecher, Prinzessinenbussler, Landkreiserwanderer, Traubenleser im Landratswingert – so Sachen halt. Am Montag ist eine weitere verantwortungsvolle Aufgabe für den Dudenhofener hinzugekommen: Losfee. Denn als es bei der Sitzung des Kreistags darum ging, wer den letzten Sitz im Rechnungsprüfungsausschuss erhält, weil die Querelen innerhalb der AfD zu einer Kräfteverschiebung geführt haben, musste das Los entscheiden – zwischen der AfD und der SPD. Der Christdemokrat höchstselbst nahm die Ziehung der Lottozahlen – ach nein – die Ziehung der Lose vor. Zwei Zettel lagen in einem hübschen lindgrünen Blumentopf, der im Altriper Regino-Zentrum flugs als Lostrommel herbeigeschafft worden war. Sorgsam durchmischt, sofern das bei nur zwei Losen geht. Bedächtig griff Körner hinein, atemlose Stille – and the winner is ... die SPD. Für die auf drei Vertreter geschrumpfte AfD-Fraktion hat sich die Losfee Körner damit nicht als Glücksbringer erwiesen. (umi) Für Abwechslung im Sitzungsalltag hat die Aktion auf jeden Fall gesorgt. Vielleicht kann man im Wiederholungsfall Varianten einbauen. Münzen werfen und Kopf oder Zahl entscheiden lassen, wie bei der Seitenwahl im Fußball. Mit den Fraktionsvorsitzenden als Mannschaftskapitänen und dem Landrat als Schiedsrichter. Oder Schnick-Schnack-Schnuck. Oder... (umi) Wenn die Mitglieder des Kreistags ab und an außerhalb des Kreishauses tagen, ist vieles etwas anders als sonst. So auch am Montag in der östlichsten Gemeinde des Rhein-Pfalz-Kreises. Das fing schon damit an, dass Altrips Ortsbürgermeister Jürgen Jacob statt der gewohnten Brezeln frisch gebackenes Brot aus dem Altriper Brotbackhaus kredenzen ließ, bestrichen mit Schmalz und sehr lecker. Und er ließ es sich nicht nehmen, die „reichhaltige Historie“ der Rheingemeinde herauszustellen, bis hin zum alten römischen Kaiser Valentinian und der Gründung von Alta ripa im Jahre 369 nach Christus. Mit dem Hinweis, dass das stolze Altrip „1645 Jahre lang selbstständig war“, bis zur Kommunalreform und der Fusion mit der Verbandsgemeinde Waldsee im vergangenen Jahr. Jetzt wissen die Kreistagsmitglieder auch, dass in Altrip ab 15. Oktober „Winter befohlen“ ist und vorher im Regino-Zentrum nicht geheizt wird. „Wir haben dafür die Stühle enger gestellt, dass es warm wird“, sagte Jacob mit einem Schmunzeln. Wer weiß, vielleicht wärmt auch Schnick-schnack-Schnuck spielen. (umi) 100 Jahre auf der Welt – und immer noch hat die Dominikanerschwester Roswinda Martin genug Weitblick, um sich selbstlos für andere einzusetzen. Natürlich, über kleine Geschenke zu ihrem Ehrentag freute sich die Ordensfrau, die jahrzehntelang in Mechtersheim gewirkt hat. Doch noch mehr entzückte sie das Anerkennen ihres höchstpersönlichen Geburtstagswunsches: Die Kollekte des Festgottesdienstes am Sonntag in Mechtersheim, der ihr die Wertschätzung deutlich machte, wollte sie ihren Dominikanerschwestern zugute kommen lassen. Und zwar denen, die in Vietnam tagtäglich dafür arbeiten, dass der katholische Glaube dort von den Menschen ohne Angst gelebt werden kann. 880 Euro können Roswindas Mitschwestern nun für ihr Engagement nutzen – ein großes Geschenk an einem besonders großen Tag. (xsm) Für unerwartete Handlungen sind Politiktreibende im Allgemeinen bekannt. Dass sie allerdings zugeben, Gegenreaktionen nicht erwartet zu haben, kommt seltener vor. Jürgen Zimmer, parteiloses Ratsmitglied in Otterstadt, hat’s getan. Die Leidenschaft zum Motorradfahren ist nahezu zu Beginn jeder Sitzung erkennbar. Dicke Jacke, dunkler Helm – was man(n) eben so braucht. Jacke aus, Helm ab – ein Muss, dem selbst die Sturmfrisur nicht entgegensteht, weht der Wind im Sitzungssaal ohnehin oft sehr heftig. Dass die stramme Kopfbedeckung auch anderweitig besser künftig unterm Arm getragen werden sollte, musste Zimmer nun erkennen. Sein Ziel: die Bank. Mit dem Motorrad. Samt dicker Jacke und dunklem Helm, der aus Komfortgründen beim schnellen Geldziehen aufgelassen wurde. Einmarsch in den Schalterraum, Herzrasen bei den Bankern. Da fiel der Groschen. Schnell Karte zücken und aufklären: „Ich will Geld holen, aber legal“, sprach der Helm-Mann. Entwarnung für die Geschockten und die Erkenntnis, dass der Weg zur Besserung der richtige ist. (xsm)

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