Speyer „Ein Sturz ist unvermeidlich“

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«Römerberg/Speyer.»Wer heute über Straßen von und nach Speyer fährt, dem dürfte der Zustand der Straßendecke kaum zu schaffen machen. Vor fast 100 Jahren aber konnte es für Auto- und Motorrad-Fahrer allein deswegen gefährlich sein. 1924 klagte die „Speyerer Zeitung“ wie folgt darüber.

„Wer genötigt ist, die Straße SpeyerBerghausen mit einem Kraftwagen oder gar Kraftrad zu befahren, dürfte an dieser Fahrt wenig Freude haben. Die Straße ist nämlich stellenweise mit gröberem und stellenweise mit feinerem Schottermaterial überworfen. Wären beide Sorten im richtigen Verhältnis gemischt worden, so hätte man wahrscheinlich eine feste Strecke bekommen. So aber ist die Straße dort, wo das grobe Gestein aufgeworfen wurde, für Kraftradfahrer geradezu unbefahrbar gemacht worden. Weil das gröbere Material oder feines Bindematerial fast nicht befahren werden kann. Am wenigsten dort, wo viel Kraftwagen-Verkehr mit Gummibereifung ist.“ Wie sehr diese Gummibereifung durch die scharfspitzigen Steine angegriffen und verbraucht wird und wie dadurch viel Geld für Gummibeschaffung ins Ausland gehen muss, wäre schon der Beachtung wert. heißt es in dem Artikel. Das gelte für die Kraftwagen. Viel schlimmer aber seien die der Kraftradfahrer bei einer solchen Überschotterung dran. Noch gefährlicher aber sei es, wenn die Notwendigkeit eines Ausweichens mit kurzer Kurve eintritt. Dann rutsche das Hinterrad auf losen Schottern weg und ein Sturz sei unvermeidlich. „Die maßgeblichen Stellen seien daher dringend gebeten, bei der Pflege der Straße das soeben Geschriebene berücksichtigen zu wollen“, schreibt die Zeitung damals. Wer für den Zustand dieser Straße zuständig war, ergab sich auf RHEINPFALZ-Nachfrage beim Deutschen Straßenmuseum in Germersheim. Dessen Bibliothek-Mitarbeiter Wolfgang Hanspach teilte mit, „dass Straßenbau-Entscheidungen damals vom Bayerischen Ministerium des Innern getroffen wurden. Für die Instandhaltung der Straßen waren Straßenwärter zuständig. Erst ab 1930 gab es Straßenmeistereien“. Deren Germersheimer Dienststelle sei wohl zuständig gewesen für die genannte Strecke, Teil der Staatsstraße 129 mit dem Verlauf Speyer – Schwegenheim – Kandel – Neulauterburg. Hanspach verwies auch auf eine Verkehrszählung in den Jahren 1924/25, in der eine Zunahme des Autoverkehrs auf dieser Route festgestellt worden war. Diesem neuen Zustand war aber die Straßendecke offenbar noch nicht angepasst. Denn: „Räder von motorgetriebenen Fahrzeugen beanspruchen die Straßenoberfläche ganz anders als Räder von gezogenen Wagen. Die Erstgenannten reißen Steine aus dem Schotterstraßengefüge heraus, die Anderen walzen sie nieder.“

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