Speyer Ein Zuhause nicht nur für Bücher
«Römerberg.»Seit 2002 befindet sich die Mediathek Römerberg in Berghausen – ihre Anfänge liegen aber in Mechtersheim. Ein sehr hartnäckiger und engagierter Lehrer richtete in den 1950er Jahren dort in der Schule eine Bibliothek ein.
Zunächst stellte Franz Leopold – Lehrer und später Rektor in Mechtersheim – seine eigenen Bestände zur Verfügung. Er sei aber immer bestrebt gewesen, die Bücher einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, berichtet Mediathek-Mitarbeiterin Marion Leutner. Nach jahrelangem Ringen konnte Leopold im Sommer 1966 die Gemeindebücherei eröffnen, die sich ebenfalls in der Mechtersheimer Schule befand. Der Bestand umfasste 750 Bücher, der jährliche Etat lag bei 500 D-Mark. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, meint Marion Leutner, die seit 1997 zum Team gehört. Zum Vergleich: Letztes Jahr erwarb die Mediathek für 18.000 Euro mehr als 1500 neue Medien. Leopold übergab die Leitung 1970 seinem Lehrerkollegen Manfred Spanier, der den Staffelstab 1976 an Adelheid Stark weiterreichte. Die ausgebildete Bibliothekarin bestimmte die Geschicke der Gemeindebücherei 25 Jahre lang. „Sie hat es mit Herzblut gemacht“, zollt Leutner ihrer früheren Chefin Respekt. Teilweise habe Adelheid Stark die Bücher direkt zu den Nutzern gebracht – mit dem Fahrrad. Heute komme sie als Leserin in die Mediathek. In Starks Zeit fielen gleich zwei Umzüge: der erste 1980 innerhalb der Mechtersheimer Schule. 1995 quartierte sich die Einrichtung im Obergeschoss des Mechtersheimer Feuerwehrhauses ein, wo heute die Jugendpflege zu Hause ist. Es dauerte nicht lange, da wurden auch die neuen Räume wieder zu klein. „Wir sind aus allen Nähten geplatzt“, blickt Marion Leutner zurück. Die Gemeinde suchte nach neuen Räumen und fand sie schließlich in der Berghäuser Straße 36b. Der Vermieter baute das Gebäude um, in dem zuvor eine Fahrschule und ein Fitnessstudio untergebracht waren. 2002 packte das Bücherei-Team deshalb wieder Kisten. Mit dem neuen Standort änderten sich einige andere Dinge: Neu war der Name Mediathek, der deutlich macht, dass hier nicht nur Bücher zu Hause sind. Die Mitarbeiter waren von nun an nicht mehr ehrenamtlich tätig, sondern angestellt. Und eine neue Leiterin kam: Christina Thormann. Seitdem führten drei weitere Frauen die Einrichtung, bis letztes Jahr Julia Hegel einstieg. 2014 vergrößerte sich die Mediathek erneut und erhielt einen Anbau. Hier befinden sich im Erdgeschoss ein Büro und die Sitzecke, im Obergeschoss ein weiterer Raum für Kinder, ebenfalls mit Platz zum Sitzen und Schmökern. Das gemütliche Verweilen ist dem Mediathek-Team wichtig. Das Medienhaus soll auch Platz für Veranstaltungen bieten. Im ersten Halbjahr 2019 stehen Bilderbuch-Kino, Basteln, eine lange Lesenacht und ein Computerspiel-Nachmittag auf dem Programm. In den Sommerferien wird die Mediathek wieder beim Lesesommer mitmachen – laut Hegel die Hauptveranstaltung schlechthin, bei der Ehrenamtliche das fünfköpfige Team unterstützen und die Kinder befragen, was sie gelesen haben. Die Mediathek erfreut sich immer größerer Beliebtheit. „Wir haben steigende Besucherzahlen“, meldet Hegel. 1161 aktive Nutzer zählte die Mediathek im vergangenen Jahr, aber insgesamt sind 3667 registriert – damit besitzen rein rechnerisch 36 Prozent der Römerberger einen Ausweis. Aber nur rein rechnerisch, denn nicht nur Römerberger gehen hier ein und aus. Elf Prozent der aktiven Nutzer kommen aus Speyer, neun Prozent aus Dudenhofen, ein geringer Anteil aus weiteren Orten. Knapp 40 Prozent der Besucher sind Kinder bis zehn Jahre. Die Kleinen leihen gerne Bilder- und Hörbücher sowie Filme aus. Verstärkt über die Ausleihtheke gingen 2018 Konsolenspiele – nicht ohne Grund: „Letztes Jahr haben wir sehr viele zugekauft“, sagt Hegel. Auch Erwachsene erwarteten Aktualität, macht die Leiterin klar. So läuft eine andauernde Bestandspflege: Was nicht mehr nachgefragt wird, muss für neue, angesagte Titel weichen. Die aussortierten Medien bietet die Mediathek während des Brunnenfestes auf einem Flohmarkt an.